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6.7.11

Horizonte

Egal wie die Vergabe der Olympischen Winterspiele auch ausgehen mag, ich fand es interessant die Präsentation zu sehen. Wer sich an die Kampagnen der letzten Bewerbungen erinnert, wir den Unterschied gemerkt haben. Allein schon angefangen beim Slogan "Yes Pyeongchang" bei der ersten Bewerbung. So ein aussageloser Konglish-Slogan, wie er selbst vielen Stadtteilen und Kreisen in Korea inzwischen zu peinlich wäre.
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New Horizons gefällt mir persönlich, das Konzept wurde konsequent durchgezogen - schwarze Kinder, arme Filipinos als Hoffung und Zukunft. Was vielleicht in Europa als selbstverständlich gilt, ist für Korea doch etwas Neues: Nicht Korea selbst stand im Vordergrund des Konzeptes, sondern eben die neuen Horizonte - universelle Themen für die ganze Welt. Früher hätte man endlose Schleifen von koreanischen Erfolgen und den Präsidenten in ständiger Großaufnahme gezeigt. Und wenn ich früher sage, dann meine ich "noch vor einigen Jahren".
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Sehr besonders war auch, dass man ENDLICH damit aufgehört hat das Thema Frieden und Nordkorea in den Mittelpunkt zu stellen. Selbst wenn es sich nett anhört; gebracht hat es nie was, weder stimmenmäßig noch in der Realität. Dies mal wäre es nur noch lächerlich gewesen. Allerdings sehr stark die Verbindung der neuen Horizonte, die Wandel auslösen und dann nur einen kurzen Nebensatz "auch ideologisch". Das war eindrucksvoller als jedes nationalistisch-romantisierende Wiedervereinigungs-Fähnchengeschwenke.
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Zum Anfang für meinen Geschmack allerdings von der Präsentation etwas langatmig die personenlastige Moderation und altbacken in der Aufmachung. Erst zum Schluss mit etwas dynamischeren Bildern und der Verbindung von Pyeongchang und Seoul, die hoffentlich die noch immer tiefsitzende Angst nahm, dass die IOC-Mitglieder in der koreanischen Wallachei nichts zum Fressen und Vö...lalala bekommen, wurde es dann wirklich überzeugend und das Abschlussvideo mit besagten kleinen Kindern aus allen Ländern war natürlich von der Art nichts spektakulär Neues, aber stimmungsvoll und in stimmig.
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Mal schauen, ob es was genutzt hat. München war jedenfalls auch nicht schlecht. Die sogenannten Experten flüstern was von 46-52 Stimmen für Pyeongchang im ersten Wahlgang, wobei sich die genaue Zahl als insgesamt entscheidend wichtig herausstellen kann: Wahrscheinlich wird man 49 für einen Sieg im ersten Wahlgang benötigen, schafft man also nicht gleich den Paukenschlag geht es wieder in den zweiten Wahlgang und da ist Korea strategisch benachteiligt. Schafft es München in den zweiten Wahlgang, dürfte die Witt zuletzt lachen - am schönsten tut das aber grundsätzlich Kim Yuna, damit das mal klar ist!
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Wie sagt der Koreaner: Duggeong yeorobwaya alji - Erst wenn die Deckel der Wahlurnen auf sind, weiß man es.
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14.12.10

Kein Ernstfall

Keine Panik bekommen morgen um 14 Uhr: Es wird die groesste Zivilschutzuebung der (sued)koreanischen Geschichte durchgefuehrt. Alle Fahrer muessen nicht nur anhalten, sondern sogar in die U-Bahnen und Schutzraeume fluechten. Gleiches gilt fuer Passanten. Auf den Strassen wird Militaer und Zivilschutzpersonal sein, es wird ein Ernstfall simuliert, lebensnah wie es in der offiziellen Ankuendigung heisst. Ob die Firmen die Arbeit dies mal unterbrechen, wurde nicht dazu gesagt, offiziell sind aber wie immer auch alle Arbeitgeber aufgefordert mitzumachen.
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Nur 15 Minuten wird der Spuk dauern, aber die Behoerden hoffen ein Sicherheitsbewusstsein zu schaffen - es wurde bisher noch nie geuebt wie man sich wirklich in Sicherheit bringt, sondern nur wie man so tut als ob.
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30.11.10

Wikileaks Wundenlecken

Waehrend sich die ganze Welt ueber blonde Krankenschwestern und Silvios Parties belustigt, gibt es auch sehr sehr interessante Leaks unter dem Wust von Dokumenten. Allein zur Koreafrage habe ich schon an die 30 gelesen, die voll sind mit Vermutungen, die man immer hatte, aber nie gedacht haette, dass Offizielle sie auch wirklich so aeussern.
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Am interessantesten sicher die schon kaum noch als "Vermutung" geltene Hilfe Chinas beim Transport von Raketen aus Nordkorea in den Iran, das Hacken von Google und des Computers des Dalai Lama etc. Aber gleichzeitig auch, dass China durchaus einer Wiedervereinigung nicht negativ gegenueber steht, solange die US-Truppen sich raushalten und ordentlich Schmiergeld...ehm..Wirtschaftsverpflichtungen...fliessen.
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Um mal zu illustrieren mit was fuer einem Herren man es als koreanischer Vizeaussenminister zu tun hat, wenn es um Sechs-Parteien-Gespraeche geht:
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Turning to the Six Party Talks, Chun said it was “a very bad thing” that Wu Dawei had retained his position as chief of the PRC’s delegation. It had been the ROK’s expectation that Vice Foreign Minister Cui Tiankai, who was hastily transferred from Tokyo back to Beijing, would be taking over from Wu. Chun said it appeared that the DPRK “must have lobbied extremely hard” for the now-retired Wu to stay on as China’s 6PT chief. The VFM complained that Wu is the PRC’s “most incompetent official,” an arrogant, Marx-spouting former Red Guard who “knows nothing about North Korea, nothing about nonproliferation and is hard to communicate with because he doesn’t speak English.” Wu was also a hardline nationalist, loudly proclaiming — to anyone willing to listen — that the PRC’s economic rise represented a “return to normalcy” with China as a great world power.
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Die Dokumente zeigen aber auch, dass es fuer Korea wichtig sein wird, die neue Generation in Peking zu hofieren, da dieser lange vermutete Unterschied in den Attitueden der chinesischen Fuehrung offensichtlich tatsaechlich existiert:
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Sophisticated Chinese officials like Cui Tiankai and Chinese Communist Party Central Committee International Department Vice Director Liu Jieyi stood in sharp contrast to Wu, according to VFM Chun. Citing private conversations during previous sessions of the Six Party Talks, Chun claimed Cui and Liu both believed Korea should be unified under ROK control. The two officials, Chun said, were ready to “face the new reality” that the DPRK now had little value to China as a buffer state — a view that since North Korea’s 2006 nuclear test had reportedly gained traction among senior PRC leaders.
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Wie auch immer, der Schluessel liegt in China und das ist nicht gut. Ein kurzer Rueckblick auf den Besuch Dai Binggous in Seoul:
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Er kuendet einen Besuch nicht an, kommt dann um 12 Uhr und bittet um sofortige Erlaubnis am Seouler Militaerflughafen zu landen, was normalerweise nur Staatsoberhaeuptern gewaehrt wird. Bekommt seine Erlaubnis.
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Dann sagt er kein Thema und Grund, sondern verlangt lediglich den Praesidenten zu sprechen. Dies lehnt die koreanische Regierung ab und schickt nur den Aussenminister, selbst das schon eine Freundlichkeit sondersgleichen, wenn man weiss, dass solche Treffen normalerweise minutioes vorbereitet werden muessen.
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Alles solle geheim bleiben, bittet Dai zudem. Am naechsten Tag steht Dai mit der chinesischen Presse im Praesidentenpalast und laesst das Treffen publik machen. Im Treffen belehrt Dai dann Lee eine Stunde ueber die koreanisch-chinesischen Beziehungen, bevor er zu den Sechs-Parteien-Gespraechen kommt. Lee macht zweimal deutlich, dass derzeit keinerlei Chancen auf eine Wiederaufnahme bestehen. Dai reist ab.
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Etwa 2 Stunden spaeter kuendigt das chinesische Aussenministerium eine wichtige Bekanntmachung an, ein sehr sehr seltener Schritt. Dann wird angekuendigt, dass man die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespraeche in der naechsten Woche anpeile.
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Einfach nur unglaublich.

23.11.10

Ohnmacht

Man weiss, dass es möglich ist, auch wenn alle sogenannten Experten erzählen, dass Nordkorea niemals Zivilisten angreifen würde. Und dann passiert es. Und vielen fällt auf, wie nah das unmenschlichste Regime auf dieser Erde doch ist.
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Wir waren beim Mittagessen als die ersten Nachrichten kamen. 20 Schüsse, 30 Schüsse, Gegenreaktion. Aha, wieder so ein Scharmützel dachten wir uns und aßen unbeirrt weiter. Man kennt das ja. Es ging in den Unterricht weiter und die Frage war nicht, was da nun schon wieder passiert war, sondern ob wir noch Zeit für einen Kaffee haben.
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Dann kam unser Prof. und begann nicht mit dem Unterricht, sondern surfte im Internet. Da sahen wir erstmals die brennende Insel und es kamen Nachrichten über Verletzte, weitere Schüsse etc. rein. Alle paar Minuten eine Verschärfung. Spätestens bei "Jindogae 1" wussten alle Jungs, die schon beim Militär waren, dass es ernst ist, denn dies ist die höchste Alarmstufe, die seit dem Koreakrieg ausgerufen wurde. Die Handies liefen heiß, alle saßen mit dem DMB auf dem Schoß und guckten Nachrichten.
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Ständig rannten Leute raus, der Prof. konnte seinen Unterricht kaum fortsetzen, an allen Fernsehern versammelten sich Leute. Unser Professor, ein rationaler Linker, brach immer wieder in Wut über die eigenen Leute aus.
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Jetzt bin ich zuhause und es gibt es immer mehr Bilder: Frauen mit Säuglingen als Kriegsflüchtlinge auf Fischerbooten, alte Menschen, die bei Eiseskälte und ohne Strom in die Bunker trippeln, explodierende Granaten an der Kreisverwaltung von Yeonpyeong.
Da die Feuerwehr ebenfalls getroffen ist, breitet sich das Feuer ungehindert aus, inzwischen brennt ein Großteil der Insel. Ebenso getroffen wurde eine Kaserne, dort gab es auch die beiden Toten, so meine Informationen.
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Dieser Tag sprengt im wahrsten Sinne des Wortes alles Vorstellbare. Heute ist Tag 1 einer neuen Ära, was für eine, wird die Zeit zeigen. Die Rauchsäulen werden sich jedenfalls ins Gedächtnis brennen.
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Bisher ist die Regierung sehr vorsichtig in der Reaktion, aber dass selbst die pronordkoreanische Opposition von der Minnodang ruhig ist, ist ein deutliches Zeichen. An der Uni waren auch die Linken, die beim Cheonan-Untergang noch auf eventuelle amerikanische Täterschaft anspielten, heute ganz ganz ruhig.
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Es gibt noch keinerlei Anhaltspunkte, warum Nordkorea diesen Angriff gestartet hat. Ist es ein Zeichen der Stärke für Kim Jong-un oder ist ein Plan seiner Gegner, um seine Position zu untergraben? Hängt es mit dem Uran-Programm zusammen, dass erst vor 2 Tagen veröffentlicht wurde?
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Wie auch immer. Wieder einmal sind durch Politik Menschen gestorben. Ich bitte alle Leser in einem Moment der Ruhe den Verletzten und Toten zu gedenken.
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8.11.10

Hype und Hyper

G20 in Seoul, an allen Gebaeuden haengen Plakate, durch alle U-Bahnhoefe laufen G20-Sonderpolizei und normale Polizisten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Korrespondenten und Journalisten sind auch schon da.
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Obwohl ich mich voellig rausziehen wollte, bin ich jetzt doch in einigen Sachen verwickelt. Ansonsten ist Sarah da...wir haben ueber 1000 Fotos geschossen auf unseren Reisen und Ausfluegen.
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Bald gehts nach Peking. Mehr gibts erst mal nicht.
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Ausser diesen Artikel ueber Seoul, wieder einmal ein Lob der Globalisierung der Stadt, diesmal im angesehenen Time Magazine: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,2029399,00.html

12.10.10

Der Simpsons-Skandal

Mal wieder passieren die absurdesten Dinge im Zusammenhang mit Korea. Dies mal hat ein Simpsons-Intro eine Debatte ausgelöst. Und zwar nicht nur in Korea, sondern auch in England, den USA und sogar im Forum von SpiegelOnline. In der neuesten Simpsons-Folge wird von einem amerikanischen, antikapitalistischen Gutmenschen-Zeichner das Outsourcing der Animationen der Simpsons nach Korea kritisiert. Und zwar folgendermaßen:
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Der eigentliche Missstand in Korea sind nicht die Arbeitsbedingungen der Zeichner, sondern dass wir hier entgegen der Schilderung des großen Gutmenschen weder Pandas noch Einhörner haben. Ich fand das Intro an sich durchaus witzig und gut gemacht, woran ich mich stoße ist lediglich die Einstellung des Zeichners. Wenn er es auch einfach als witzigen Seitenhieb verstehen würde, gäbe es kein Problem. Stattdessen möchte dieser ach so gebildete Mensch aber "aufrütteln" und aufmerksam machen auf das Outsourcing-Problem. Kritik hat ihm vor allem eingebracht, dass er wörtlich gesagt hat, dass diese Cartoons in "sweatshops" produziert würden, was sofort das Bild von chinesischen Textilfabriken auf dem Land aufruft.
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Die Simpsons (und viele andere beliebte Serien) werden aber nicht in irgendeinem Hinterhof produziert, sondern in einem zugegebenermaßen nicht sonderlich ansehnlichen Bürogebäude im vornehmen Seouler Süden und zwar im Studio von Nelson Shin, einem der bekanntesten Animationsmeister überhaupt. Laserschwert aus Star Wars? Pink Panther? Transformers? Alles Nelson Shin.
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Wer also seine Vorurteile über die versklavten asiatischen Arbeiter behalten will, der kann sich am obigen Video erfreuen, wer zusätzlich das reale Bild haben möchte, der kann sich das sehr sehenswerte CNN-Interview mit Nelson Shin unten anschauen. Im Video werden auch die konkreten Arbeitsplätze und die Zeichner gezeigt. Orthopädische Bürostühle! Oh grausame koreanische Sweatshops! Aber wahrscheinlich wurden die nur für Propagandazwecke aus ihrer Höhle nach oben gebracht und die Ketten kurz für die Kamera abgenommen.
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Nelson Shin äußert sich ganz am Ende (8:20) auch selbst zu einer Szene von vor einiger Zeit, in der die Simpsons-Storywriter sich über das koreanische Studio lustig machen. Grandiose Antwort von Shin; seine Worte sind diplomatisch, sein Gesicht sagt alles.
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9.10.10

Feuerwerk

Heute war Feuerwerk am Fluss. Einskommazweimillionenmenschen. Alles friedlich und ruhig. Feuerwark war schön.
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Hier klicken oder hier
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6.10.10

Mongolensockenverkäufererlebnisse

Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt in Korea. Ich saß am Montag mit einem Kumpel in einer Bar und unterhielt mich, da stand plötzlich ein Asiate mit gläsernem Blick vor uns und ließ sich auch nicht davon stören, dass wir gerade miteinander sprachen.
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In einem breiten nordkoreanischen Dialekt, der auch die Nachbartische aufhorchen ließ, erzählte er dann, er käme aus der Mongolei und studiere Business an der Sejong-Universität. Um seine Studiengebühren zu finanzieren, wolle er Socken verkaufen.
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Wir also 3 Paar gekauft und uns doch stark gewundert; die waren billiger als der aufgedruckte Preis.
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So viele Fragen: Wo kam der Junge wirklich her, wo hatte er die Socken her und wie kommt man auf die Idee? Und wieviel Socken muss man verkaufen, um Studiengebühren zu finanzieren?
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26.9.10

Seoul steigt auf

...sagt die New York Times. Allerdings von einem sehr niedrigen Niveau, fuegt die New York Times hinzu. Vermutlich steckt da wieder die Stadtregierung dahinter, vielleicht aber auch nicht. Ich erspare mir mal einen Kommentar und gebe den langen Link zu dem sehr langen Artikel einfach so weiter: SEOUL ASCENDING
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Moneyshot: "For me, it felt like the whole place was an adolescent about to turn 18. If the country was the homely nerd from high school, it seems about to become a supermodel. It wasn’t because the powers that be were imposing a sleek, high-tech aesthetic upon the citizens. It seemed more realistic that the culture and its people are just too warm, interesting and weird to keep themselves bottled up any longer."

. Ganz allgemein, eine Frage, die mir bisher noch nie jemand beantworten konnte, bleibt: Wie haette Seoul sich bisher anders entwickeln sollen? Wie haette man die Stadtplanung schon frueher in eine bessere Richtung treiben koennen?
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24.9.10

Es braut sich was zusammen

Es braut sich was zusammen in Asien. Japan ist, und dafür gibt es keine andere Bezeichnung, vor China in die Knie gegangen. China hat seinen ersten offenen Machtkampf mit Japan klar gewonnen, der Testballon war erfolgreich. Die antijapanische Stimmung wird zudem trotz der Freilassung des Kapitäns zumindest weiter öffentlich ordentlich angefeuert. Chinas Agenda wird immer deutlicher.
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Doch das könnte ich durchaus auch als Bumerang erweisen. Nicht nur, weil ich China noch 30-40 Jahre nicht so weit sehe eine echte Weltmacht zu werden. Dazu gehört mehr als eine große Wirtschaft. Politisches Vertrauen, kulturelle Kraft, das sind Dinge, da könnte selbst das kleine Korea eher zum Regionalhegemon in Asien aufsteigen als China. Selbst regional sollte China Japan nicht unterschätzen. Japan ist auf dem absteigenden Ast und hat noch immer kein Vertrauen schaffen können, aber Japan so zu behandeln, wie China das jetzt getan hat, ist deutlich verfrüht.
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Meiner Meinung nach kann so ein Schock in Japan den Wunsch auslösen, militärisch aktiver zu werden. Der Schutzschild der USA ist seit der Okinawa-Krise nicht mehr so verlässlich und jetzt hat China die politischen Machtverhältnisse aufgezeigt, die es für die Zukunft anstrebt. Das, wie es so schön unter japanischen Nationalisten heißt, "Japan, das sich wehrt", könnte jetzt mehr Unterstützung finden.
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In den USA wird übrigens gerade ein Handelskrieg gegen China vorbereitet. Der Ausgang dieser Maßnahme dürfte noch spannender werden.
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Und Korea? Ist gaaaanz ruhig. Die Medien berichten ausführlich über die Krise, an der übrigens ja auch Taiwan noch beteiligt ist, das ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhebt. Aber die Regierung in Korea? Seeeeeeehr ruhig. Ist auch das beste, was man machen kann.
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Die chinesischen Touristen stürmen Korea die Bude ein, die japanischen Touristen kommen weiterhin in großen Mengen. Von beiden Ländern ist man auch im Rest der Wirtschaft weiter stark abhängig. Mit China kann man es sich zudem wegen Nordkorea nicht verscherzen, mit Japan aus gleichem Grund ebenso wenig.
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Ode an den Hangang

Bei GomSeonsaeng hatte ich ja neulich schon mal die Ode auf den Hangang übersetzt. Heute habe ich mir etwas Zeit genommen und meine persönliche Huldigung an den Hangang endlich mal in die Tat umgesetzt. Eine Radtour. Zeit und Kondition hätten einmal ganz hin und zurück (über 60 Kilometer) wahrscheinlich nicht zugelassen, deshalb habe ich mich mit der mittelgroßen Tour begnügt.
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Ich war schon am Montag zu Fuß 12 Kilometer von Yeouido bis zum Flughafen Gimpo am Fluss entlang gelaufen und hatte mich da entschieden, jetzt auch mal die andere Richtung in Angriff zu nehmen. Laufen ist irgendwie so uneffektiv.
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Lange Rede kurzer Sinn, das war die Tour, für diejenigen, denen die Ortsnamen was sagen:
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Yeouido - Dongjak - Banpo - Ichon - Bamiseom - Gwangheungchang - Mapo - Yeouido. (Naver sagt 19.4 km)
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Da ich versuchen wollte über die Seogang-Brücke wieder nach Yeouido zu kommen, die aber leider eine reine Autobrücke ist, und ich dann die lustige Entscheidung traf, raus aus dem Park auf die normale Straße zu fahren, habe ich sogar noch ein richtiges Abenteuer erlebt. Seoul ist wirklich nicht gemacht fürs Fahrradfahren als Nahverkehrsmittel im geschlossenen Stadtgebiet, aber es war ein lustiges Erlebnis und die letzten paar hundert Meter auf der Fressmeile von Mapo waren dann doch dank breiter Bürgersteige wieder entspannter als ansteigende Autobahnausfahrten mit nem kleinen Leihrad ohne Gangschaltung zu überwinden.
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Ansonsten boten sich mir wieder einmal viele neue Einblicke.
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1. Seinen kleinen Schosshündchen beim Ausgehen traditionelle Hanboks anzuziehen, scheint ein neuer Trend zu sein. Ich hätte fast geweint.
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2. Die Flutschäden am Hangang sind teils wirklich übel. Der ganze Müll, der angespült wurde, ist das eine, aber was im Renaissance-Projekt mühsam angepflanzt wurde ist teilweise einfach weggespült worden. Sehr schade.
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3. Ich hatte es in den Medien ja echt nicht geglaubt, aber es stimmt tatsächlich: Am Hangang, mitten im Zentrum einer 11-Millionen-Metropole (und nicht im Vogelschutzgebiet auf Bamiseom, sondern in Icheon) leben einige Fischreiher.
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4. Luftverschmutzung ist im Herbst nicht sichtbar, aber nach zwei Stunden auf dem Rad hat man schon eine komische ascheartige Schicht, naja eher einen feinen Film auf der Haut. Wobei das auch von meinem Schlenker in die Innenstadt kommen kann. Am Fluss schien die Luft frisch, aber ich bin kein Luftgütemessgerät.
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5. Die Seouler Flora, Floating Island, nimmt langsam aber sicher Formen an. Die Grundgerüste stehen, am Ufer wird schon fleissig gebastelt. Das wird mal richtig hübsch. Einfach mal bei Google eingeben, da gibts viele Bilder von dem Projekt.
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6. Die Skyline von Yeouido wird immer beeindruckender. Wenn da noch 2014 die alte Hangang-Insel mit der neuen Oper fertig werden sollte, hätte man echt ein "Landmark"Postkartenmotiv. Vielleicht wird dann aufgehört so viel von Landmark-Schaffung zu reden, wenn man endlich eins hat.
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7. Auf Yeouido, direkt hinter dem Parlament wird ein sehenswerter kleiner Yachthafen mit stylishem Clubhaus gebaut. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, aber auf jeden Fall eine gelungene Ergänzung des Ensembles.
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8. Die Wassertaxis fahren tatsächlich. Habe mindestens 3 verkehren sehen. Auch kleine Segler sind heute auf dem Wasser gewesen. Sehr pittoresk. Wenn nur die vielen Plattenbauten die Ufer nicht so verschandeln würden.
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Achso, Kostenfrage: Was es kostet, sich zwei Stunden lang am Hangang zu vergnügen? Leihrad kostet 3.000 Won pro Stunde, 500 Won für jede weitere 15 Minuten, aber bei mir waren sie doch seeehr kulant. Ich kam um 15:46, 16:00 Uhr wurde mir als Abfahrtszeit aufgeschrieben und ich kam zurück um 18:23 und ich bekam als Ankunftszeit 18:00 Uhr aufgeschrieben. Es hat mich also gerade mal 5.000 Won gekostet. Wem das zu viel ist, der kann sich auch bei den Bezirks- und Nachbarschaftsämtern am Hangang gegen Vorlage eines Ausweises kostenlos Räder ausleihen. Der Bezirk Gangseo ist insbesondere sehr bekannt dafür.
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Hangang Biketour


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Unbedingt Fotos anschauen! Auf ein paar davon bin ich richtig stolz. Alles mit ner handelsüblichen Samsung-Digicam gemacht, nichts nachbearbeitet. Einfach Natur, Licht, Schatten. Punkt.
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Achso und zum Abschluss stelle man sich bitte voll aufgedrehten MP3-Player mit diesem Lied vor, während der Fluss an einem vorbeizieht.
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Lee Sangeun mit "Vogel"
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Übersetzung des Liedtextes jetzt HIER ZU SEHEN.

21.9.10

Geschenke zu Chuseok

Hatten wir gerade noch die etwas älteren Juniorinnen bei der FIFA-WM bejubelt, sind jetzt die ganz jungen Damen im Zentrum der Aufmerksamkeit und das aus mehreren Gründen.
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Zunächst einmal das Aktuelle: Südkorea hat heute früh Spanien besiegt und steht im Finale der WM (wenn das die Erwachsenen-WM der Männer wäre, würde ich nicht hier schreiben, sondern in Soju badend mit Kumpels grölend feiern).
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Das Besondere: Im Halbfinale waren drei asiatische Teams, nämlich Südkorea, Japan und - Nordkorea. Das hat allerdings heute gegen Japan verloren und spielt jetzt "nur" noch um Platz 3.
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WM-Finale Japan Korea im Fußball - schon witzig irgendwie.
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Die deutschen Damen waren übrigens das bisher einzige Team, das es geschafft hat, Südkorea zu besiegen, das war im letzten Gruppenspiel. Danach sind die Deutschen aber gegen Nordkorea rausgeflogen.
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Jetzt also wieder einmal das ewige Duell Korea gegen Japan. Platz 2 oder Weltmeistertitel - es wäre der erste für beide Mannschaften bei einem FIFA-Turnier.

Besetzung und Beharren

In Ostasien tobt ein Sturm. Nordkorea gegen Südkorea hat sich gerade wieder beruhigt, da flammen die Ressentiments und Inselstreitigkeiten zwischen Japan und China wieder auf. China, das sonst versucht jeden Konflikt klein zu halten und low key zu bleiben, haut ein Propaganda-Stück nach dem anderen raus und die japanische Regierung versucht vergeblich die eigenen Nationalisten im Zaum zu halten.
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In der Umschreibung der japanischen Verbrechen in Ostasien hat der Spiegel sich aber offensichtlich Nachhilfe vom japanischen Textbuchkomitee geholt. Da heißt es dann schlicht:
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"Die Beziehungen zwischen Japan und China sind von tiefem Misstrauen geprägt. Sie werden nach wie vor durch Japans Besetzung chinesischer Gebiete vor und während des Zweiten Weltkriegs überschattet."
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Wie niedlich. Besatzung von Gebieten. Ich höre schon Horst Krawuttke rufen: "Awatt, die Chinesen haben doch eh genug Land, die sollen sich mal nicht so haben."
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P.S. Das Unrecht gegen China durch Japan bedeutet nicht, dass China im aktuellen Konflikt meine Sympathien hat.
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Freie Tage, Feiertage und die Kanalisation

Oi. Da hab ich meinen freien Tag heute, wegen Erntedankfest Chuseok und wollte eigentlich mal was Schönes machen und dann meint hier der Himmel all das Wasser runterzuschicken, das er im Sommer während der Regenzeit zusammengespart hat.
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Es ist ohne Frage der schlimmste Regen, den ich je in Seoul erlebt habe. Die achtspurige Straße vor meinem Haus ist komplett überflutet, denn die Kanalisation kann mit den Regenmassen nicht mehr fertig werden. Ein einziges braunes Meer. Sehr widerlich. Freunde berichten aus anderen Teilen Seouls gleiches. Echt eine einzige Geisterstadt heute: Die meisten sind schon auf dem Land bei den Verwandten, der Rest verbarrikadiert sich gerade in der Wohnung.
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Das sind die Momente, in denen man über seinen 19. Stock doch sehr froh ist. Trotzdem der ganze Tag im Eimer.
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Update: Das gesamte Zentrum von Sejongno bis Cheonggye-4-ga steht unter Wasser. Busse und Autos kommen durch, aber es ist eine geschlossene Wasserschicht von 30-50 Centimetern in allen Strassen. Absolut unglaublich.
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Hier ein paar Bilder aus Hongdae (Danke an Matthias):
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Und hier aus Gwanghwamun - mein Arbeitsweg normalerweise.
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Unglaublich, es ist ein winzig kleines Regengebiet...hängt nur über der Hauptstadtregion und Teilen von Gangwon und es zieht nur ganz langsam weg.

20.9.10

Ein guter Tag für meine Arbeitgeber

Heute gab es gute Nachrichten für meine Arbeitgeber, die zwar keine direkt guten Auswirkungen auf die Arbeitnehmer haben, aber zumindest gute Laune machten.
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KTO: Von Rekord zu Rekord
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Die von allen verlachten Ziele beim koreanischen Tourismus scheinen sich langsam wirklich zu materialisieren. Während die meisten sehr sehr skeptisch waren, ob nach dem absoluten Rekord letztes Jahr mit über 7 Millionen Besuchern (damals bereits ein Wachstum von 14%) noch ein Plus erreicht werden kann, wurde diesen Monat der Rekord bereits gebrochen und zwar deutlich.
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7,8 Millionen Besucher und erstmals seit 10 Jahren wieder ein Überschuss im Tourismussektor. Es kamen zwar weniger Menschen nach Korea als Koreaner Auslandsreisen machten, sie gaben in Korea aber mehr aus als Koreaner im Ausland (was klar ist, wenn man bedenkt wie teuer Korea ist und dass ein Grossteil der koreanischen Reisen in Billigländer wie China oder die Philippinen geht).
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Und von den Besucherzahlen haben wir den G20-Gipfel mit voraussichtlich bis zu 60.000 Besuchern,die Anfänge der Skisaison sowie den traditionellen Japanerboom zu Weihnachten noch nicht gehabt. Das mehr als ambitionierte Ziel von 8,5 Millionen dieses Jahr rückt damit in realistische Nähe. Bereits jetzt aber ein Wachstum im Vergleich zu 2010 um mehr als 10%, während der Gesamtmarkt Asien um über 1% rückläufig ist und der Tourismus weltweit sogar mit einem Rückgang von 4% zu kämpfen hat.
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KBS: London und Brasilien auch auf KBS
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Die Alleinübertragung von Olympia und WM durch SBS hat wichtige Vereinbarungen gebrochen und das Vertrauen zwischen den Sendern größtenteils zerstört. Da SBS zudem trotz hoher Einschaltquoten wirtschaftlich damit auf die Nase gefallen ist und Experten KBS und MBC gute Chancen für einen Rechtsstreit eingeräumt haben, hat SBS nun eingelenkt. Olympia in London und die WM in Brasilien werden von allen drei Sendern gemeinsam übertragen - so gibt es auch mehr Vielfalt im Programm. Man glaubt kaum, dass sich koreanische Firmen auch mal untereinander einigen, ohne dass Regierung oder Justiz eingreifen müssen.
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15.9.10

Tieffliegende Flugzeuge

Als jemand aus der Generation, die in ihren beeinflussbarsten Jahren das zweite Flugzeug live vorm Bildschirm ins World Trade Center krachen sehen hat, ist man besonders ängstlich bei Flugzeugen, die zu nah an Gebäuden sind.
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Als jemand, der in Korea wohnt, sollte man Fliegeralarme und Kampfflugzeuge allerdings nicht unbedingt als etwas Ungewöhnliches wahrnehmen. Tatsächlich funktioniert das bei den Alarmen recht gut; routiniert wird in den Büros weitergearbeitet.
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Als aber heute ein Donnern und Krachen im Zentrum zu hören war, stürmten die Leute doch ans Fenster. Denn auch wenn Präsident Lee sich in der Tradition seiner linken Vorgänger jetzt Freundschaft mit Nordkorea erkauft, so ganz ausgestanden sind die Spannungen mit dem lieben Nachbarn, dem die südkoreanische "faschistische Verbrecherbande" jetzt freundlicherweise Nahrung und Zement liefern darf, noch nicht. Und wenn dann plötzlich am Himmel im Zentrum mehrere tieffliegende Kampfjets mit einem Heidenlärm auftauchen, dann wird einem schon mulmig zumute. Zumal sie kein Ziel zu haben schienen, sondern kreuz und quer durch den Himmel schossen.
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Also wurde wild diskutiert; warum sind zwei mit anderer Farbe bemalt als die anderen (woran man übrigens auch sieht WIE tief und nah die Dinger waren!), sind das Abfangjäger eines nordkoreanischen Jets? Ist es ein südkoreanischer Pilot der Selbstmord begehen will? Fragen, Fragen, Fragen.
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Erst nach einigen Stunden dann in den Nachrichten die Auflösung: Es waren Übungsflüge für Flugshows am Tag der Luftwaffe. Warum auch immer man die im Zentrum über unseren Köpfen machen muss. Ohne Vorankündigung.
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Netterweise hat sich das Oberkommando dazu durchgerungen, vor der nächsten Übung übermorgen eine Mitteilung herauszugeben, damit man nicht so erschreckt wird.
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"Kampfjet" war heute das meistgesuchte Wort bei Naver und Daum.
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12.9.10

Unnützes Wissen

Von den letzten 43 Tagen hat es in Seoul an 32 Tagen geregnet. Gleichzeitig waren von 90 Tagen Sommer über die Hälfte mit mehr als 30 Grad gesegnet/verflucht.
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Zusammengefasst: Was ein Scheiss. Aber jetzt wird es hoffentlich irgendwann richtig koreanischer Herbst ohne Regen und mit kristallblauem Himmel satt.
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11.9.10

Koreanness Lost

Könnte ich so gut formulieren, hätte ich es genauso formuliert, das, was ich sagen möchte:
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"Once Korea comes a bit further into the realm of the modern and postmodern, when the rule of law become pervasive and people no longer ignore traffic lights, all wear their seat belts, and don't curse at each other any longer; when the street stands are gone, restaurants are all chains, and we all eat lunch in food courts; when the red light districts are closed, people stop drinking to excess, and the streets are empty after 12 – for many people, Korea will have taken a step closer to being a "heaven," the dream of decades of development. But for all the hard work and feverish effort made to get ahead – without ever asking the question of "why?" – many Koreans will have forgotten all the guilty pleasure of having lived in "hell" along the way."
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Einen Dank dafür an Michael Hurt.
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9.9.10

Taiwan

In der Reihe von Katastrophen, die mit "Tai" beginnen, nun Taiwan. Nein, Scherz beiseite. Es war jetzt nicht so toll wie mir manche Leser zu suggerieren versuchten, aber es war auch kein Schlag ins Wasser. Viele neue Erfahrungen und Eindrücke, die einige Vorurteile bestätigten, und andere widerlegten. Am meisten aber hat sich mein Eindruck von Korea geändert und zwar größtenteils positiv. Vor allem aber hat sich mein Reisefieber nicht abgeschwächt, sondern eher noch verstärkt.
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Aber der Reihe nach. Wir, d.h. Undine und ich sind Ende August kurz vor Semesterbeginn für 5 Tage nach Taiwan geflogen und zwar mit Cathay Pacific, dem Carrier von Hong Kong. Eine durchaus recht angenehme Fluglinie, wobei auf dem Hinflug das Essen noch schlechter als bei Aeroflot war und es auf dem Rückweg dann sogar an Korean Air und Asiana rankam. Ebenso waren die Stewardessen auf dem Rückflug alle um mindestens zwei Klassen freundlicher. Sehr faszinierend. Der Flug geht eigentlich nach Hong Kong und wirft nur zwischendurch ein paar Passagiere in Taipeh ab, was schon viel zu Taipeh an sich sagt. Oder wie fasste es eine Bekannte zusammen: "Seoul gilt ja als unterschätzteste Stadt Asiens. Aber Taipeh wird nicht einmal bewertet"
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Vergessene Insel
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Was mich die ganze Zeit auf der Insel beschlich, war so eine mitschwingende Depressivität, die auf allem lag, obwohl die Menschen selbst freundlich und entspannt wirkten. Vielleicht waren es die heruntergekommenen Gebäude und vielleicht war es meine Zeitungslektüre, die von einbrechender Wirtschaft, explodierendem Suizid und Korruption sprach, gegen die Korea wie ein Musterschüler aussieht. Jedenfalls um es kurz zu machen: Taipeh sieht aus wie Seoul vor 15 Jahren. Der Flughafen von Taipeh ist, wie Taiwanesen ja auch selbst zugeben, eine Schande und wenn man auf so einer Müllhalde ankommt, ist man erst einmal etwas down. Wie auch immer, Taipeh erinnert mich an das frühe Seoul, das ich kennengelernt habe.
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Während Seoul Weltdesignhauptstadt mit hunderten Veranstaltungen ist, den G20-Gipfel ausrichtet und eine der beliebtesten Konferenz- und Ausstellungsstädte der Welt ist, tobt ganz Taipeh wegen der "Weltblumenausstellung", die hier stattfinden soll. Überall gibt es dafür Werbung und alle Bautätigkeit, die es gibt, scheint sich auf dieses Ereignis zu konzentrieren. Es war doch sehr interessant zu sehen, wie abgehängt Taiwan von der Welt ist durch Geschichte und Lage. Man versteht, warum das Land jetzt wieder näher an China rücken will; es scheint schlicht die einzige Chance.
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Kurzum Taipeh ist auf der einen Seite sehr prächtig, mit breiten Boulevards und ein paar repräsentativen Gebäuden, aber im Endeffekt ist doch alles sehr provinziell, in sich gekehrt und altbacken. Dabei wiederum sehr eigenständig, entspannt, sehr freundlich und "exotisch". Für mich war es ja der erste Kontakt mit dem chinesischen Kulturkreis auf eigenem Boden (die Bewertung Koreas als chinesischer Kulturkreis lässt mich nach dem Taiwan-Besuch nur noch müde lachen) und ich war schon sehr fasziniert davon, wie tiefgläubig und traditionell die Menschen noch leben. Insbesondere diese kleinen Tempel-als-Läden und vor jedem echten Laden ein kleiner Altar (naja gut, meist ein Plastiktisch), wo Familien und Angestellte zu jeder Tages- und Nachtzeit Blätterchen verbrennen und Opfergaben darbringen. Dazu diese typischen hohen, vergitterten Apartment-Häuser und natürlich alles voll mit chinesischen Schriftzeichen. Und die Tempel sahen dann auch noch aus wie die China-Restaurants in Deutschland! Kurzum, Exotik war garantiert und eine willkommene Abwechslung zum amerikanisierten Korea, in dem ich das bisschen Exotik zumal kaum noch wahrnehme.
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Der Taiwanese an sich
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Seit ich mal in einer koreanistischen Abhandlung vor ein paar Jahren allen Ernstes las, dass "der Koreaner an sich gerne tanzt und singt und auch einen guten Witz schätzt", versuche ich Generalisierungen bestimmter Völker so gut wie möglich zu unterlassen. Da meine Erlebnisse mit Festland-Chinesen bisher aber leider durch die Bank weg schlecht waren, ging ich mit sehr geringen Erwartungen an Taiwans Menschen.
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Angekommen war es dann aber schon bei der Immigration sehr interessant zu sehen, dass man dort von einem Glatzkopf mit Ohrring abgefertigt wurde. Und der Eindruck, dass es hier gesellschaftlich deutlich vielfältiger und entspannter zugeht als in Korea wurde auch später bestätigt. Sicher, teils war es dann doch arg entspannt und modisch wird Taipeh woll kaum ein Trendsetter wie Seoul, aber allgemein scheint das Klischee vom alten, weisen Chinesen zu stimmen.
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Wobei auch hier Fragen aufkamen, denn man sah so gut wie keine Schüler, dafür entdeckten wir am letzten Tag in einem Wohnviertel außerhalb des Zentrums in jedem zweiten Fenster eine Nachhilfeschule mit teils miserabler Ausstattung; da schien es schon wieder noch extremer als Korea.
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Aber davon bekommt man ja als normaler Tourist nichts mit. Und einmal abgesehen vom Taxifahrer am Flughafen, der uns das 10-fache des üblichen Preises abnehmen wollte - was ja schon fast zum Standard gehört - waren wirklich alle Menschen unglaublich freundlich zu uns, obwohl wir so gut wie kein Chinesisch sprachen. Alle gaben sich große Mühe und sprachen sogar ohne sich zu schämen Englisch mit uns - nicht einmal besonders schlechtes Englisch muss man dazu sagen. Ich habe sowieso das Gefühl, dass Chinesen von der Aussprache her bei weitem besseres Englisch draufhaben als Koreaner und Japaner. Die Freundlichkeit war keine überschwängliche; wir bekamen nirgendwo was geschenkt oder für unsere drei Brocken Mandarin plötzlich Sonderangebote und auch wurden wir nur einmal auf der Straße von jemandem angesprochen, der sein Englisch ausprobieren wollte. Die Freundlichkeit war eine zurückhaltende, aber sehr natürliche, was sehr entspannend war.
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Sehenswerte Not-Must-Sees
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Touristisch ist Taiwan natürlich ähnlich wie Korea kein Must-See und vieles, was im Reiseführer angepriesen wurde, war doch sehr enttäuschend. So war z.B. DER Strand an der Nordküste, Fulong, zu dem wir einen Tagesausflug machten ein vermülltes Schlachtfeld mit Aussicht auf ein Atomkraftwerk, einem schlammigen Güllefluss und heruntergekommenen, verwaisten Hütten. Alles noch eine Stufe dramatischer als in Korea. Trotzdem war es sehr lohnend, weil man so ein bisschen was vom Land sah; die Bahnfahrt war eigentlich so ziemlich das interessanteste an der Reise, weil man viel von Landschaft und und Dörfern gesehen hat. Auch Fulong selbst war im Endeffekt in Ordnung; der Strandabschnitt direkt am Tempel annehmbar und die Wellen echt toll. Auch fanden wir ein wunderbares Restaurant direkt über dem kleinen Hafen mit lecker Essen.
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Unser Ausflug nach Taroko - DER Attraktion des Landes - fiel leider ins Wasser, weil die Züge allesamt ausgebucht waren als wir am Bahnhof ankamen. Blöd sowas, Taroko sah auf den Bildern wirklich grandios aus und vielleicht komm ich ja noch mal nach Taiwan und guck es mir dann an.
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Wunderbar war ein Ausflug nach Maokong, den alten Teefeldern südlich der Stadt. Von dort oben - man kommt mit einer abenteuerlichen, aber supermodernen neuen Seilbahn über 3 Stationen dort hin - hat man einen einzigartigen Blick über ganz Taipeh. Wir kamen passend zum Sonnenuntergang und sahen die Lichter angehen, aßen dazu ein sehr gut gewürztes Rinderfleischstreifengericht mit gebratenem Reis und genossen einfach die Stimmung. Witzigerweise tobte direkt am Bergkamm hinter uns ein Gewitter, das jedoch die ganze Zeit nicht rüberkam.
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Ebenso sehenswert war der Zoo von Taipeh - eine der Attraktionen, die nicht so groß beworben wurde, weshalb mir Übles schwante. Und dann die Überraschung: Ein riesiges Gelände, wunderbar in die Berge eingepasst - soweit wie Seoul - aber im Gegensatz zu Seoul füttern die Taiwanesen den Tieren keine Chips und die Gehege sind topmodern nach allen Standards, die Tiere super gut gepflegt und aktiv. Der alte Teil des Zoos war genauso depressiv wie der Seouler Zoo, aber er macht nur einen kleinen Teil des Ganzen aus. Also hier sollte Seoul sich wirklich mal was abgucken. Mir hat der Zoo von der ganzen Präsentation sogar besser gefallen als der Berliner und das mag was heißen, denn im Berliner Zoo bin ich quasi aufgewachsen.
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Chinesische Kultur, not my cup of tea
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Eine große Enttäuschung war hingegen das so hochgelobte Palastmuseum mit der wohl besten Sammlung chinesischer Kunst in der gesamten Welt, damals von den Republiktruppen mitgenommen nach Taiwan. Ohne Frage handwerklich sehr hochstehend und teils sehr interessante Stücke, aber die Präsentation ist geradezu lieblos hingeworfen, die Räume sind stickig und klein und..naja, was soll ich sagen. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass ich mit chinesischer Kunst nichts anfangen kann. Hier kann man mir wirklich kein Banausentum vorwerfen. Ich habe ein Jahr Ostasiatische Kunstgeschichte gelernt, hatte einen Kurs zu chinesischer Kunst und Kultur. Ich kenne mich damit einigermaßen aus, aber es sagt mir einfach nichts. Es ist alles überkandidelt, prunkvoll, ausladend, überbordend.
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Wenn koreanische Kunst Renaissance ist, dann ist chinesische Kunst Barock. Und mir gefällt Barock einfach nicht. Das koreanische Nationalmuseum in Yongsan ist da wirklich eine andere Klasse; nicht von der objektiven Güte der Objekte, aber allemal vom kulturhistorischen Erlebnis; nach dem Museumsbesuch hat man ein Bild der koreanischen Kunst und Geschichte, beim Palastmuseum in Taipeh weiß man danach, dass es 500.000 verschiedene Eisenritualgefäße in der Shang-Dynastie gegeben hat und ansonsten ist alles wild durcheinandergewirbelt ohne sichtbaren Zusammenhang.
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Apropos Kultur. Richtig schockierend war das nichtexistente Kulturangebot in der Stadt. Wir baten die Hotelrezeption uns eine traditionelle Aufführung rauszusuchen und selbst nach einer halben Stunde Internet-Recherche hatten sie nichts aufgetan. Schließlich landeten wir in einer Eisshow, die so schlecht war, dass eine der Künstlerinnen sich den Kiefer aufschlug, weil ihr Partner sie einfach losließ. Das war der absolute Tiefpunkt des Urlaubs. Diese armen Künstler traten vor 20 Leuten in einer Halle für mehrere hundert Leute auf und bemühten sich redlich. Am Ende taten sie einem nur noch leid.
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Und das war eines der größten kulturellen Ereignisse in Taipeh; überall in der Stadt war Werbung dafür und es fand in einem der neuesten Veranstaltungsorte der Stadt statt. Autsch. Sicher, es gibt noch ein Theater für Chinesische Oper (2mal in der Woche Aufführungen) und auf dem riesigen Chiang Kai-shek Memorial die riesigen Kulturklotze; aber selbst für eine 3-Millionen-Stadt schien mir das Angebot doch sehr gering.
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Übers Ziel geschossen?
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Das Gegenteil von gering besuchten wir am nächsten Tag. Das Taipei 101, das zweitgrößte Gebäude der Welt. Wir waren ja froh überhaupt mal einen Neubau in der Stadt zu sehen; irgendwie scheint die Entwicklung hier komplett stehen geblieben zu sein. Zwei Baustellen sahen wir im Zentrum - und wir sind wirklich so ziemlich überall gewesen. Das Taipei 101 ist ein typisches Megaprojekt, wie sie größenwahnsinnige asiatische Bürgermeister für ihre Städte aus der Taufe heben, um die Stadt bekannt zu machen. Das Gebäude ist tatsächlich beeindruckend und es gibt sogar deutlich hässlichere Versuche sich ins Rampenlicht zu katapultieren. Auch die Aussicht ist grandios. Die angeschlossene Mall hingegen ließ wieder unseren Anfangsverdacht bestätigt sehen: Es gab zwar alle Marken, aber die Geschäfte waren gähnend leer, bei Tommy Hilfiger warfen sie die Klamotten quasi hinterher; Undine erstand einen echten Rock für umgerechnet 20 Euro. Das einzige, was voll war, war der Billig-Foodcourt und zwar so voll, dass man mit seinem Tablett nirgendwo sitzen konnte. Fehlkonstruktion das Ding.
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Nicht Hallyu sondern Hanpung
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Kulturell war beeindruckend wie stark Korea präsent ist. Im Fernsehen laufen lauter koreanische Dramen, Filme und Musik. Selbst die Entertainer in taiwanesischen Sendungen machen die koreanischen Sendungen nach, teilweise werden auch koreanische Sendungen einfach 1:1 kopiert. Wirklich krass. In den Weggehvierteln hört man überall koreanische Musik, im Studentenviertel gibt es an jeder Ecke neuste Mode aus Korea, die auch so beworben wurde, teilweise sogar in Hangeul. Korea ist tatsächlich bei der jungen Generation noch "inner" als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Man liest es in den ganzen wissenschaftlichen Abhandlungen und man liest es bis zum geht nicht mehr in den koreanischen Medien. Wenn man dann aber wirklich die Auswahl zwischen gebratenem Tintenfisch Marke Busan, Ojingeo und Hanguk hat, wenn man im Laden vor 10 verschiedenen Sorten Ramyeon steht, es in jedem Convenience Store Samgak Gimbab und Saeukkang gibt, in jedem Restaurant mit 3 Monate altem K-Pop beschallt wird, dann merkt man zum ersten Mal, dass sich die koreanischen Medien das nicht ausdenken: Korea hat tatsächlich Japan als Trendsetter abgelöst. Und zwar deutlich. Zumindest in Taiwan. Aber ich habe das Gefühl in Südostasien dürfte das noch eher der Fall sein. Cosplay gibt es aber auch in Taiwan noch zur Genüge und Japan hat noch immer einen gewissen Einfluss. Was das ganze noch unübersichtlicher macht: Auf der einen Seite sind es Chinesen, auf der anderen Seite versuchen sie eine eigenständige taiwanesische Identität aufzubauen (zumindest Teile der Gesellschaft), die Jugend ist völlig verrückt nach Korea und etwas verrückt nach Japan. Die Uniformen und vieles andere im Verwaltungswesen erinnert zudem noch sehr an Japan. Und das Straßenbild ist dann wieder China-Klischee pur. Das ist aber gerade das Interessante, wie ich fand.
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Die älteren scheinen jedoch immer noch ihre unschönen Erinnerungen an Korea zu haben oder schlicht die tief eingebrannte Glaubenswelt der chinesischen Superiorität. Als Undine meinte sie studiere Koreanistik in Seoul wurde ihr mit einem ungläubigen Lachen entgegnet: "Ja und was macht man da...? Etwa was über deren... Kultur... lernen?". Die gleiche Dame verabschiedete uns dann aber am letzten Tag mit einem "Annyeong", was ich dann wieder sehr lustig und liebenswürdig fand. So tief können die Ressentiments dann also nicht sitzen.
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Tee, Nüsse und Hühneruterus
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Themawechsel. Das Nachtleben war leider nicht so unseres. Der groß gepriesene Nachtmarkt in Shilin war halt...naja, ein asiatischer Markt. Für jemanden, der noch nie in Asien war vielleicht spannend, aber wenn man Dongdaemun und Namdaemun kennt, dann war das wirklich nichts Besonderes. Und sooo vielfältig war das Essen dann doch nicht; es waren meist die gleichen Stände, die es 5 oder 6 mal gab. Es war wieder einmal das Einfachste, das am leckersten war: Undine verzehrte eine unglaublich frische Mango und ich freute mich über einen unglaublich erfrischenden Limettensaft. Froscheier, Taubeneier, Hühneruterus und ähnliches verkniffen wir uns lieber, obwohl es durchaus weniger abartige Dinge gab als man das von der chinesischen Küche so erwartet.
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Und überhaupt; wenn man aus Korea kommt, fällt der absolute Mangel an Alkohol auf. Wir waren geradezu auf Entzug und holten uns ein Bierchen vor dem Schlafen im Convenience Store. Dieses richtige "Saufen" scheint es in Taiwan kaum zu geben. Macht die Straße natürlich bedeutend friedlicher als in Korea, aber halt irgendwie auch langweiliger. Natürlich werden auch Taiwanesen außer sich gehen und richtig abfeiern. Ich habe ja auch schon von Clubs und ähnlichem gehört; aber in der Öffentlichkeit scheinen die Taiwanesen doch lieber teeschlürfend zu diskutieren. Ist ja an sich auch nichts schlimmes, wenn man sich nicht kollektiv wegkippt.
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Überhaupt der Teee: Alle trinken Tee, in hunderten Varianten und Bubble Tea ist tatsächlich so lecker wie ich es mir erhofft hatte. Nein noch leckerer, geradezu süchtigmachend. Will nicht wissen, was in diesen kleinen "Pearls" alles drin ist. Wahrscheinlich das gleich Zeug wie in den Betelnüssen, die unsere Taxifahrer kauten. Da kommen dann nämlich doch wieder die Drogen; so ganz ohne scheint es doch kein Volk auszuhalten. Ein Taxifahrer ließ uns sogar mal auf der Autobahn unsere letzten Gebete machen, weil er bei Tempo 70 immer wieder Sekundenschlaf hatte. Er sah das dann immerhin ein und ließ uns am Ende der Autobahn raus mit den Worten, er habe einen Schaden am Auto. Ah ja. Merke: Betelnüsse verzögern Müdigkeit, verhindern tuen sie sie offensichtlich nicht. Geschichten von Taxifahrern und Fernfahrern, die 72-Stunden-Schichten auf Betelnuss schieben, sollen wohl keine Seltenheit sein.
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Fazit
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Ich habe hier natürlich die kuriosen Sachen aufgeschrieben, die ich witzig fand. Taiwan ist ein Land mit ganz normalen Menschen wie jedes andere auch. Ich, der sich über die arroganten Urteile von Korea-Kurztouristen aufregt, möchte nicht den Fehler begehen zu meinen, ich hätte Taipeh in 5 Tagen verstanden oder wüsste jetzt, was da läuft. Aber mein Eindruck hat sich jetzt recht weit gefestigt und ich glaube vieles, was ich vorher über Taiwan gelernt habe, jetzt deutlich besser einordnen zu können.
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Ich glaube es ist schwierig sowohl Korea als auch Taiwan zu mögen. Diese beiden Länder, die in allen politikwissenschaftlichen Abhandlungen als "most similar case" aufgeführt werden und Paarung für unzählige Vergleichsstudien sind, sind im Endeffekt doch kulturell sehr verschieden. Korea hat Taiwan wirtschaftlich abgehängt und auch die taiwanesische Demokratie scheint nicht mehr so hochentwickelt, wenn man 5 Tage am Stück Zeitung liest und merkt, dass auch dort alle Machthaber untereinander verwandt sind oder zumindest die gleiche Eliteausbildung genossen haben. Was bleibt ist aber auf jeden Fall ein hohes Maß an gesellschaftlicher Offenheit und Toleranz, das man spürt. Da hat Korea sicher noch viel zu lernen. Bestätigt aber auch wieder meinen Verdacht, dass das in buddhistischen Ländern einfacher ist als in amerikanisch geprägten christlichen.
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Die nächste Reise die ansteht ist Peking Ende Oktober, Anfang November. Ich glaube nachdem ich mal im kommunistischen, noch immer weniger entwickelten Teil Chinas war, wird sich mein Bild von Taiwan noch einmal deutlich verbessern. Schlecht ist es aber auch jetzt nicht.
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In diesem Sinne "Shi Shi, Zaijien!"
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Taiwan

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1.9.10

Taifun

Irgendwie habe ich es mit Taifunen. Bin fast zu Tode erschreckt als ich heute morgen aufwachte, mein Schreibtisch leicht nass war und beide Schlafzimmerfenster weit aufgerissen waren. Wie das Rollo so im Wind wehte, sah es aus wie man es aus Akte X kennt, wenn die Ausserirdischen kommen.
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In Gongdeok sah es ziemlich ruhig aus. Ein paar kleinere Äste und ein paar Bauplanen verweht, aber sonst nichts Schlimmes. Die gibt es aber in anderen Teilen der Hauptstadtregion, z.B. ist das Dach des WM-Stadions in Incheon gerissen. Linie 1 der U-Bahn fährt immer noch nicht, viele Straßen sind noch unpassierbar. Insbesondere auf den Inseln im offenen Meer hat der Taifun Wellenbrecher (mehrere Tonnen schwer!) bis in die Siedlungen transportiert. Ziemlich krass.
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Und wieder einmal hat die koreanische Wetterzentrale kläglich versagt, wenn auch die japanische, taiwanesische und chinesische ebenso wenig vorhergesagft haben, dass der Taifun schneller ist als erwartet.
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Der Taifun traf nämlich vor 7 Uhr morgens aufs Festland - vorhergesagt war er für den Mittag. Aber trotzdem besser so; gab "nur" einen Toten - zur Mittagszeit hätte das sehr anders sehen können mit dem ganzen Verkehr und den vielen Menschen auf der Straße.
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Hier ein paar Fotos von der Chosun Ilbo
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