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20.6.11

Kenneth Tin-Kin Hung

So sehr ich den Spiegel auch gerne bashe, aber mit dem Artikel über Kenneth Tin-Kin Hung haben Sie mal etwas geschafft - mich zu beeindrucken. Also weniger natürlich der Spiegel selbst als der Künstler, aber diesen vorzustellen, ist auch schon etwas. Passt natürlich in die allgemeine chinakritische Berichterstattung des Spiegels und einige der Bilder finde ich auch entweder geschmacklos oder allzu plakativ in negativer Weise, aber ein Bild von Kenneth Tin-King Hung fand ich sehr sehr beeindruckend und zwar dieses hier:




Ich schliesse mich jetzt nicht den ritualisierten Aufrufen zur Freilassung der politischen Häftlinge an; meine grundsätzliche Haltung gegenüber China bzw. dem Regime, das diese einstmals großartige Zivilisation gefangen hält, dürfte klar sein. Instrumentelle Argumentationen wie "ohne die KP bricht da alles zusammen" zählen bei mir nichts. Dieses Thangka jedenfalls provoziert allein schon mit der Wahl der Darstellungsweise, von den Inhalten gar nicht zu sprechen; eine Allegorie auf all das, was China fehlt, was aber auch China eines Tages erhalten wird. Om mani padme hum.
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21.9.10

Besetzung und Beharren

In Ostasien tobt ein Sturm. Nordkorea gegen Südkorea hat sich gerade wieder beruhigt, da flammen die Ressentiments und Inselstreitigkeiten zwischen Japan und China wieder auf. China, das sonst versucht jeden Konflikt klein zu halten und low key zu bleiben, haut ein Propaganda-Stück nach dem anderen raus und die japanische Regierung versucht vergeblich die eigenen Nationalisten im Zaum zu halten.
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In der Umschreibung der japanischen Verbrechen in Ostasien hat der Spiegel sich aber offensichtlich Nachhilfe vom japanischen Textbuchkomitee geholt. Da heißt es dann schlicht:
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"Die Beziehungen zwischen Japan und China sind von tiefem Misstrauen geprägt. Sie werden nach wie vor durch Japans Besetzung chinesischer Gebiete vor und während des Zweiten Weltkriegs überschattet."
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Wie niedlich. Besatzung von Gebieten. Ich höre schon Horst Krawuttke rufen: "Awatt, die Chinesen haben doch eh genug Land, die sollen sich mal nicht so haben."
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P.S. Das Unrecht gegen China durch Japan bedeutet nicht, dass China im aktuellen Konflikt meine Sympathien hat.
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28.7.10

Wechselwähler wechseln häufig

Heute waren Nachwahlen zum Parlament in 8 Wahlkreisen. Die linke Opposition hatte davon 7 Sitze gehalten (die DP davon allein 5), die konservative Regierungspartei davon einen einzigen.
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Den ganzen Tag über sah es - dank deutlich höherer Wahlbeteiligung als bei anderen vergleichbaren Wahlen - danach aus als könnte die Opposition ihren Wahlsieg von den Provinzwahlen wiederholen. Man hatte sich drauf verlassen, dass gemeinsame Oppositionskandidaten die Anti-Lee-Stimmung sammeln und die Leute, die zusätzlich zur Wahl gehen jung sind.
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Und dann gehen die Wahlurnen auf, es wird aufgezählt und zwei der allerengsten Vertrauen Lee Myung-baks sitzen wieder im Parlament, die Regierungspartei hat 5 Wahlkreise gewonnen, nachdem ihr vorher bestenfalls drei zugetraut worden waren. Die Regierungsmehrheit im Parlament ist damit um weitere 4 Sitze gewachsen, die DP-Fraktion noch weiter geschrumpft.
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Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Regierungspartei eine Nachwahl so deutlich gewinnt und das trotz Skandalen um die Überwachung von Zivilisten durch das Ministerpräsidentenbüro und sexistische Äußerungen über Frauen.
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Was war da los?
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Meine Meinung kommt nachher bei Gom4President.
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Update: Analyse jetzt bei Gom4President online.

4.6.10

Der Anden-BP

Bald sind BP-Wahlen. Wie sich das für ein Land gehört, das auf dem Freedom House Index eine "10 von 10" bei Transparenz von Wahlen zu wichtigen Positionen im Staat erhält, durfte das Volk nach einigen aufeinanderfolgenden Kungelrunden der Spitzenpolitiker dann auch irgendwann erfahren, wen es dann schließlich sowieso nicht wählen darf.
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Apropos gewählt: Ich habe diese Regierung gewählt und gebe es zu. Ich bin für Gauck und gebe es zu. Chapeau an die SPD - das ist wahrscheinlich der klügste Schachzug, den diese Partei in den letzten 8 Jahren vollbracht hat. Es ist ein durchschaubares Spiel, aber das ändert nichts daran. Mehr muss ich nicht mehr sagen.
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Prioritäten

Hatte heute ein lustiges Gespräch mit einem interessanten und recht bekannten Gesprächspartner, der sich zu folgender lustiger Aussage hinreissen liess, auf meine interessierte Frage, was jetzt mit Wahlen und Nordkorea und dem ganzen Thema sei.
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"Also jetzt schiessen wir erst mal die Naro ab, dies mal hoffentlich auf die richtige Umlaufbahn, dann ist erst einmal ganz lange WM - Politik wird erst danach wieder gemacht, bis dahin hat sich die Opposition wohl auch schon wieder zerlegt. Das Praktische ist, dass Nordkorea jetzt auch erst mal die WM hat, um sich abzureagieren, insofern braucht man sich da keine Sorgen machen. Wir sollten deshalb alle inständig hoffen, dass Nordkorea weit kommt, sonst sind die wieder beleidigt und bombardieren unsere Fischbestände mit ihren Raketentests."
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27.5.10

Krieg oder Frieden?

Ich versuche wirklich immer wieder mir die Argumente der linken Opposition anzuhoeren, diesen Standpunkt zu verstehen. Gerade in Korea gelingt mir dies in Fragen der Wirtschafts- und Bildungspolitik oft ganz gut. Je mehr ich das tue, desto sympathischer werden mir einige Kandidaten der "echten" Linken, z.B. Sim Sang-jeong. Die hat eine linke Position, aber sie kann sie begruenden, verteidigen und die Meinung ist in sich konsistent. Da kann man diskutieren, man ist am Ende immer noch anderer Meinung, hat aber an Respekt voreinander gewonnen. Das ist, worum es in der Demokratie geht. Nicht die Einheit der Meinung, sondern der geordnete Ablauf des Austausches und die Anerkennung der Unterschiede. In der Nordkoreapolitik stosse ich aber regelmaessig auf meine Toleranz-Grenzen.
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Heute fiel es mir sogar den ganzen Tag sehr schwer mich zurueckzuhalten. Der Grund ist wieder einmal die Oppositionskandidatin fuer das Amt des Buergermeisters von Seoul. Ich habe Han Myeong-suk immer gemocht. Wer Gom4President verfolgt, weiss dass ich damals sogar aufgerufen habe, sie bei den Parlamentswahlen zu waehlen und ich ihre Art des Auftretens immer fuer erfrischend anders hielt. Auch als Ministerpraesidentin hat sie das Land gut im In- und Ausland repraesentiert. Doch irgendwas hat sich geaendert, seit sie provoziert wurde. Sie scheint nur noch ideologisch und von Rachegeluesten getrieben, einen Personenkult um Roh Moo-hyun treibend durchs Land zu ziehen.
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Wer aber als Seouler Buergermeisterin aus Wut ueber eine Regierung kandidiert und nicht, um Seouls Buergermeisterin zu werden und dazu noch so schlecht vorbereitet in eine TV-Debatte geht...
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Die Dame weiss weder wie viele Mitarbeiter die Seouler Stadtverwaltung hat, noch wie gross das Sozialbudget Seouls ist - aber erst einmal ausbauen, egal wie hoch. Und selbst beim Ausbauen weiss sie nicht, wieviel fuer was verwendet werden soll. Unglaublich. Die schlechteste TV-Debatte, die ich je gesehen habe. Selbst in Korea. Vielleicht haette sie mal bei ihrem ehemaligen Kabinettskollegen Ryu Si-min nachfragen sollen, wie man in eine TV-Debatte geht. Sie schneidet derzeit am schlechtesten von den drei Kandidaten der Opposition in der Hauptstadtregion ab, obwohl sie eigentlich gute Karten haette (ihr Waehlerpotential liegt am hoechsten) und ihr Wahlkampfbudget ist deutlich hoeher als das des Amtsinhabers. Doch sie hat sich in den letzten Wochen mit ihrer mangelnden Vorbereitung und dem schwachen Auftreten vieles verspielt. Das war nicht die Nordkorea-Welle, Frau Han hat sich vieles selbst zuzuschreiben, auch wenn Oh natuerlich ein beliebter Amtsinhaber und somit schwerer Gegner ist. In der Debatte gefaellt er mir aber uebrigens auch nicht, viel zu schmierig, viel zu arrogant.
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Aber das haette ich hier alles gar nicht gepostet, wenn ich nicht heute morgen wieder einmal eine unschoene Begegnung mit Frau Han gehabt haette. Das Geplaerre aus den Lautsprechern vor einigen Tagen habe ich ja schon erwaehnt. Inzwischen habe ich auch rausgefunden, dass das illegal war. Ein Verstoss gegen die Vorschriften fuer den Wahlkampf. Auf meine Nachfrage bei der Wahlkomission hin wollte der gleich eine Anzeige aufnehmen. So weit wollte ich es dann aber doch nicht treiben, wie gesagt, eigentlich mag ich Han ja und sie war es bestimmt nicht selbst, die den Lautsprecherwagen vor mein Schlafzimmerfenster postiert hat. Aber fuer alle, die sich in den naechsten Tagen noch von jedweden Kandidaten aller Parteien gestoert fuehlen: Lautsprechermusik ist erst ab 7 Uhr morgens erlaubt, Anzeigen kann man bei der Polizei oder der Nationalen Wahlkommission machen. Aber ich schweife ab.
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Also jedenfalls komme ich heute morgen aus dem Haus und sehe die neue Plakatwelle von Frau Han: "Der weise Weg Krieg zu verhindern". Ich kriegs nicht mehr gebacken. Ich blieb einen Moment angewurzelt stehen. Meint sie das ernst? Ist das ein ernsthaftes Plakat? Ich wollte keine voreiligen Schluesse ziehen, doch dann sehe ich heute Sohn Hak-gyu (ebenfalls DP) im Fernsehen wie er sagt (woertlich!): "Diese Wahl ist eine Entscheidung zwischen Krieg und Frieden. Ich bitte alle Buerger, die Frieden wollen, die Opposition zu unterstuetzen."
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Seufz. Einmal abgesehen von der Unerhoertheit der Unterstellung die anderen und die Regierung wollten Krieg (den haette die Regierung laengst haben koennen und ich muss glaub ich nicht noch einmal betonen, dass es fast dazu gekommen waere und wer dafuer verantwortlich ist, dass es keinen gab), zeigt das wieder einmal, dass diese Partei keinerlei einheitliche Linie hat und lieber die Lebensluege ihrer Nordkorea-Politik bis zum bitteren Ende verfolgt.
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1. Bisher wurde das ganze als Saebelrasseln der Regierung fuer die Wahlen kritisiert. Man werde direkt nach den Wahlen wieder an den Verhandlungstisch zurueckkehren. Alles sei nur inszeniert fuer die Wahlen. Was denn nun? Will Lee echten Krieg oder will Lee nur die Krise fuer die Wahlen aufrecht erhalten? Ich bitte die Apologeten aus der Kommentarriege mir hier Klarheit zu verschaffen: Wenn die Nordkorea-Welle nur inszeniert ist, warum sollte man dann die Opposition fuer den Frieden waehlen?
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2 Warum sollte eine konservative Regierung, deren Prioritaet wirtschaftliches Wachstum ist, eigentlich einen Krieg riskieren oder gar einen Zusammenbruch des Nordens? Oder geht etwa - entgegen der Beteuerungen vieler DP-Abgeordneter - die Bedrohung doch vom Norden aus und der Sueden sollte deshalb ueberhaupt keine Strafmassnahmen zu Nordkorea verhaengen, um ihn nicht zu provozieren? Ist also der Schluessel zu Krieg und Frieden eigentlich in Pjoengjang?
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2. Warum aendert dann aber eine Wahl Han Myeong-suks etwas grundlegend? Was ist jetzt genau der Mechanismus hinter der Wahl einer Oppositionskandidatin zur Seouler Buergermeisterin, der den Krieg verhindert? Also doch Appeasement oder wie soll man das verstehen? Und selbst wenn man sich darauf einlaesst: Wie sehr ueberschaetzt sich die DP eigentlich, wenn sie ernsthaft meint, dass ein Sieg der Opposition den Norden besaenftigt und Frieden schafft?
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3. Und was macht die Opposition so sicher, dass ein wie auch immer geartetes Zeichen, zumal in demokratischen Wahlen, die der Norden doch eigentlich nicht so gern hat, den Norden besaenftigt? Die Hoffnung auf eine linke Regierung nach den naechsten Praesidentschaftwahlen?Also dann wieder Sonnenscheinpolitik ab 2012 mit vollen Hilfszahlungen? Die Sonnenscheinpolitik ist aber nicht tot, weil die Regierung Krieg will, sondern weil eine ueberwaeltigende Mehrheit im Volk genug von ihr hatte. Waere dies nicht so, koennte Lee ja gar nicht so handeln wie er es jetzt tut und wuerde es ihm ja auch gar nichts fuer die Wahlen nutzen, wenn das Volk gegen seine Massnahmen waere? Blaest also die sogenannte Nordkorea-Welle vielleicht einfach, nicht weil die Regierung sie aktiv anfeuert, sondern weil die Entwicklungen in der Krise hier einen Nerv der Waehlerschaft getroffen haben, in dem die ueberwaeltigende Mehrheit der Buerger den linken nichts mehr zutraut? Die Waehler wissen naemlich sehr genau, dass die letzten Seegefechte mit Nordkorea in einer Zeit stattfanden als linke Regierungen die Sonnenscheinpolitik und Versoehnung propagiert haben: 1999, 2002 und 2009. Die Cheonan wurde versenkt, weil die Nordkorea-Politik konfrontativ ist, aber die 4 Schiffe, 6 Toten und mindestens 18 Verletzten der Seegefechte unter Sonnenschein-Regierungen sind halt einfach so passiert, aus Versehen? Es ist dieser grosse Widerspruch, der der Linken die hart erarbeitete "Issue Ownership" oder Themenkompetenz in der Nordkorea-Frage so deutlich abgenommen hat.
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4. Und war es nicht ueberhaupt die Opposition, die sagte man solle die Nordkorea-Frage aus dem Wahlkampf lassen, weil es hier um viel mehr ginge als kurzfristige parteipolitische Interessen (richtige Aussage uebrigens)? Warum ist man auf das dementsprechende Angebot der Hannara nicht eingegangen? Weil man Angst hatte, dass die Hannara auch von der Lage profitiert, wenn sie das Thema nicht thematisiert, die DP aber nur gewinnen kann, wenn sie es fuer sich thematisiert?
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5. Am verstoerendsten ist aber die Amateurhaftigkeit, mit der hier Politik von der DP betrieben wird (alle anderen Parteien sind auch nicht besser, aber hier sticht es besonders hervor). Selbst die eher linkslastigen unter den Professoren an unserem Institut schlagen die Haende ueberm Kopf zusammen und warnen: Ueber 60% der Oppositionsanhaenger in der Hauptstadtregion unterstuetzen die Massnahmen der Regierung Lee, immerhin fast 70% glauben an eine Aktion des Nordens. Ja selbt im tiefprogressiven Gwangju glaubt eine Mehrheit an eine nordkoreanische Taeterschaft und liegt die Ablehnung der Regierungs-Massnahmen innerhalb der Fehlertoleranz. Die taktisch einzig richtige Entscheidung fuer die DP waere sich jetzt als staatstragend zu gerieren, Nordkorea klar zu verurteilen, sich aber fuer eine Korrektur in einzelnen Massnahmen und eine Maessigung des Suedens einzusetzen. Letzteres tut man ja , aber ohne Ersteres wird dies nicht als ernsthaft aufgefasst. Vielmehr erweckt man so den Eindruck eigentlich auf der Seite des Nordens zu stehen. Und das kommt im Sueden noch immer nicht gut an.
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Diese Strategie von wegen "Mit Sonnenschein waere Ihnen das nicht passiert" - sie wird nicht verfangen. Es waere an der Zeit das einzige ideologische Gepaeck, das die Linken in dieser konservativen Gesellschaft hatten, die Nordkorea-Politik, ueber Bord zu werfen und sich ein neues Thema zu suchen. Stattdessen begibt sich die DP immer tiefer in eine Sackgasse, aus der es ziemlich schwer wieder rauszukommen ist. Und das bei einer Regierung, die in weiten Teilen insbesondere der Hauptstadtregion wahrlich nicht Freudenstuerme ausloest. Es bewahrheitet sich wieder einmal meine grundlegende Meinung zur koreanischen Politik: Das Problem sind nicht die Konservativen, sondern die schwache Linke. Und das Problem der schwachen Linken ist sie selbst. Und wenn die groesste Oppositionspartei solch haarstraeubende Fehler begeht, ist das auch mir, der zuallererst Demokrat ist, nicht lieb. Noch 6 Tage und der eigentliche Krieg tobt wieder einmal zwischen den Parteien. Unversoehnlicher und schriller als alles, was zwischen den beiden nordkoreanischen Staaten tobt.
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25.5.10

Tauchstation

Einige Leser fragen mich, warum ich ploetzlich nichts mehr zur Cheonan sage, obwohl es doch jetzt erst richtig losgeht. Ganz einfach: Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Wir haben bei KBS die letzten Tage fast ausschliesslich darueber berichtet, wir haben unendlich viele Informationen bereitgestellt und trotzdem machen die deutschen Medien, die sich auch auf unsere Berichte beziehen, leider hauptsaechlich reisserische Kriegsgeschichten draus. Das frustriert.
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Persoenlich freue ich mich natuerlich, dass sich der Sueden endlich nicht mehr alles gefallen laesst und eine klare Linie fuehrt. Natuerlich ist das ein riskantes Spiel, aber laengst nicht so riskant wie es dargestellt wird. Alle Beteiligten wissen, was auf dem Spiel steht und haben das sehr genau abgewaegt. Ich durfte die letzten Woche ziemlich nahe an den Entscheidungen dran sein und bin genau deshalb sehr beeindruckt von der Ruhe mit der die Angelegenheit gemanagt wurde.
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Von den konkreten Regierungserklaerungen ist viel psychologisch, viel rhetorisch. Aber endlich wird mal realistisch an die ganze Sache rangegangen. Es ist ja nicht, dass der Sueden ploetzlich aus heiterem Himmel einen Krieg erklaert haette. Selbst die kostenlosen (!) Medizin- und Nahrungslieferungen in den Norden gehen weiter. Ich kann ja demnaechst mal versuchen die Bedienung im Restaurant mit nem Messer zu erstechen und warten, ob sie mir danach noch mehr Kimchi bringt, damit ich es nicht noch einmal probiere.
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An den verschiedenen Verschwoerungstheorien beteilige ich mich nicht mehr, es ist einfach nur noch laecherlich. Natuerlich kann es sein, dass alles gefaelscht ist. Genauso wie es sein kann, dass Ausserirdische sich verkleidet haben und das suedkoreanische Schiff versenkt haben. Da man nicht beweisen kann, dass man richtig liegt und 15-20% der Suedkoreaner eine Verwicklung Nordkoreas auch noch verneinen wuerden, wenn Kim Jong Il es selbst verkuendet, ist es muessig sich mit sowas abzugeben. Auch die Taeterschaft Al-Kaidas am 11. September glauben ja viele Leute nicht. Aus meiner Sicht ist es sinnlos, Leute vom Gegenteil zu ueberzeugen, ich glaube inzwischen hat sich wirklich jeder eine Meinung zum Fall gebildet. Wer in seiner Traumwelt bleiben moechte, soll dies tun.

23.5.10

Notiz zu Haenden Han Myeong-suk

Liebe Frau Han Myeong-suk, Buergermeisterschaftskandidatin der linken Opposition in Seoul.
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Glauben Sie wirklich es ist eine schlaue Idee morgens ab 7:00 Uhr die Nachbarschaft mit billig abgewandelter Popmusik und Demokratiebewegungs-Nostalgieliedern zu beschallen? Und mit beschallen meine ich, dass obwohl der Lautsprecherwagen auf der gegenueberliegenden Seite der Strasse steht und ich das Fenster geschlossen habe, die Musik so laut ist als wuerde sie in meinem Zimmer laufen. Und was ebenfalls nicht erfreulich ist, ist der Umstand, dass die Dame nur 6 kurze Lieder in petto hat, weshalb sich das Ganze alle 10-15 Minuten wiederholt. Im Moment zum zwoelften Mal.
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Liebe Frau, Han. Ich weiss ja, dass sie die Politik aendern moechten und jetzt alles besser machen moechten als unter der Regierung Roh. Diese hochgesteckten Ambitionen in allen Ehren, aber warum fangen Sie nicht einfach mal mit "Ruecksicht", "Menschlichkeit" und "Politik fuer das Glueck der Menschen" bei Ihrem Wahlkampf an und legen Ihre Aktivitaeten auf den Tag. Eine unmittelbare Verbesserung meines Gluecks waere z.B. wenn man mir zumindest 4-5 Stunden Schlaf goennt, nachdem ich gestern wieder bis spaet in die Nacht fuer die Uni gearbeitet habe.
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Die knapp zwei Stunden Schlaf, die Sie mir heute geklaut haben, werde ich mit Propaganda fuer Oh Se-hoon unter meinen Freunden leider ausgleichen muessen. Dabei mag ich Sie eigentlich persoenlich.
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Der Dame im Pyjama zufolge, die gerade gegen den Lautsprecherwagen tritt und sich ein Gefecht mit dem Bewacher liefert, scheinen Sie auch in den restlichen Officetels der Umgebung nicht unbedingt erfolgreich zu sein mit der Taktik der Fruehbeschallung. Nur so ein Tipp.
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Wenn Sie uns schon den Schlaf rauben, dann kommen Sie doch einfach selbst vorbei und erzaehlen etwas ueber ihr Programm oder verteilen Morgenkaffee. Aber wahrscheinlich schlafen Sie um 7 Uhr noch?
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(Dieser Brief richtet sich natuerlich an JEDEN Kandidaten, der morgens um 7 die Leute terrorisiert)

16.5.10

Framing

Framing bezeichnet in der Politischen Kommunikation grob gesagt einen Vorgang, bei dem ein politischer Vorgang, ein Thema, ein Kandidat oder Ähnliches so zurechtgestutzt wird, das es ins Weltbild passt bzw. den eigenen Anhängern oder einer bestimmten Zielgruppe vorgesetzt werden kann. Das geht grundsätzlich mit jedem Thema und das scheint jetzt auch endlich mal jemand der Opposition in Korea gesagt zu haben.
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Das Problem der Opposition ist derzeit, dass ihr Thema, Gedächtnis an Roh Moo-hyun und selbst der Immerzünder Watschn für die Regierung nicht so richtig ziehen. In den wichtigen Rennen liegen die meisten Kandidaten der DP noch immer 10-20% zurück und selbst wenn da noch vieles in Bewegung ist (ich sehe z.B. Incheon als sehr wahrscheinlich für die DP, obwohl sie da noch bis zu 10% zurückliegen), sieht es nicht so gut aus wie man sich das erwartet hat.
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Cheonan ist naemlich immer noch ein Thema. Am 20. wird das offizielle Untersuchungsprotokoll vorgestellt. Dann geht es erst richtig los. Und die "issue ownership" bei Nordkorea ist laengst nicht mehr bei der Opposition wie noch zu Kim Dae-jungs Zeiten, sondern eindeutig bei der Hannara (ca. mit 45% zu 15%). Und dann gilt es für die DP in diesem Thema zu konkurrieren. Denn selbst wenn man im Issue unterlegen sein mag, gar nicht darin zu konkurrieren funktioniert uach nicht.

Während hier auf dem Blog ja immer noch Leute rumgeistern, die meinen der Norden habe nichts mit der Cheonan-Katastrophe zu tun, haben Sogar die Roh-Getreuen von der neugegründeten Bürgerbeteiligungspartei, die in der Provinz Gyeonggi mit Ryu Si-min den Gouverneurskandidaten stellt, machen sich inzwischen ein Türchen auf. Zusammengefasst:
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"Wir sind immer noch nicht überzeugt davon, dass Nordkorea hinter der Sache steckt. Sollte es aber so sein, ist die Regierung Lee dran Schuld, denn sie hat unsere erfolgreiche Sonnenscheinpolitik kaputt gemacht und den Norden in die Enge getrieben. Lee Myung-bak ist also indirekt für den Tod der jungen Soldaten verantwortlich."
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Ehre wem Ehre gebührt, auch wenn mir bei der Logik natürlich mehr als übel wird. Aus der Warte der politischen Kommunikation und Wahlkampfgestaltung aber ziemlich gut gemacht sich aus der Zwickmühle zu befreien, die der Norden gestellt hat. Leute wie Han Myeong-suk und Ryu Si-min wissen einfach wie Politik gemacht wird.
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P.S.: Die Wahlempfehlung des Nordens für die Linken bei den Regionalwahlen wird keine Auswirkungen haben, denke ich. Das hatten sie in der Vergangenheit nie. Weder positiv noch negativ.

4.5.10

Kalinichta nach Athen

Sitze gerade an meinem Referat über Machiavellis Staatskunst. Mit freundlichen Grüßen nach Athen:
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"Wir haben in unserer Zeit gesehen, daß nur die
Großes erreichten, die für knauserig galten, die
andren aber gingen unter.
(...)
Ein Fürst also, der seine Untertanen nicht ausplündern
will, um sich zu verteidigen, der Armut und Verachtung
meiden und nicht räuberisch werden will,
darf den Ruf der Knauserei nicht fürchten, denn diese
ist eine der Untugenden, die ihm seine Herrschaft
erhalten.
(...)
Und unter allem,
wovor ein Fürst sich hüten muß, steht obenan:
verachtet und gehaßt zu werden; die Freigebigkeit
aber führt zu einem von beiden. Daher ist es weiser, im
Rufe der Knauserei zu stehen, was zwar ein übler Ruf
ist, aber keinen Haß erzeugt, als, um für freigebig zu
gelten, dich in den Ruf der Räuberei zu bringen,
welcher dich verhaßt macht."

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(Niccolo Machiavelli - Il Principe, Kapitel XVI Ende)

1.5.10

Cheonan einen Monat danach

Drei Bilder zeigen meiner Meinung nach das ganze Ausmaß der Cheonan-Katastrophe, drei Bilder von Akteuren und ein Trend. Aufgenommen innerhalb nur zweier Tage und nicht nur deshalb nahe beieinander.
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Präsident Lee mit der Schwester eines bei der Katastrophe umgekommenen Soldaten, die von sich aus auf ihn zukam. Welch ein anderes Bild im Vergleich zu der offen feindlichen Stimmung als Lee bei den Trauerfeiern für die verstorbenen Ex-Präsidenten Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun teilnahm. Das hat natürlich vor allem mit dem Ereignis an sich zu tun.
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Lee Myung-bak hat in der Cheonan-Katastrophe erstmals politische (!) Führungskraft gezeigt. Mehr noch als mit der Oeffentlichkeit im Inneren. Er hat seine Ministerien, das Praesidialamt, das Oberkommando und die Partei(en) im Griff gehabt. Dass er seine Wirtschaftspolitik ohne Rücksicht, aber mit viel Manager-Geschick durchsetzt, das ist inzwischen klar. Aber politisch hat Lee bisher nie eine gute Figur gemacht. In der Krise aber hat er Führung bewiesen, das ist zumindest denjenigen in den Medien und der Politik ziemlich deutlich geworden, die die gesamten Informationen zum Vorfall haben. Und das sind inzwischen eine ganze Menge, deshalb verstummt auch die Kritik mehr und mehr. Ich werde mich dazu nicht detailliert äußern, aber in der Situation war ich erstmals dankbar so einen sturen Kapitalisten und keinen ideologischen Parteipolitiker am Ruder zu haben.
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Das zweite Bild vom gleichen Ereignis: Die Großmutter eines der Opfer geht auf den Vorsitzenden der Demokratischen Arbeiterpartei, Kang Gi-gap los, dem ich ja bereits einige Einträge auf Gom4President gewidmet habe. Zurückgehalten von Sicherheitskräften, aber in aller Höflichkeit schrie sie ihn, der vehement jegliche Beteiligung des Nordens bis zuletzt abgestritten hat, an: "Warum füttern Sie den Norden, Herr Abgeordneter? Mit dem Geld, das Sie geben, kaufen die dort Waffen und bringen unsere Kinder um!"
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Zum ersten Mal seit einiger Zeit ist das Thema Sicherheit, das Thema Nordkorea als Bedrohung wieder auf der Tagesordnung. Die einen sehen es als die Schuld Präsident Lees, dass er den Norden provoziert hätte, die anderen merken schlicht, dass da im Norden ein Regime sitzt, das vor nichts zurückschreckt, insbesondere wenn der Süden aufhört es zu alimentieren. Neueste Umfragen von Think-Tanks, die ich am Rande einer Konferenz mitbekommen habe, sagen, dass erstmals Nordkorea wieder als größte Bedrohung von Frieden und Sicherheit in Asien wahrgenommen wird. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber bisher waren beliebte Antworten eher Japan und die USA. Auch die Arbeiterpartei von Gang (ist übrigens der, der im Parlamentspräsidentenbüro die Einrichtung demoliert hat, weil er "es nicht aushalten konnte, ignoriert zu werden") befindet sich sehr in der Defensive, waehrend die Demokratische Partei in der Krise nach einigem Schwanken eingelenkt ist und dafuer jetzt von den Buergern belohnt wird.
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Das dritte Foto zeigt die internationalen Auswirkungen. Und zwar welche, die in Nordkorea mit Besorgnis registriert werden dürften, obwohl es nur um den ganz normalen Wahnsinn der Diplomatie von Staatsbesuchen geht.
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Die Nummer zwei Nordkoreas war zur Eroeffnung der EXPO in Shanghai, ebenso Präsident Lee nebst Gattin. Mit Spannung war erwartet worden, wie das Treffen abläuft. Und China unter Hu Jintao setzte mehrere ganz deutliche Zeichen:
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1. Im Vorfeld wurde ein kurzes nichtssagendes Treffen mit Nordkorea abgehalten. Uebliche Floskeln, keinerlei konkrete Gespraeche.
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2. Beim Gipfeltreffen mit Praesident Lee hingegen wurde bekannt gegeben, dass man einem Freihandelsabkommen nicht (mehr) abgeneigt sei und gerne die Beziehungen weiter vertiefen moechte. Zudem fuer chinesische Aussenpolitik geradezu unglaublich: Man werde sich der koreanischen Haltung in der Cheonan-Angelegenheit voraussichtlich anschliessen, wenn man den Endbericht habe.
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3. Um Lee die Peinlichkeit einer Begegnung mit Kim zu ersparen, schirmte ein Kammerdiener den Präsidenten auf dem Weg zu seinem Platz ab. Kim drehte sich zwar um, doch das Präsidentenpaar war schnell vorbei und so kam es zu keiner Begegnung. Bei der Eroeffnung der Spiele in Peking war Lee noch von sich aus auf Kim zugegangen und hatte ihm sogar die Hand geschuettelt.
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4. Und um dem Norden seine Stellung auch ganz klar zu machen, aenderte China kurz vor Beginn noch einmal die Sitzordnung: Präsident Lee am Tisch des Gastgebers mit Präsident Hu Jintao, Sarkozy, dem EXPO-Chef etc. Kim aus Nordkorea hingegen am Katzentisch am Ende des Saals. Wer jetzt meint dies sei eine Petitesse; theoretisch schon, aber der Norden registriert solche Dinge sehr sehr genau. Wenn es ein Land, das noch peinlicher auf sein internationales Standing achtet und reagiert als Suedkorea, dann ist das naemlich Nordkorea. Ein Blumenstrauss aus Senegal kann der Aufmacher der Abendnachrichten sein.
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22.4.10

Vergleichende Systemforschung

Eines der meistuntersuchten Paare der Vergleichenden Politikwissenschaft (in Asien) sind Taiwan und Korea. Beide haben viele geschichtliche, sicherheitspolitische und allgemeinpolitische Gemeinsamkeiten und trotz unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur einen aehnlichen Lebensstandard. Auch die Demokratie in beiden Laendern gilt als aehnlich gefestigt. Im Detail werden aber natuerlich immer riesige Unterschiede deutlich.
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Trotzdem musste ich heute einen kurzen Augenblick schlucken als ich dieses Bild sah: Oh nein, wieder eine Schlaegerei im koreanischen Parlament. Erleichterung beim Durchlesen der Bildunterschrift: Dies mal war es Taiwan. Untersuchungen belegen uebrigens, dass Taiwan das gewalttaetigste Parlament der Welt ist, gefolgt von Russland und ein paar Afrikanern. Dann erst Korea auf Platz 7 wenn ich mich richtig erinnere. Vergleich von Pruegeleien im Parlament? Ein interessantes Thema fuer die Abschlussarbeit. Grins.
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13.4.10

Kurzes aus Korea

Korea Ausrichter des nächsten Atomgipfels. Wird größtes politisches Treffen, das je in Korea stattgefunden hat. US-Vizepräsident Biden scherzt über Lee MB als "Obamas Kumpel". Lee und Obama sind schon ein interessantes Paar. Die Freundlichkeit zwischen beiden ist nicht gespielt, die beiden mögen sich wirklich, das sagen alle Beobachter. Warum bleibt aber wohl ein Geheimnis zwischen den beiden.
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Nordkorea droht mit der Aufgabe des Grenzverkehrs, sollten südkoreanische Menschenrechtsgruppen anlässlich Kim Il-sungs Geburtstag Flugblätter über die Grenze fliegen lassen. Die scheinen ja echt Angst zu bekommen.
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Die ersten Bilder von der Bruchstelle der Cheonan geben keinen klaren Aufschluss, aber viele Hinweise in eine Richtung; die meisten Experten sagen, dass ein Torpedo als Ursache immer wahrscheinlicher wird, eine innere Explosion wird quasi ausgeschlossen, aber weiter untersucht. Donnerstag wird endgültig gehoben, dann geht der Krieg um Deutungshoheit los. Endgültige Reaktionen wird es erst geben, wenn die Untersuchungskommission ihren Bericht vorlegt (UN, Schweden, GB, USA, koreanisches Militär und zivile Experten gemeinsam).
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Moodys hat sich nun doch entschlossen Koreas Kreditwürdigkeit über die Griechenlands zu heben. War ja auch eine Frechheit: Korea hat dieses Jahr Wachstumsaussichten von über 5%, eine Arbeitslosenzahl, die nächsten Monat wieder unter 4% liegen wird, eine Staatsverschuldung deutlich unter EU-Durchschnitt, ein Bruchteil des griechischen Defizits. Bei dem Chaos, das in Griechenland könnte Nordkorea bei Daegu stehen und der koreanische Staat wäre noch immer stärker, gesünder als der griechische. Insofern die Entscheidung (wenn auch nach Intervention der koreanischen Regierung) nur folgerichtig. Korea ist damit wieder auf dem Stand von vor der Asienkrise 1997.
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Han Myeong-suk, ehemalige Ministerpräsidentin und aussichtsreichste Kandidatin des linken Lagers wurde von den Vorwürfen der Bestechlichkeit aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Wann kapiert die koreanische Staatsanwaltschaft, das man Prozesse erst führt, wenn man Beweise oder zumindest glaubwürdige Zeugen hat. Jedoch beweisen zu wollen, dass eine der charismatischsten und "liebsten" Repräsentantinnen der Linken eine Verbrecherin ist, indem man einen deutlich unsympathischeren, schnoddrigen Verbrecher zum Kronzeugen macht - da ist das Ergebnis doch klar. Seufz. Han wird trotzdem nicht Bürgermeisterin, sagen die meisten Umfragen. Ich denke es wird sehr knapp, aber denke ebenfalls Oh bleibt vorne.
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Uebersicht ueber die Umfragen

Wie jetzt Martin erklaert, dass selbst die Hankyoreh auf den Zug der Pro-Leeler aufgesprungen ist und unwahre Umfragen ueber die ueberaus beliebte Han veroeffentlicht, bin ich gespannt :D
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Wachstumsaussichten steigen auf 5.2%, laut Bank of Korea. Auf dem Markt sind derzeit Aussichten zwischen 4,5 und 7,2%. Einige Aussichten von der Hankyoreh (ohne internationale Aussichten). Merrill Lynch z.B. sagt deutlich mehr, naemlich 6,2%. Einige andere, auslaendische Einschaetzungen gibt es in der Chosun Ilbo.
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Die Arbeitslosigkeit liegt bei knapp über 1 Million, etwas über 4%. So schnell wie sie gestiegen ist, fällt sie auch wieder: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um knapp 300.000 (in einem Monat), die Zahl der Arbeitslosen fiel um fast 300.000 (in drei Monaten). Hört sich erst einmal nicht viel an, aber es heißt, dass die Zahl der Arbeitslosen seit Beginn des Jahres um ca. 25% gefallen ist. Der Aufschwung muss auch endlich am Arbeitsmarkt ankommen, erste Zeichen haben wir jetzt, vermutlich aber eher im Niedriglohnbereich.
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In Korea werden immer mehr deutsche Luxusautos gefahren und vorher auch brav importiert, im Gegensatz zu anderen Laendern, wo der deutsche Export eingebrochen ist. Spricht für zwei Sachen: 1. Es gibt in Korea immer mehr genug reiche Leute, die es sich leisten können 2. Deutsche Autos sind im Luxussegment noch immer sehr beliebt. Aber in Korea wird ja auch schon ein Golf zum Luxusauto. Will meinen auch wieder. Seufz. Blicke jedes Mal wehmütig hin, wenn einer vorbeibraust.
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Und zum Abschluss das Wetter: Brrrrrrrrrrrrrrrrr. Heute Morgen 0 Grad und sibirische Winde. Dabei war doch schon Fruehling :(

10.4.10

Nachrichten und die Tragik

Es ist tatsächlich mehr als unvorstellbar, was da heute nahe Smolensk passiert ist. Und es macht vom Nachrichtenwert so unglaublich viel her, obwohl uns Polen natürlich an sich kein Stück interessiert. Ist so ähnlich wie mit dem Jogginganzug-Mann im Norden; wen interessieren schon die politischen Entwicklungen an sich, aber er lässt sich halt gut zu Nachrichten verwursten. Die Korrespondenten melden sich aus Moskau, London und sonstwo, aber kaum ein Pole kommt selbst zu Wort.
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Politische und militärische Elite Polens sterben auf dem Weg zu Gedenkfeier für Massaker an politischer militärischer Elite Polens im zweiten Weltkrieg, sterben im gleichen Wald wie ihre Vorgänger vor 60 Jahren. Viel Stoff für die Geschichtsbücher und gutes Futter für Schlagzeilen.
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Man stelle sich vor, das gleiche wäre in den USA passiert. Wir hätten ein Jahr lang nichts anderes mehr in den Nachrichten gesehen. Polen wird in zwei Tagen wieder vergessen sein.
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Man stelle sich anstelle dessen einen Vorfall vor, bei dem Kaczynski an einem Herzinfarkt stirbt, der Zentralbankchef wegen Korruption zurücktritt und die beiden Top-Militärs nach einem Machtkampf beide zurücktreten, um der neuen Generation Platz zu machen. Die Lage wäre politisch etwas komplizierter, aber ich bezweifle man würde es so prominent auf allen Sendern sehen. Es gäbe einige Kommentatoren, die sich in der 8. Minute der Tagesschau über die Zufälle wundern, aber nicht diese Prominenz.
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Aber Flugzeugabstürze qualifizieren alleine schon mal so gut. Eine unvorstellbare Katastrophe, an Tragik kaum noch zu übertreffen. Es kommt halt immer auch auf die Verpackung an.
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Mit Politik hat das alles nichts zu tun: Tusk hat die Macht, der Parlamentspräsident hat die Aufgaben Kaczynskis übernommen. Ein Nationalbankchef wird neu ernannt, auch die Führungslosigkeit des Militärs ist in einem EU-Land mit NATO-Mitgliedschaft erst einmal ziemlich egal. Polen ist nicht führungslos. Für solche Fälle hat man doch Verfassungen und Aufgabenteilung.
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Was dieser Unfall eigentlich sagt, ist - und das ist jetzt vielleicht provokativ - wie wenig Bedeutung einzelne Persönlichkeiten haben. Wir möchten glauben, dass eine Führungselite, ein paar wichtige, mächtige Männer das Land lenken. Tun sie aber nicht. Sie sind austauschbar, denn das Wichtige sind ihre Funktionen.
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Aber natürlich muss und soll man um die menschlichen Schicksale trauern, natürlich ist das Ganze ein großer Verlust und eine Katastrophe, eine sehr sehr tragische noch dazu. Nur eben keine politische, das was CNN seit 3 Stunden daraus zu machen versucht. Sie hat politische Implikationen, insbesondere da bald Wahlen anstehen, aber der Staat an sich lässt sich durch einen Flugzeugabsturz nicht umkippen. Dafür braucht es schon eher ein Massaker wie das von Katyn vor 60 Jahren, die wahre Katastrophe Polens.
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P.S: Davon, dass in den Medien wiederholt wird, es sei eine einmalige Sache, dass der Staat so bei einem Unglück getroffen wird, wird es auch nicht richtiger. Ich kenne die Welt nicht so gut, aber allein mein kleiner, enger koreanischer Blick sagt mir, dass es da z.B. den nordkoreanischen Bombenanschlag auf die südkoreanische Regierung in Yangon gab. Und auch danach ging das Leben weiter.
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8.4.10

Die Spatzen auf den Daechern und die Rohrspatzen

Die Spatzen koennen jetzt aufhoeren zu schreien, es ist endlich raus. Was Medienvertretern und ueber mehrere Umwege auch mir laengst gesteckt worden war (wobei man wieder mal sieht wie gut der Kontakt zwischen Nord und Sued eigentlich funktioniert), ist jetzt auch veroeffentlicht worden:
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Der Norden wird die Tourismusprojekte mit dem Sueden endgueltig fuer nichtig erachten, den suedkoreanischen Besitz im Norden enteignen und einen neuen Vertragspartner fuer die Projekte an Land ziehen, der - soweit jedenfalls meine Informationen - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus China kommt.
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So viel dazu. Wenn jetzt die Regierung erklaert, sie sei davon ueberrascht, dann lach ich mich wirklich tot. Wie gesagt, es hatte sich bereits vor einer Woche sogar zu uns herumgesprochen. Wir hatten in der Redaktion sogar die Befuerchtung unsere Sendungen umschreiben zu muessen deshalb, aber netterweise hat der Norden gewartet bis unsere Aufzeichnung heute zuende war.
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Vielleicht wird einigen Beobachtern jetzt auch langsam mal klar, warum die Regierung Lee kein Interesse daran haben kann, dass der Untergang der Cheonan eine nordkoreanische Provokation war. Wer ein Interesse daran haben mag und wahrscheinlich sogar wirklich hat, das sind vereinzelte Abgeordnete der Regierungspartei, ganz bestimmt aber nicht die Regierung, die nach dieser Aktion dann auch noch eine Nicht-Reaktion auf die Ermordung von 50 Seeleuten durch Nordkorea verantworten muesste. Oder eben eine Reaktion und wohin die fuehren wuerde, ist allen klar.
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Bliebe noch das chinesisch-nordkoreanische Gipfeltreffen. Hat es stattgefunden, wird es noch stattfinden, was ist das Ergebnis, was wird das Ergebnis sein? Wollen wir hoffen, dass es eine Rueckkehr des Nordens an den Verhandlungstisch ist - die einzige Moeglichkeit wie man die gezielte Provokation im Tourismusbereich und (sollte es tatsaechlich so herauskommen) die Versenkung des Schiffs in geordneten Kanaelen besprechen kann.
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30.3.10

Probesitzen


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Ohne Worte. Wartet noch 20 Jahre.
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8.3.10

Ironie der Geschichte

Ich mag Geschichte, denn sie schreibt die schönsten Geschichten, die sich niemand so ausdenken könnte.
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Vor genau 100 Jahren kam ein Land im Osten des asiatischen Kontinents auf die Idee, es sei nicht mehr asiatisch, sondern westlich - überlegen also. Also führte es Krieg und machte sich die Völker untertan, die um das Inselreich lagen. Darunter auch ein Land, das seit Jahrhunderten von konfuzianischer Bürokratie beherrscht worden war.
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Die neuen Westler, 1,50m kleine Zwerge in westlichen Uniformen, hatten selbst erst vor wenigen Jahren die hohe Kunst der westlichen Bürokratie von Preußen und Amerikanern gelernt und zwangen sie nun den Kolonialvölkern auf.
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Und heute, 100 Jahre später, da exportiert Korea sein E-Government-Verwaltungssystem für eine horrende Summe an die japanische Regierung, weil die ehemalige High-Tech-Macht nicht mehr in der Lage ist, das selbst vernünftig zu produzieren. Auch ganz ohne nationalistische Töne muss man da schon einmal sehr breit grinsen. Das Spiel mit Aufstieg und Untergang, mit Trends und dem Verschlafen derselben, es ist eine der faszinierendensten Facetten der Sozialwissenschaften.
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Oder wie Heidi Klum bei "Project Runway" immer so schön sagt: One day you're in and the next day you're out. Und mit diesen philosophischen Worten verabschiede ich mich dann mal wieder in den Unterricht.
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3.3.10

Katze aus Sack, Jan ins Parlament

So, jetzt wo es auch in den Medien breitgetreten wird, kann ich die Katze ja aus dem Sack lassen. Die ist schon fast da drin verfault.
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Die konservative Mehrheitspartei im Parlament - wahlweise auch in Koreanistenkreisen die "diktatorischen Faschistenclique" genannt - hat heute offiziell ihr "Hannara Global Intern"-Programm angekündigt, wonach ausländische Politikstudenten in Korea bei Hannara-Abgeordneten bezahlte Praktika absolvieren dürfen.
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Die Aufgabenbereiche sind Recherche und Propaganda, so wie es sich gehört. Es geht natürlich um eine Imageverbesserung der Hannara. Aber mediokre Sachen zu vermarkten, das mache ich ja seit mehreren Jahren in verschiedenen Positionen, weshalb mir das nicht allzu schwer fallen sollte.
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Bei welchem Abgeordneten, bzw. welcher Abgeordneten (grins grins hust hust) ich unterkomme ist noch nicht ganz raus, aber wer weiß........^^.
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Jetzt hör ich schon die Kommentare a la "er lässt die Maske fallen", "nun kommts raus", "ich wusste ja immer, dass er ein Faschist ist". Was soll man dazu sagen.
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Es stimmt schon, dass man das etwas erklären muss. Dass ich die Hannara auch nicht schlimmer als andere Parteien finde, dürfte klar sein. Dass ein Praktikum nicht gleich die Zustimmung zu einer Partei begründet, ebenso. Ich kenne Leute, die SPD-Mitglied geworden sind, weil sie im SPD-Abgeordnetenbüro arbeiten wollten, aber weiterhin stramm CDU gewählt haben. Das Schöne ist, bei mir stellen sich solche Fragen gar nicht erst. Es geht schlicht und einfach darum Einblicke in den politischen Prozess zu bekommen, die mir (und 99,99% der Koreaner) nicht gewährt werden. Wenn es das gleiche Programm bei einem mir nahestenden Abgeordneten der Minjudang gäbe, würde ich es wahrscheinlich ebenso machen. Nur meine grundsätzliche Ablehnung gegen die von manchen so hochgelobte Minnodang dürfte ein Ausschlusskriterium sein, weshalb ich dort nicht einmal einen Einblick gewinnen möchte.
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Wie auch immer, einer meiner Professoren drückt das immer so schön aus: Wir suchen hier nach dem weniger Falschen, was nicht heißt, dass das dann richtiger ist. 우리가 여기서 알아내고 싶은 것은 '덜 틀린 것'들 입니다. 그런데 그렇다고 해서 '더 맞는 것'을 찾는다고 할 순 없습니다.
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Ich rede jetzt seit vielen vielen Jahren über koreanische Politik. Am Anfang leidenschaftlich schwaermerisch, inzwischen recht desillusioniert von der realen Politik, aber fasziniert von der theoretischen Tiefe der koreanischen Politikwissenschaft. Aber all diese Bücher, all diese schlauen Professoren können mir trotzdem nicht sagen, wie der Politikbetrieb in Korea wirklich funktioniert, wie der Alltag in der Nationalversammlung ist.
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All diese schlauen Leute, die ueber die Hannara herziehen, all diese schlauen Leute, die koennen es auch nicht sagen. Und selbst wenn sie mir es erzaehlen koennten, es waere nicht das Gleiche wie wenn ich es selbst erlebe.
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Ich habe vor einigen Monaten mit einer Mitstudentin genau darüber gesprochen. Sie ist genau meiner Auffassung, dass man aktive Politik und Politikwissenschaft eigentlich getrennt halten sollte, gerade im Studium, aber auch sie hat selbst einige Monate in der Nationalversammlung mitgearbeitet und war fasziniert, wie wenig von der vielen Arbeit, den vielen kleinen Prozessen, von den hart arbeitenden Politikern in den Ausschüssen überhaupt ankommt. Selbst wenn jede Woche eine große Schlägerei ist, dann findet an 6 Tagen immer noch konstruktive Zusammenarbeit in verschiedenen Ausschüssen statt. Mit hunderten Gesetzen, die ohne jeglichen Streit verabschiedet werden, mit tausenden Mitarbeitern im Hintergrund, die solide wissenschaftliche Arbeit leisten. So etwas schlicht als "disfunktional" zu beschreiben, heisst auch diese vielen Mitarbeiter mitzubeleidigen.
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Ich war von den Erzählungen dieser Studentin sehr fasziniert und seitdem hatte ich den Wunsch mir das einmal selbst anzuschauen. Ein paar Telefonate und Bemühungen weiter und jetzt ist die Chance da. Nun bin ich gespannt, wie das alles genau wird.
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Wie gesagt, ich sehe das nicht als Loyalitätsbekenntnis zur Hannara, aber ich sehe die Hannara eben auch nicht als der autoritäre bis faschistische Elitenzirkel, den da so manche schlaue Leute in ihr sehen. Da ich die Parteiarbeit aus Deutschland bis in die obersten Ebenen kenne, ist es schlicht mein komparativistisches Interesse nun auch die koreanische Seite kennenzulernen. Bin gespannt wie ein Flitzebogen. Meine Boxhandschuhe werde ich aber zuhause lassen.
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6.1.10

Studie

Hallo liebe Leser,

die Befragung für meine Studie war ja etwas kompliziert, musste aber aus verschiedenen Gründen schnell online gestellt werden (Fristen gibts nicht nur beim Bezahlen von Rechnungen, sondern auch beim Erhalten von Noten).
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Netterweise haben sich immerhin knapp 20 Leute bereits mit dem Google-Dokument rumgeplagt. Da bekomme ich heute einen Tipp, dass diese teuren Umfragetools Mist sind und das sogar bei Google eingebaut ist. Hat nicht ganz perfekt geklappt, aber das Resultat ist jetzt unter:

http://spreadsheets.google.com/viewform?formkey=dF9MMnZ4Mm5ST2Z2MjhudVluaVVZZEE6MA

einzusehen.

Bitte rege teilnehmen, jetzt wo es so einfach ist! Vielen Dank!

23.11.09

Traditionelle Proteste

Ich glaub, was mich am meisten aufregt in Korea sind diese ritualisierten Proteste. Heute sollte der erste Tag des neuen KBS-Präsidenten werden. Er ist ein Kampagnen-Mitarbeiter aus Lee MBs Wahlkampagne und war schon einmal KBS-Chef.
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Aber wenn das irgendwas zu sagen hätte, dann wär es ja kein Ritual: Es kommt gar nicht auf den Präsidenten an. Weder auf den Staatspräsidenten noch auf den KBS-Präsidenten. Wie die Produzenten hier gelangweilt erzählen, passiert das bei jedem Präsidenten. Ob links oder rechts. Den Gewerkschaften kann man es halt nie Recht machen. Wobei dieses Jahr die Proteste wohl die kleinsten seit der Regierung Kim Young-sam gewesen sein sollen.
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Aber genauso stur lässt es der Kandidat auch immer auf eine Konfrontation an der Haupttür ankommen, um nicht als Drückeberger zu gelten, wenn er den Nebeneingang benutzt. Gleichzeitig ist er nicht so mutig, allein durchzugehen - würde er von den Gewerkschaftlern verletzt, würden sie jegliche Legitimation verlieren und unverzüglich festgenommen werden. Würde der Präsident also allein ins Gebäude gehen, wäre die Situation einfach zu beheben, da auch die Gewerkschaften eine solche Konfrontation wahrscheinlich scheuen würden.
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Und um dieses vermeintliche Gleichgewicht der Kräfte zu wahren, kommt es also alle 3 Jahre zur gleichen Aufstellung: In der Mitte der Kandidat mit den Bodyguards, drumherum die KBS-Sicherheitskräfte, da drumherum die Gewerkschafter, da drumherum die Medien und da drumherum dann die Schaulustigen.
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Der Präsident versucht es drei bis fünf Mal reinzukommen (ist bisschen wie beim Oktoberfest, wo es ja auch auf die Anzahl der Versuche beim Anzapfen ankommt), wird abgewiesen und wird schließlich doch irgendwie reinkommen.
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Ein Kommentator von der Gewerkschaft heizt die Leute ein, die die Polizei zurückdrängen, die Polizei kommt von vornherein nur in kleiner Mannschaftsstärke (sonst würde man ja gewinnen...). Es kommt zu keinen Festnahmen oder Konsequenzen, obwohl die Gewerkschafter sich illegalerweise vom Arbeitsplatz entfernt haben.
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Im Hintergrund sind so illustre Gruppen wie die "Vereinigte Volksunion für ein Vereintes Vaterland / Abteilung Süd" (ich denk mir das nicht aus: 조국통일범국민연합 / 남측본부) und verteilt Luxus-Kekse an die Gewerkschafter. Die Gewerkschaftsführer, die neben dem Kommentator stehen, trinken Starbucks-Kaffee und haben Heizstrahler, damit es nicht so kalt wird auf Dauer.
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Es kotzt mich einfach nur an, dass eine Gesellschaft ritualisierten Schwanzvergleich so zelebriert, auch wenn natürlich die Mehrheit der Menschen es einfach ignoriert und lächerlich findet.
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Update: Jetzt ist er doch drin. Die Gewerkschaft war grad Mittagessen. LOL. So ein Haufen von Deppen. Die gesamte Führungsetage von KBS, viele hochrangigen Produzenten haben sich an der Treppe postiert und eine Gasse gebildet, um ihn reinzulassen. Das nenne ich mal eine Machtdemonstration. Sowas hat es wohl noch nicht gegeben. Als die Gewerkschaftler dann anfingen auch auf den Vorstand loszugehen, brachte die Polizei den neuen Präsidenten geschickt rechts vorbei (keine ideologische Anspielung..lol) ins Gebäude. Wohl doch nicht ganz so ritualisiert wie wir angenommen haben.
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Aber die Gewerkschaftsführer waren auch viel zu beschäftigt in der Mittagspause bei Il Mare rumzuscherzen. Mit vollem Bauch revolutioniert es sich halt nicht so gut. Haette eh nicht mehr lange angehalten der Protest, man ist schliesslich im Basiscamp schon von Starbucks auf Ediya Coffee umgestiegen.