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20.6.11

Kenneth Tin-Kin Hung

So sehr ich den Spiegel auch gerne bashe, aber mit dem Artikel über Kenneth Tin-Kin Hung haben Sie mal etwas geschafft - mich zu beeindrucken. Also weniger natürlich der Spiegel selbst als der Künstler, aber diesen vorzustellen, ist auch schon etwas. Passt natürlich in die allgemeine chinakritische Berichterstattung des Spiegels und einige der Bilder finde ich auch entweder geschmacklos oder allzu plakativ in negativer Weise, aber ein Bild von Kenneth Tin-King Hung fand ich sehr sehr beeindruckend und zwar dieses hier:




Ich schliesse mich jetzt nicht den ritualisierten Aufrufen zur Freilassung der politischen Häftlinge an; meine grundsätzliche Haltung gegenüber China bzw. dem Regime, das diese einstmals großartige Zivilisation gefangen hält, dürfte klar sein. Instrumentelle Argumentationen wie "ohne die KP bricht da alles zusammen" zählen bei mir nichts. Dieses Thangka jedenfalls provoziert allein schon mit der Wahl der Darstellungsweise, von den Inhalten gar nicht zu sprechen; eine Allegorie auf all das, was China fehlt, was aber auch China eines Tages erhalten wird. Om mani padme hum.
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30.11.10

Wikileaks Wundenlecken

Waehrend sich die ganze Welt ueber blonde Krankenschwestern und Silvios Parties belustigt, gibt es auch sehr sehr interessante Leaks unter dem Wust von Dokumenten. Allein zur Koreafrage habe ich schon an die 30 gelesen, die voll sind mit Vermutungen, die man immer hatte, aber nie gedacht haette, dass Offizielle sie auch wirklich so aeussern.
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Am interessantesten sicher die schon kaum noch als "Vermutung" geltene Hilfe Chinas beim Transport von Raketen aus Nordkorea in den Iran, das Hacken von Google und des Computers des Dalai Lama etc. Aber gleichzeitig auch, dass China durchaus einer Wiedervereinigung nicht negativ gegenueber steht, solange die US-Truppen sich raushalten und ordentlich Schmiergeld...ehm..Wirtschaftsverpflichtungen...fliessen.
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Um mal zu illustrieren mit was fuer einem Herren man es als koreanischer Vizeaussenminister zu tun hat, wenn es um Sechs-Parteien-Gespraeche geht:
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Turning to the Six Party Talks, Chun said it was “a very bad thing” that Wu Dawei had retained his position as chief of the PRC’s delegation. It had been the ROK’s expectation that Vice Foreign Minister Cui Tiankai, who was hastily transferred from Tokyo back to Beijing, would be taking over from Wu. Chun said it appeared that the DPRK “must have lobbied extremely hard” for the now-retired Wu to stay on as China’s 6PT chief. The VFM complained that Wu is the PRC’s “most incompetent official,” an arrogant, Marx-spouting former Red Guard who “knows nothing about North Korea, nothing about nonproliferation and is hard to communicate with because he doesn’t speak English.” Wu was also a hardline nationalist, loudly proclaiming — to anyone willing to listen — that the PRC’s economic rise represented a “return to normalcy” with China as a great world power.
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Die Dokumente zeigen aber auch, dass es fuer Korea wichtig sein wird, die neue Generation in Peking zu hofieren, da dieser lange vermutete Unterschied in den Attitueden der chinesischen Fuehrung offensichtlich tatsaechlich existiert:
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Sophisticated Chinese officials like Cui Tiankai and Chinese Communist Party Central Committee International Department Vice Director Liu Jieyi stood in sharp contrast to Wu, according to VFM Chun. Citing private conversations during previous sessions of the Six Party Talks, Chun claimed Cui and Liu both believed Korea should be unified under ROK control. The two officials, Chun said, were ready to “face the new reality” that the DPRK now had little value to China as a buffer state — a view that since North Korea’s 2006 nuclear test had reportedly gained traction among senior PRC leaders.
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Wie auch immer, der Schluessel liegt in China und das ist nicht gut. Ein kurzer Rueckblick auf den Besuch Dai Binggous in Seoul:
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Er kuendet einen Besuch nicht an, kommt dann um 12 Uhr und bittet um sofortige Erlaubnis am Seouler Militaerflughafen zu landen, was normalerweise nur Staatsoberhaeuptern gewaehrt wird. Bekommt seine Erlaubnis.
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Dann sagt er kein Thema und Grund, sondern verlangt lediglich den Praesidenten zu sprechen. Dies lehnt die koreanische Regierung ab und schickt nur den Aussenminister, selbst das schon eine Freundlichkeit sondersgleichen, wenn man weiss, dass solche Treffen normalerweise minutioes vorbereitet werden muessen.
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Alles solle geheim bleiben, bittet Dai zudem. Am naechsten Tag steht Dai mit der chinesischen Presse im Praesidentenpalast und laesst das Treffen publik machen. Im Treffen belehrt Dai dann Lee eine Stunde ueber die koreanisch-chinesischen Beziehungen, bevor er zu den Sechs-Parteien-Gespraechen kommt. Lee macht zweimal deutlich, dass derzeit keinerlei Chancen auf eine Wiederaufnahme bestehen. Dai reist ab.
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Etwa 2 Stunden spaeter kuendigt das chinesische Aussenministerium eine wichtige Bekanntmachung an, ein sehr sehr seltener Schritt. Dann wird angekuendigt, dass man die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespraeche in der naechsten Woche anpeile.
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Einfach nur unglaublich.

8.10.10

Glückwunsch

Einen extrem schadenfrohen Glückwunsch auf die andere Seite des Westmeers, Glückwunsch zum ersten Nobelpreisträger, auf den unsere neue Weltmacht so lange warten musste.
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Pflichtlektüre: Ich habe keine Feinde
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Wie klein erscheinen da Dampfplauderer wie Herr Obama oder Gore.
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24.9.10

Es braut sich was zusammen

Es braut sich was zusammen in Asien. Japan ist, und dafür gibt es keine andere Bezeichnung, vor China in die Knie gegangen. China hat seinen ersten offenen Machtkampf mit Japan klar gewonnen, der Testballon war erfolgreich. Die antijapanische Stimmung wird zudem trotz der Freilassung des Kapitäns zumindest weiter öffentlich ordentlich angefeuert. Chinas Agenda wird immer deutlicher.
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Doch das könnte ich durchaus auch als Bumerang erweisen. Nicht nur, weil ich China noch 30-40 Jahre nicht so weit sehe eine echte Weltmacht zu werden. Dazu gehört mehr als eine große Wirtschaft. Politisches Vertrauen, kulturelle Kraft, das sind Dinge, da könnte selbst das kleine Korea eher zum Regionalhegemon in Asien aufsteigen als China. Selbst regional sollte China Japan nicht unterschätzen. Japan ist auf dem absteigenden Ast und hat noch immer kein Vertrauen schaffen können, aber Japan so zu behandeln, wie China das jetzt getan hat, ist deutlich verfrüht.
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Meiner Meinung nach kann so ein Schock in Japan den Wunsch auslösen, militärisch aktiver zu werden. Der Schutzschild der USA ist seit der Okinawa-Krise nicht mehr so verlässlich und jetzt hat China die politischen Machtverhältnisse aufgezeigt, die es für die Zukunft anstrebt. Das, wie es so schön unter japanischen Nationalisten heißt, "Japan, das sich wehrt", könnte jetzt mehr Unterstützung finden.
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In den USA wird übrigens gerade ein Handelskrieg gegen China vorbereitet. Der Ausgang dieser Maßnahme dürfte noch spannender werden.
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Und Korea? Ist gaaaanz ruhig. Die Medien berichten ausführlich über die Krise, an der übrigens ja auch Taiwan noch beteiligt ist, das ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhebt. Aber die Regierung in Korea? Seeeeeeehr ruhig. Ist auch das beste, was man machen kann.
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Die chinesischen Touristen stürmen Korea die Bude ein, die japanischen Touristen kommen weiterhin in großen Mengen. Von beiden Ländern ist man auch im Rest der Wirtschaft weiter stark abhängig. Mit China kann man es sich zudem wegen Nordkorea nicht verscherzen, mit Japan aus gleichem Grund ebenso wenig.
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24.7.10

Zu viele Meere für den Spiegel

Die Korea-Frage hat es wieder einmal geschafft, bei Spiegel als Topmeldung zu gelten. Und wieder einmal möchte ich ganz kurz was richtigstellen.
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Anlass ist das Großmanöver von USA und Südkorea. Der Herr Korrespondent, der aus Peking unsere KBS-Nachrichten abschreibt, hat dabei leider mal wieder die Meere verwechselt.
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Das Manöver im Westmeer findet nicht ab morgen statt, sondern erst im August. Das morgige Manöver - da hat China gar nichts zu zu sagen und hat es auch nicht getan. Und auf dieses bezieht sich auch die Kriegserklärung Nordkoreas. Auch wird die USS Washington nicht im Westmeer zum Einsatz kommen.
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Wenn man schon das Säbelrasseln und Muskelspielen so ernst nimmt, dann sollte man doch zumindest Absender und Empfänger hinbekommen. Man kann doch wohl erwarten, dass ein Korrespondent, der den Topartikel für das größte Nachrichtenmagazin Deutschlands schreibt, zumindest die Meere hinbekommt. So schwierig ist das doch nun auch wieder nicht.
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Update: Der Titel "Manoever in der verbotenen Zone" ist natuerlich ebenso irrefuehrend, da dadurch suggeriert wird, dass die USA und Suedkorea hier etwas Verbotenes tun. Sowohl das Manoever im Westmeer als auch das im Ostmeer finden in internationalen Gewaessern statt und sind offiziell angemeldet und genehmigt. Die verbotene Zone ist ein Wunschdenken von China, eines das man nicht noch wiederholen muss. Es ist ungefaehr so als wuerde Deutschland russischen Schiffen die Durchfahrt durch die Ostsee nicht erlauben, weil man sich feindselig beruehrt fuehlt. Nur weil China gross ist, hat es nicht alleinige Anrainerrechte am Gelben Meer. Ich wage ja schon kaum noch zu hoffen, dass es Reporter gibt, die aus koreanischer Perspektive berichten, aber zumindest neutral waere doch wohl zu machen.
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16.6.10

Cry for us Argentina

Heute, 20:30 Uhr koreanischer Zeit. Ich glaube noch immer nicht daran, aber es koennte eine der groessten Ueberraschungen der WM-Geschichte werden, wenn es klappt. Bei strahlendem Wetter werden heute bis zu 4 Millionen Menschen bei 330 oeffentlichen Veranstaltungen in ganz Korea das Spiel schauen. Die Einschaltquoten werden 60-70% erreichen. Genau aus diesem Grund werden wir heute nicht zum Rathausplatz, wo dies mal bis zu 4 Mal mehr Menschen erwartet werden, sondern wollen uns das Spiel am Hangang-Ufer angucken. Auch dort bis zu 100.000 Menschen, aber es wird etwas weniger beengt, weil die Flaeche weiter ist und man von verschiedenen Winkeln aus alles gut im Blick hat.
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Das Spiel ist eine nationale Aufgabe. Seit einigen Tagen wird uebrigens eine Szene hochstilisiert, von der WM 86. Schon damals begegneten sich Korea und Argentinien. Genauer gesagt, es begegneten sich Koreas Trainer Huh und Argentiniens Trainer Maradona damals noch als Spieler. Und die Begegnung fuehrte zu der Praegung eines unschoenen Begriffs: "Taekwondo-Fussball". Warum? Seht selbst:
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Auch in den Pressekonferenzen seit Tagen ein Thema. Maradona sagte, dass er Huh begruessen werde trotz der unschoenen Begegnung 86, aber das koreanische Team solle sich nicht einfallen lassen, Messi aehnlich zu behandeln.
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Was Maradona vergisst: Nachdem jetzt die erste Runde der Vorrunde vorbei ist, gibt es genau 2 Teams, die bisher weder gelbe noch rote Karten erhalten haben: Nord- und Suedkorea. Suedkorea ist damit das einzige Team, das ohne Verwarnung gewonnen hat.
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Wer RICHTIG unfairen Fussball sehen moechte, der muss - wie sollte es anders sein - chinesische Beteiligung zu Rate ziehen. Asiatische Meisterschaft, Suedkorea gg. China, letzte Minute, Korea liegt ein Tor zurueck. Und dann passiert das hier:
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1. Schwalbe ohne jegliche Beruehrung
2. Weigerung vom Platz zu gehen
3. Als sie endlich geht, haut sie der koreanischen Spielerin beim Eckball den Ball weg
4. Dann bekommt sie sogar nur eine gelbe Karte, obwohl sie vorher schon eine hatte
5. Dann pfeift die Schiedsrichterin das Spiel einfach ab, ohne die Ecke wiederholen zu lassen
6. Danach freuen sich die Chinesen auch noch und beglueckwuenschen sie.
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Unglaublich.
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3.5.10

Der Joker

Nicht nur von seinen Taten her passt der Vergleich, auch auf manchen Fotos sieht Kim Jong-il aus wie der Joker aus Batman. Sicher Heath Ledger brachte doch etwas mehr Sexappeal in der Rolle, aber Licht und Gesichtsausdruck sind sich meiner Meinung nach doch sehr ähnlich. Nicht zuletzt sieht man, was für einen technischen Sprung die Retuschierer in Nordkorea hinbekommen haben; auf den zuletzt veröffentlichten Propagandafotos sieht die Sonne des 21. Jahrhunderts ja noch recht strahlend aus, hier eher wie ein Kadaver nach 2 Wochen in der Sonne.
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Man sieht hier übrigens Kim Jong-il auf seinem Bußgang nach Canossa, ehm Dalian, wo er versucht China zu bezirzen und trotz Cheonan ein paar Kolonialisierungsmaßnahmen, ähm ich meine natürlich Wirtschaftsaufträge, zu bekommen. Viel Erfolg Genosse, kannst dir sicher sein, dass sich insgesamt Millionen Südkoreaner wünschen, dass die Machtübergabe reibungslos abläuft und man nur nichts von seinem relativen Wohlstand abgeben muss.
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1.5.10

Cheonan einen Monat danach

Drei Bilder zeigen meiner Meinung nach das ganze Ausmaß der Cheonan-Katastrophe, drei Bilder von Akteuren und ein Trend. Aufgenommen innerhalb nur zweier Tage und nicht nur deshalb nahe beieinander.
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Präsident Lee mit der Schwester eines bei der Katastrophe umgekommenen Soldaten, die von sich aus auf ihn zukam. Welch ein anderes Bild im Vergleich zu der offen feindlichen Stimmung als Lee bei den Trauerfeiern für die verstorbenen Ex-Präsidenten Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun teilnahm. Das hat natürlich vor allem mit dem Ereignis an sich zu tun.
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Lee Myung-bak hat in der Cheonan-Katastrophe erstmals politische (!) Führungskraft gezeigt. Mehr noch als mit der Oeffentlichkeit im Inneren. Er hat seine Ministerien, das Praesidialamt, das Oberkommando und die Partei(en) im Griff gehabt. Dass er seine Wirtschaftspolitik ohne Rücksicht, aber mit viel Manager-Geschick durchsetzt, das ist inzwischen klar. Aber politisch hat Lee bisher nie eine gute Figur gemacht. In der Krise aber hat er Führung bewiesen, das ist zumindest denjenigen in den Medien und der Politik ziemlich deutlich geworden, die die gesamten Informationen zum Vorfall haben. Und das sind inzwischen eine ganze Menge, deshalb verstummt auch die Kritik mehr und mehr. Ich werde mich dazu nicht detailliert äußern, aber in der Situation war ich erstmals dankbar so einen sturen Kapitalisten und keinen ideologischen Parteipolitiker am Ruder zu haben.
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Das zweite Bild vom gleichen Ereignis: Die Großmutter eines der Opfer geht auf den Vorsitzenden der Demokratischen Arbeiterpartei, Kang Gi-gap los, dem ich ja bereits einige Einträge auf Gom4President gewidmet habe. Zurückgehalten von Sicherheitskräften, aber in aller Höflichkeit schrie sie ihn, der vehement jegliche Beteiligung des Nordens bis zuletzt abgestritten hat, an: "Warum füttern Sie den Norden, Herr Abgeordneter? Mit dem Geld, das Sie geben, kaufen die dort Waffen und bringen unsere Kinder um!"
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Zum ersten Mal seit einiger Zeit ist das Thema Sicherheit, das Thema Nordkorea als Bedrohung wieder auf der Tagesordnung. Die einen sehen es als die Schuld Präsident Lees, dass er den Norden provoziert hätte, die anderen merken schlicht, dass da im Norden ein Regime sitzt, das vor nichts zurückschreckt, insbesondere wenn der Süden aufhört es zu alimentieren. Neueste Umfragen von Think-Tanks, die ich am Rande einer Konferenz mitbekommen habe, sagen, dass erstmals Nordkorea wieder als größte Bedrohung von Frieden und Sicherheit in Asien wahrgenommen wird. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber bisher waren beliebte Antworten eher Japan und die USA. Auch die Arbeiterpartei von Gang (ist übrigens der, der im Parlamentspräsidentenbüro die Einrichtung demoliert hat, weil er "es nicht aushalten konnte, ignoriert zu werden") befindet sich sehr in der Defensive, waehrend die Demokratische Partei in der Krise nach einigem Schwanken eingelenkt ist und dafuer jetzt von den Buergern belohnt wird.
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Das dritte Foto zeigt die internationalen Auswirkungen. Und zwar welche, die in Nordkorea mit Besorgnis registriert werden dürften, obwohl es nur um den ganz normalen Wahnsinn der Diplomatie von Staatsbesuchen geht.
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Die Nummer zwei Nordkoreas war zur Eroeffnung der EXPO in Shanghai, ebenso Präsident Lee nebst Gattin. Mit Spannung war erwartet worden, wie das Treffen abläuft. Und China unter Hu Jintao setzte mehrere ganz deutliche Zeichen:
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1. Im Vorfeld wurde ein kurzes nichtssagendes Treffen mit Nordkorea abgehalten. Uebliche Floskeln, keinerlei konkrete Gespraeche.
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2. Beim Gipfeltreffen mit Praesident Lee hingegen wurde bekannt gegeben, dass man einem Freihandelsabkommen nicht (mehr) abgeneigt sei und gerne die Beziehungen weiter vertiefen moechte. Zudem fuer chinesische Aussenpolitik geradezu unglaublich: Man werde sich der koreanischen Haltung in der Cheonan-Angelegenheit voraussichtlich anschliessen, wenn man den Endbericht habe.
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3. Um Lee die Peinlichkeit einer Begegnung mit Kim zu ersparen, schirmte ein Kammerdiener den Präsidenten auf dem Weg zu seinem Platz ab. Kim drehte sich zwar um, doch das Präsidentenpaar war schnell vorbei und so kam es zu keiner Begegnung. Bei der Eroeffnung der Spiele in Peking war Lee noch von sich aus auf Kim zugegangen und hatte ihm sogar die Hand geschuettelt.
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4. Und um dem Norden seine Stellung auch ganz klar zu machen, aenderte China kurz vor Beginn noch einmal die Sitzordnung: Präsident Lee am Tisch des Gastgebers mit Präsident Hu Jintao, Sarkozy, dem EXPO-Chef etc. Kim aus Nordkorea hingegen am Katzentisch am Ende des Saals. Wer jetzt meint dies sei eine Petitesse; theoretisch schon, aber der Norden registriert solche Dinge sehr sehr genau. Wenn es ein Land, das noch peinlicher auf sein internationales Standing achtet und reagiert als Suedkorea, dann ist das naemlich Nordkorea. Ein Blumenstrauss aus Senegal kann der Aufmacher der Abendnachrichten sein.
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16.3.10

Godae ist...

...wenn man mit seinem Kaffee in der Hand zu seinem Nachmittagskurs schlurft und dann steht plötzlich der Harvard-Vizepräsident vor einem, weil dein Betreuerprofessor dessen Schüler ist.
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Und weil es - wenn ich es selbst schreibe - mir gleich wieder als Deutschland- und Japanfeindlichkeit ausgelegt wird, zitiere ich schlicht aus dem Vortrag des Herrn Harvard-Vize:
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"Wenn Sie vor 100 Jahren auf die Rankings geschaut hätten, wären da auf den ersten Plätzen ein Haufen deutsche Unis, dann ein paar französische, englische und andere westeuropäische gewesen. Heute sehen Sie nur amerikanische, von den deutschen Unis ist keine mehr auch nur annähernd mit dabei. China konzentriert sich - obwohl wir gute Kooperationen haben - derzeit noch nur auf Champions in technischen Bereichen und China ist kein Land mit Wohlstand. Gute Unis können nur in Ländern mit ausgeglichenem Wohlstand gedeihen. Korea hat Japan aus unserer Sicht bereits überholt und nicht nur was die Zulassungen an unserer Uni angeht, den Rivalen weit hinter sich gelassen."
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Selbst wenn das nur ist, um uns ein wenig die Seele zu streicheln und jetzt in den Kommentaren der Kampf losgehen wird, das Harvard nicht das Maß aller Dinge ist - für einen ansonsten recht ereignislosen Nachmittag war das doch ein sehr erfreuliches Intermezzo.
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Anlass des Besuchs war übrigens die Einrichtung eines ständigen Chairs der Kennedy School of Government von Harvard (sowas wie die Mischung aus "Nirvana" und "Himmel" für Politikwissenschaftler) an der KU und die Ausweitung der Kooperation.
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22.2.10

Weisheit der Chinesen

So wenig ich vom modernen Verschnitt der chinesischen Zivilisation halte, bzw. bezweifle, dass das, was da passiert überhaupt noch Zivilisation genannt werden kann, so reich und weise ist doch die traditionelle Seite dieser Hochkultur.
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"Wenn du eine Stunde lang glücklich sein willst, schlafe. Wenn du einen Tag glücklich sein willst, geh fischen. Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen. Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit."
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Gibt glaube ich nichts, was derzeit auf mein Leben besser zutrifft. Auch wenn ich fischen durch Sport, gutes Essen oder Freunde ersetze.
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Dank an Tom für den Spruch und hoffentlich ist er Ansporn für ein paar treue Leser meines Blogs ihre Zweifel von Bord zu werfen und sich für das zu entscheiden, was ihnen wirklich wichtig ist. Grins.
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11.11.09

China, immer für einen Lacher gut

Prof. gerade im Seminar:
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"Und dann hatten wir Regierungsbeamte aus Peking hier für einen akademischen Austausch und die sollten dann schreiben, was sie gelernt haben und wie sie es fanden. Und was schreiben die? Dass das koreanische Internet viel mehr Seiten hat als das chinesische und so schnell ist, dass sie am liebsten hätten weinen wollen."
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Göttlich.
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28.6.09

Bild des Monats

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Es soll wirklich nicht darum gehen, sich über China lustig zu machen. Pfusch am Bau gibt es überall, in Deutschland, in Korea und sonstwo. In China häuft es sich natürlich, wie z.B. beim Zusammenfallen der Hochstraße vor wenigen Monaten, aber darum soll es auch gar nicht gehen.
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Ich finde viel mehr den konkreten Fall (im doppelten Sinne) dieses Wohnhochhauses in Shanghai beeindruckend.
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Da fällt ein Gebäude schlicht um. Es stürzt nicht ein, wie man das von den Sprengaktionen kennt, nein, es fällt nach hinten um. Und da liegt es dann, als sei nichts passiert. Ein bisschen zerdellt und verbogen, aber ansonsten intakt. Die kostenbewussten Chinesen würden mich nicht überraschen, wenn sie das Ding einfach wieder aufrichten.
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Hätte man mir den Spaß an Physik damals so beigebracht, mein Leben wäre vielleicht anders verlaufen.
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29.9.08

Wie man mit China umgeht | 중국을 다루는 방법

Anti-Chinesische Gemütslage hat im Moment in Korea wieder Mal Hochkonjunktur. Es ist überhaupt so, dass auch die meisten meiner Freunde bis hin zu Taxifahrern "unter uns" in China das viel größere Problem sehen als in Japan. Ist auch kein Wunder, denn während die japanische Regierung zwar alles andere als versöhnlich ist, ist das chinesische Konstrukt indirekt bis direkt für Korea durchaus greifbar gefährlich.
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Nach randalierenden chinesischen Studenten in Seoul und einflussreichen Professoren, die behaupten Nordkorea sei bei einem Zusammenbruch ganz natürlich seiner Historie gemäß China einzugliedern (da sage einer die Goguryeo-Frage habe keine politischen Implikationen) und den verschiedensten Lebensmittelskandalen (Kimchi, Mandu, verschiedene Snacks, Milchprodukte...zählt eigentlich noch jemand mit?), ist im Moment das Thema Piraten ganz groß.
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Oder zumindest nennt man sie so, denn die chinesischen Fischer, die sich an keinerlei Grenzen halten, halten die Küstenwachen der Nachbarländer auf Trab. Am Wochenende gab es zwei mögliche Reaktionen und ich überlege bis heute, welche wohl die bessere war. Mein Gewissen sagt mir "Mittelweg".
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Südkorea
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Zunächst drang mal wieder ein chinesisches Schiff in koreanische Gewässer ein, worauf die Küstenwache zum Umdrehen aufforderte, was die Chinesen nicht taten, worauf die Koreaner das Schiff verfolgten und auf koreanischem Territorium stellten. Als dann die Küstenwache das Schiff untersuchen wollte, holten die Chinesen Eisenstangen und Speere (in welchem Jahrhundert sind wir noch gleich?) und schlugen einen koreanischen Offizier tot.
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Nordkorea
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Gleicher Fall, anderes Schiff. Nach einer kurzen Warnung eröffnete ein nordkoreanisches Militärschiff das Feuer aus der Ferne, beschädigte das chinesische Schiff schwer und tötete laut Fernsehberichten mindestens einen chinesischen Fischer.
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Rhetorische Frage: Wo werden in Zukunft mehr illegale chinesische Fischer auftauchen?
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