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19.4.09

Noch so ein koreanisches Paradies

Langsam wird es mir unheimlich und ich glaube, dass ich jetzt weiss, warum ich nicht jedes Wochenende verreise in Korea - ich wuerde einfach nicht mehr alles in meinen Kopf bekommen, was ich an faszinierender Lokalkultur kennenlerne, an Ruhe gewinne und schliesslich muesste ich Seoul wohl fluchtartig verlassen. Ich liebe Seoul, aber die Stadt macht es mir nicht leicht, wenn man 3 Stunden suedlich Spaziergaenge in Reisfeldern, Diskutieren in Pavillons und Omokspielen in traditionellen Dorfschulen hat.
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Nach dem Stress der Anreise hatten wir schliesslich doch noch eine schoene Reise, sogar eine unvergleichlich schoene und das alles haben wir wirklich ganz und allein Herrn Prof. Sasse zu verdanken. Rein faktisch ist er der anerkannteste Koreanist Deutschlands, der auf den Nachwuchs theoretisch gelinde gesagt einfach Mal nicht achten braeuchte - ja, und wir sind ein paar kleine dumme Studenten, die nicht mal moderne Literatur vollkommen fehlerfrei uebersetzt bekommen und ihn erst seit ein paar Wochen persoenlich kennen. Das sind Zutaten, die ein fuer beide Seiten sehr gequaeltes Wochenende erzeugen koennen.
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Stattdessen wurde es einer der besten Trips meines Lebens und auch Prof. Sasse, der wenn es drauf ankommt, auch schon Mal Studenten wegschickt, scheint sich nicht voellig gelangweilt zu haben. Wir wurden wie Ehrengaeste in seinem wunderbaren traditionellen Anwesen behandelt, durften erlesene selbstgebrannte Schnaepse probieren, bekamen Marmeladen und anderes aus eigenem Anbau zu probieren und wurden koestlich unterhalten. Eine Nacht in seinem Atelier zu verbringen, nur den schwachen Schimmer des Mondes durch die Papierfenster - unvergleichlich, atemberaubend schoen.
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Und mein Entschluss, dass ich irgendwann einmal in einem Hanok leben muss, ist nur noch staerker geworden. Eine der bezeichnendsten Szenen ueberhaupt war als wir nach der Besichtigungstour wieder in den Innenhof kamen und ich gerade zur Frage ansetzen wollte, ob sich dieses Gefuehl nach Hause ins Hanok zu kommen je abnutzt.
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Doch da breitete Prof. Sasse bereits die Arme aus und ihm entfleuchte ein "aaaaaah....wunderbar".
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Momente puren Zens.
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Paradies ist wohl, wenn man vom Grossvater, Urvater und Uebervater der Koreanistik nachts um halb 2 in der Kueche seines Anwesens auf einer Gitarre zweideutige Dylan-Lieder vorgespielt bekommt. Ich dachte bis jetzt, dass es solcherlei Zusammenkuenfte nur in Geschichten gibt, die vor langer langer Zeit spielen und die meist ueber die Jahre romantisiert werden. Aber ich durfte es dieses Wochenende tatsaechlich erleben. Und ich schaetze jeden dieser Momente unglaublich hoch ein, obwohl wir uns eigentlich alle am Tisch einig waren, dass ein solches Leben der Lohn dafuer ist, dass man sich ein Leben lang gegen Widerstaende durchsetzt, nicht auf andere hoert und sein Ding durchzieht.
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Mehr zum Wochenende und Bilder (meine Kamera ist passenderweise auch noch endgueltig kaputt gegangen, aber die Maedels haben Bilder gemacht) bald auf diesem Blog und auf unserer Seite, denn das war ja ein KTO-Arbeitsbesuch, was ich nicht vergessen darf, bei all dem, was mir dieser Besuch persoenlich und akademisch gebracht hat.
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P.S: Auf ArirangTV wird man uns auch bald bewundern koennen, denn die gesamte Zeit wurden wir von einem nervigen und regelrecht dummen Fernsehteam begleitet. Ich meine, da hat ein koreanisches Fernsehteam Mal die Gelegenheit einen Professor zu filmen, der mehr ueber koreanische Kultur weiss als 90% der Koreaner und dazu interessierte Studenten, die zumindest ein bisschen tieferes Nischenwissen ihr eigen nennen. Und dann kommen Fragen wie "Wie schmeckt das Kimchi", "Findet Ihr es schoen mit Herrn Prof. Sasse herumzulaufen" und aehnliche Klassiker des investigativen und hochklassigen Journalismus.

24.1.09

Akademiker

So, seit Anfang der Woche ist es einigermassen offiziell. Habe von der Uni eine Bestätigung erhalten, dass ich wirklich alle Leistungen erbracht habe für meinen Bachelor und dementsprechend darf ich mich jetzt offiziell "Bachelor of Arts" nennen - wobei natürlich die Frage ist, ob man auf so einen Mickerabschluss Stolz sein soll/darf/kann/muss.
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Ein echtes Zeugnis habe ich noch nicht, weil leider die Zeugnisformulare noch immer nicht bestellt sind. Wie gesagt, man konnte ja nicht erwarten, dass jemand nach der Bachelor-Umstellung wirklich (fast) in Regelstudienzeit seinen Abschluss macht. Vielleicht wird das mit dem Zeugnis ja doch noch was bevor ich wieder fahre.
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Im einzelnen sehen die Noten folgendermaßen aus:
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Kernfach 110 LP (Ostasienwissenschaften/Koreastudien): 1,5
Affines Modul 30 LP (Politikwissenschaft, Linguistik, Ostasiatische Kunstgeschichte): 1,2
Bachelorarbeit 10 LP : 1,0
ABV: nicht benotet
Gesamtnote: 1,4
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Kann man zufrieden mit sein, muss man aber auch nicht. Dafür, dass Koreastudien nun Mal nicht Jura oder Medizin ist, hätte es ruhig ein noch besserer Schnitt sein dürfen. Aber im Endeffekt ist es auch egal. Das einzige, was ich bereue, ist, dass ich eine Koreanisch-V-Klausur mächtig verhauen habe und Kurse bei Frau Cho gewählt habe, die etwas negativ reinhauen.
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Mein Dongsaeng Nico hat mir ein paar Statistiken rausgesucht, nach denen in Deutschland zwar immerhin 30% eines Jahrgangs ein Studium anfangen (mehr als ich erwartet hatte), aber nur 7% es auch abschliessen (weniger als erwartet und ganz unten im EU-Durchschnitt). Und da sind eben schon so Schmalspurstudien wie Bachelor mit drin, die anderswo ja bereits frueher eingefuehrt wurden.
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Am Donnerstag habe ich jetzt erstmal ein Gespräch mit unserer neuen Professorin, die mit mir über meine "akademische Zukunft" sprechen möchte. Ich gehe da mal vorsichtig kritisch hinein. Aber ehrt sie, dass sie trotz meiner extrem kritischen Bachelorarbeit noch mit mir sprechen möchte.
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Ansonsten gab es natürlich Gründe, warum ich so lange nicht geschrieben habe: Waren in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Aachen, Maastricht und meiner neuen Lieblingsstadt Brüssel. Ernsthaft, noch nie so eine dynamische, wirklich auf angenehme Weise multikulturelle und internationale sowie wunderschöne Stadt gesehen.
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Des weiteren bin ich am Überlegen über meine Zukunft, wie es nun weitergehen sollte. Habe Angebote aus Hamburg, Berlin, Frankfurt und Seoul. Teils ist das feste Arbeit, teils Master. Bewerben würde mich mich ansonsten auch in Seoul für den Master, wobei ich da erst im Juni endgültig Bescheid weiß. Habe ja auch erst Mal noch ein Semester Akademie zu absolvieren, bevor ich für was anderes frei bin. Insofern heißt es abwarten, neu ordnen, sich auf Akademie konzentrieren und alle Fühler weiterhin in alle Richtungen ausstrecken.
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23.11.08

Koreakrieg

Einen seltenen Fall von Beachtung fuer Buecher mit Koreabezug in deutschen Medien habe ich heute in der FAZ entdeckt. Es geht um einen neuen Band zum Koreakrieg, der sich eben nicht mit den blossen bekannten Fakten, sondern auch etwas unbekannteren Episoden beschaeftigt. Und nicht zuletzt bietet der Band eine gewisse Bandbreite. Solange die linken Minjung-Akademiker richtig von vernuenftigen Wissenschaftlern eingerahmt werden, finde ich auch solche Beitraege sehr sinnvoll, um ein komplettes Bild der Koreaforschung zu geben.
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12.11.08

Wird ja immer besser

Da les ich heute den AKSE-Report 2008, also den Bericht zur Lage der internationalen Koreanistik, und da stoesst mir ein Satz doch besonders positiv auf. Ja, ich weiss, der Blog verkommt gerade zur Eigenlobabwurfstelle, aber irgendwie passieren gerade wieder einige aufregende Dinge in meinem Leben. Alles keine Nobelpreise, aber fuer einen kleinen Studenten, der noch nicht Mal seinen ersten Abschluss in der Tasche hat, doch aufregende Dinge.
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Ich habe irgendwie seit einiger Zeit das Gefuehl, dass mein Leben sich in Stufen veraendert, also eher ruckartig. Insgesamt betrachtet, ist es natuerlich schon eine langsam ansteigende Kurve, aber es gibt so Zeitpunkte an denen sich eine Menge in meinem Leben aendert und gerade ist wieder so einer. Daher sei mir auch die Einbindung des folgenden Zitats verziehen. Ich werde dann demnaechst wieder inhaltlich bloggen.
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"A historic moment was this year in July when the first student, Jan Janowski, handed in his BA thesis (an analysis of Park Geun-hye’s political activities), thereby becoming the first student to complete the BA course at our department."
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