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6.7.11

Horizonte

Egal wie die Vergabe der Olympischen Winterspiele auch ausgehen mag, ich fand es interessant die Präsentation zu sehen. Wer sich an die Kampagnen der letzten Bewerbungen erinnert, wir den Unterschied gemerkt haben. Allein schon angefangen beim Slogan "Yes Pyeongchang" bei der ersten Bewerbung. So ein aussageloser Konglish-Slogan, wie er selbst vielen Stadtteilen und Kreisen in Korea inzwischen zu peinlich wäre.
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New Horizons gefällt mir persönlich, das Konzept wurde konsequent durchgezogen - schwarze Kinder, arme Filipinos als Hoffung und Zukunft. Was vielleicht in Europa als selbstverständlich gilt, ist für Korea doch etwas Neues: Nicht Korea selbst stand im Vordergrund des Konzeptes, sondern eben die neuen Horizonte - universelle Themen für die ganze Welt. Früher hätte man endlose Schleifen von koreanischen Erfolgen und den Präsidenten in ständiger Großaufnahme gezeigt. Und wenn ich früher sage, dann meine ich "noch vor einigen Jahren".
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Sehr besonders war auch, dass man ENDLICH damit aufgehört hat das Thema Frieden und Nordkorea in den Mittelpunkt zu stellen. Selbst wenn es sich nett anhört; gebracht hat es nie was, weder stimmenmäßig noch in der Realität. Dies mal wäre es nur noch lächerlich gewesen. Allerdings sehr stark die Verbindung der neuen Horizonte, die Wandel auslösen und dann nur einen kurzen Nebensatz "auch ideologisch". Das war eindrucksvoller als jedes nationalistisch-romantisierende Wiedervereinigungs-Fähnchengeschwenke.
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Zum Anfang für meinen Geschmack allerdings von der Präsentation etwas langatmig die personenlastige Moderation und altbacken in der Aufmachung. Erst zum Schluss mit etwas dynamischeren Bildern und der Verbindung von Pyeongchang und Seoul, die hoffentlich die noch immer tiefsitzende Angst nahm, dass die IOC-Mitglieder in der koreanischen Wallachei nichts zum Fressen und Vö...lalala bekommen, wurde es dann wirklich überzeugend und das Abschlussvideo mit besagten kleinen Kindern aus allen Ländern war natürlich von der Art nichts spektakulär Neues, aber stimmungsvoll und in stimmig.
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Mal schauen, ob es was genutzt hat. München war jedenfalls auch nicht schlecht. Die sogenannten Experten flüstern was von 46-52 Stimmen für Pyeongchang im ersten Wahlgang, wobei sich die genaue Zahl als insgesamt entscheidend wichtig herausstellen kann: Wahrscheinlich wird man 49 für einen Sieg im ersten Wahlgang benötigen, schafft man also nicht gleich den Paukenschlag geht es wieder in den zweiten Wahlgang und da ist Korea strategisch benachteiligt. Schafft es München in den zweiten Wahlgang, dürfte die Witt zuletzt lachen - am schönsten tut das aber grundsätzlich Kim Yuna, damit das mal klar ist!
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Wie sagt der Koreaner: Duggeong yeorobwaya alji - Erst wenn die Deckel der Wahlurnen auf sind, weiß man es.
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6.8.10

Mother

Kanns sein, dass Mother jetzt endlich nach anderthalb Jahren auch in den deutschen Kinos ist oder zumindest auf DVD draussen?
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Aspekte hat diese Woche einen laengeren Beitrag zum Film im Programm. Ich habe eine neue alternative Aussprache fuer "Joon" gelernt, die ich in 10 Jahren Koreanisch noch nie vorgesetzt bekommen habe, allein dafuer hat sich der Beitrag gelohnt. Aber im Ernst: Ganz gut erzaehlt und behutsam an die 'wahre Geschichte' des Films herangefuehrt, die dann ja jeder selbst rausfinden muss.
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Hier klicken
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Film ist absolut sehenswert. Den aehnlich gearteten Si (bzw. Poetry), den ich hier so gelobt hatte und der ja bekanntlich ebenfalls hoch dekoriert wurde in Cannes fand ich eher enttaeuschend, jetzt wo ich ihn mir endlich mal angeschaut habe.
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Update: Und ein sehr gutes Interview im Spiegel mit dem Regisseur.

1.8.10

Slow Sunday?

Da sag einer mal am Wochenende gäbe es keine Nachrichten.
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Die koreanischen U20-Damen haben den ersten 3. Platz für Korea bei einem FIFA-Turnier überhaupt geschafft. Die Männer waren sowohl bei den Junioren und bei den Männern "nur" jeweils einmal Vierter. Das einzige Tor des Abends war sehr sehenswert, fast genauso herausgespielt wie das Tor von Park Ji-sung gegen Griechenland: Ji So-yeons 1:0
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Jetzt heisst es Daumen drücken für die Deutschen, die im Anschluss das Finale bestreiten. Aber wer Deutschland bisher gesehen hat, weiß, dass Deutschland Weltmeister wird. Die spielen wie Männer.
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Gerade hab ich noch 30 Minen gemeldet, da wurden schon wieder 5 weitere angespült. Inzwischen wurden die betreffenden Gebiete weitläufig für Zivilisten gesperrt. Der Norden hat sich noch nicht dazu geäußert.
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Korea hat 2 neue Weltkulturerbestätten, zusammen registriert als eine: Die historischen Dörfer Haehoe bei Andong und Yangdong bei Gyeongju. Damit habe ich schon wieder ein UNESCO-Welterbe mehr, das ich nicht besucht habe, denn in Yangdong war ich ebenso wenig wie bei den Dolmen oder den Königsgräbern der Joseon-Dynastie.
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4.7.10

Neu-Schlandianer

Unglaublich. Diese Nationalmannschaft macht mich richtig zum Patrioten. Ich, der immer ein recht zwiespaeltiges Verhaeltnis zu Deutschland hatte, schrie gestern im Platoon hemmungslos mit.
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Keine Frage, die argentinischen Einzelspieler sind im Angriff technisch besser und raffinierter, aber darauf kommt es nicht an. Es zaehlt genau genommen einfach mal gar nichts. Denn die Deutschen hauen die Dinger rein. Eins nach dem anderen. 8 zu 1 Tore aus zwei Spielen. Unglaublich.
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Und die Argentinier. Tja, es hat sich bewahrheitet, was ich immer gewusst habe: Maradona ist kein guter Trainer, er ist eine Art Maskottchen. Man schaue sich einfahc mal seinen Gesichtsausdruck nach dem 0:2 an. Ein vernuenftiger Trainer wuerde jetzt anfangen die Taktik zu aendern, Spieler auszuwechseln oder zumindest Anweisungen zu geben. Maradona stand die letzten 30 Minuten einfach nur konsterniert am Rand und machte exakt nichts. Ganz schwach. Und ueberhaupt haette es keinen besseren Gegner geben koennen, zum vom Ross holen als diese schmierigen Gauchos.
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Niederlande und Spanien sind andere Gegner. Die spielen ruhig, bedacht. Nicht begeisternd, aber organisiert. Das wird ein ganz anderes Spiel als gegen Argentinien und England. Aber gewinnen tun sie trotzdem. Punkt.
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Was habe ich jahrelang an den Deutschen gelitten. Langweiliges Sicherheitsspiel, langsam und langweilig. Da ich nie der grosse Deutschland-Patriot war, fiel das auch als Grund zum Anfeuern aus. Aber jetzt spielt Deutschland ja gut. Sogar so gut, dass ich die sturzbesoffenen Assi-Prolos, die teils das Platoon bevoelkerten vergass und einfach mitfieberte. Gut, ich habe auf meiner VIP-Bank neben dem Botschafter auch nicht viel mitbekommen von denen. Platoon ist uebrigens richtig cool zum Fussballgucken, weil die so eine Art Stadion haben und es im Raum einfach noch viel mehr hallt. Schade, dass ich es erst nach 3 Wochen WM das erste Mal nach Nonhyeon geschafft habe, haette schon viel frueher da gucken sollen.
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Um meinen Freunden mal das Ausmass meiner Begeisterung klarzumachen: Ich habe jetzt eine kleine Deutschlandflagge in meiner neuen Wohnung zu haengen. Voll uebel.
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26.6.10

Stolz und Vorurteil

Korea ist raus. Die schoenen Feste im ganzen Land jetzt vorbei. Der Schmerz darueber sitzt tief, die Enttaeuschung ueber die Mannschaft ist allerdings gering. Der Dank fuer 4 spannende Abende/Naechte mit hunderttausenden anderen ueberwiegt.
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Korea hat phasenweise ein brillantes Spiel gezeigt, wunderbare Kombinationen, gut Druck aufgebaut. Man darf ja nicht vergessen, dass hier der Weltranglistenachtundvierzigste spielte, dem niemand den Achtelfinaleinzug zugetraut hat. Was Park Ji-sung auf der linken Seite geleistet hat, war einfach nur grandios.
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Zwischenzeitlich hatte Korea 76 zu 24 Ballbesitz und hatte das Spiel im Griff, dann der bloede erneute Rueckstand, bei dem weder Abwehr noch Torwart wirklich Schuld hatten, der Schuss war einfach ein Traum, der fuer Korea ziemlich aus dem Nichts kam und zum Alptraum wurde.
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Natuerlich, Koreas Schwaechen waren auch in diesem Spiel wieder offensichtlich. Die Verteidigung blieb das Problem, der Abschluss ebenso, gerade in den ersten zwanzig Minuten. Was haette Korea bei diesem Turnier reissen koennen ohne die 4 Gegentore in 4 Spielen, die in den ersten 20 Minuten gefallen sind. Unnoetig, denn dass man kompakt stehen kann, das Spiel in die Hand nehmen kann, die Mannschaftsteile verbinden kann, das zeigte man ja in jedem Spiel. Gegen Griechenland 70 Minuten lang, gegen Argentinien 30 Minuten lang, gegen Nigeria 50 Minuten lang und gegen Uruguay 50 Minuten. Das sind die Minuten, die Spass gemacht haben, die gezeigt haben, wie weit der koreanische Fussball inzwischen ist. Der Rest wiederum zeigte, wie weit man noch von der wirklichen Weltspitze entfernt ist.
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Es war zwar nicht in letzter Konsequenz erfolgreich, aber die Mannschaft hat stark gespielt mit offenem Visier und bedingungslos nach vorne. Das ist der Grund, warum es so gut wie keine Kritik an ihr gibt. Man hat auch bei grossen Gegnern immer wieder versucht herauszukommen. Das fuehrte dann zu 8 Gegentoren und 6 geschossenen - aber zumindest war es nie langweilig, nie gab es in den Korea-Spielen Phasen, wo man sich belauert haette.
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Das Traurigste ist wie gesagt, dass Korea mit etwas mehr Konzentration und dies mal eben auch wieder Glueck locker haette weiterkommen koennen. Pfostenschuss, nicht gegebener Elfmeter (danke an den deutschen Schiri - Naver-Suchbegriff Nummer 1!), weiteres nicht gesehenes Foul am Strafraum usw. Mal hat man kein Glueck und dann kommt noch Pech dazu, alte Fussballer-Weisheit.
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Waere Korea gegen Uruguay die ganze Zeit in den eigenen Strafraum gedrueckt worden und dann 1:2 ausgeschieden, haette man gesagt "naja, war nichts zu machen", aber so ist es natuerlich bitter.
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Wie auch immer, jetzt kommt ein Klassiker nach dem anderen: Deutschland gegen England. Wenn sie da gewinnen, kommt aller Voraussicht nach Argentinien. Wenn Sie da gewinnen aller Voraussicht nach Brasilien. Oder Spanien. So viel zu Teams ohne Glueck.
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Update: Grins....beste Aufmunterung heute morgen von Marmot:
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18.6.10

Schicksal 3:30 Uhr

Irgendwie habe ich mit meinen Teams gerade nicht so das Glück. Das Problem ist, während ich die koreanische Niederlage gegen Argentinien schon fest eingerechnet hatte, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass Deutschland gegen die Serben verliert. Dass es knapp wird vielleicht, ja, aber verlieren?
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Ich bin kein Deutschland-Fan in dem Sinne. Ich habe geradezu Abneigungen gegen einige Spieler, kann mich aber durchaus begeistern, wenn sie guten Fußball spielen. So wie gegen Australien. Meine Hoffnungen für diese WM waren wahrscheinlich höher als die der meisten Fußball-Fans. Ich habe mir wirklich gewünscht, dass das frische, junge Team einfach drauf los spielt. Ich hoffe es immer noch, die Niederlage gegen Serbien fand ich aber gerecht und angebracht. So weit geht mein Patriotismus dann doch nicht, dass ich das schönrede.
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Dafür gibt es ja auch genug andere und kommen gleich die Apologeten, insbesondere aus dem Team selbst: die Karten waren unverdient, der Platzverweis war Schuld. Nein. Schuld war das aggressive Spiel der Deutschen. Von den 5 (?) gelben waren mindestens 4 gerechtfertigt, auch bei Klose kam die Rote nicht aus heiterem Himmel, sondern nach dem vierten rüden Einstieg. Und auch der Rest des Teams ist nicht erst nach dem Platzverweis so reingegangen. Sicher, eins zwei Fehlentscheidungen gab es, aber das als Ausrede zu nehmen, ist echt billig. Undiano ist bekannt als hart durchgreifender Schiedsrichter und die FIFA hat angesichts der recht rüden Attacken in der Vorrunde alle Schiedsrichter angewiesen auch kleinere Attacken früher zu bestraften. Punkt. Die Serben haben ja auch ihre Karten abbekommen.
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Auch das Argument Unterzahl gilt nicht, denn auch die neu reingebrachten Leute in der zweiten Hälfte haben in den 1:1 Situationen die Serben oft schlecht ausgesehen.
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Auch mangelndes Glück gilt nicht. Der Elfmeter war ein Geschenk, Podolski hat es drittligamäßig vergeben. Pfosten und Latte hat Deutschland zwar getroffen, die Serben aber auch mindestens zweimal.
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Schweinsteiger hat es auf den Punkt gebracht: "Das Spiel dürfen wir nicht verlieren, auch nicht mit zehn Mann."
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Aber alles vorbei. Ergebnisse sind Schall und Rauch. Gerade noch 4:0 gewonnen und zum Weltmeisterfavoriten erkoren, jetzt schon wieder im Tal der Tränen. Das ist vielleicht auch ganz gut, dass diesen jungen Spielern nicht zu viel Bürde aufgelastet wird. Man ist wieder auf dem Boden der Tatsachen, da wo man hingehört. Und dann wird Ghana weggehauen.
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Für mich und meine Freunde wird jetzt "3:30 Uhr" zur Schicksalsfrage und die koreanische und deutsche Niederlage regen uns eigentlich genau deshalb auf. Mittwoch und Donnerstag beide Nächte um die Ohren hauen mit Fußball, obwohl wir fast alle voll arbeiten. Grummel. Aber was macht man nicht alles für König Fußball. Und noch eines haben Deutschland und Korea gemeinsam: Wir müssen beide nach Südafrika die nächsten afrikanischen Mannschaften aus dem Turnier kegeln. Das ist vielleicht nicht politisch korrekt, weil es doch "deren" WM ist, aber auf sowas kann man jetzt wirklich keine Rücksicht nehmen.
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Also, jetzt heißt es die nächsten Tage durchstehen. Das Kandidatenfeld für die WM hat sich ja schon merklich gelichtet: Spanien naja, Frankreich pfui, England oh my goodness.
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13.6.10

WM-Trends?

Was gibt es bisher für Trends bei der WM? Vor allem schlechte Torhüter, wie es ausschaut.
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Korea ist auch nach inzwischen 7 Spielen der WM noch das Team mit dem höchsten Sieg (2:0), was dafür spricht, wie wenig Tore erzielt werden. Übrigens kommen rechnerisch 86% der Mannschaften, die beim ersten Spiel gewonnen haben, auch weiter. Darauf kann sich Korea aber nicht verlassen, denn auch 2006 hatte man das erste Spiel noch gewonnen und wurde dann ein Teil der traurigen 14%.
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Insgesamt sieht es zudem nicht so gut aus für Europa: Frankreich nur Unentschieden gegen Uruguay, England nur Unentschieden gegen die USA, Griechenland gegen Korea verloren, Serbien gegen Ghana. Alle vier Mannschaften waren als leichte bis klare Favoriten in die Matches gegangen.
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Der einzige europäische Sieg bisher: Slowenien gegen Algerien.
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Mal schauen, was die Deutschen nachher anstellen. Ich bin wach und überbrücke die Zeit - wie sollte es anders sein - mit Platon und Aristoteles. Noch 4 Tage, dann bin ich frei. Zweieinhalb Monate Ferien. So gut.
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P.S.: Ja, auch mir gehen die Vuvuzelas verdammt auf die Nerven. Kulturelle Toleranz hat irgendwo auch seine Grenzen.
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Update: Tja, so gehts! Deutschland hatte 2 Torchancen weniger als Korea und hat daraus 2 Tore mehr gemacht. Es muss irgendwie an der blauen Trikotfarbe liegen, dass die gegnerischen Spieler so desorientiert auf dem Platz herumstehen. Australien war gefährlich wie ein Seniorenheim auf Betriebsausflug. Die einfache Lehre aus dem Spiel: Junge Spielfrische mit taktischer Kontrolle setzt sich durch. War sehr sehr gut, was das Team gezeigt hat. Aber wie ich auch schon beim Korea-Sieg gesagt habe: Überbewerten sollte man das Ganze nicht. Guter Start auf jeden Fall und der Sturm klappt super, aber ein echter Test der Spielstärke, den gibt es erst gegen richtige Gegner (für Deutschland dann im Achtelfinale). Zumal Deutschland die zweite Hälfte ja in Überzahl spielte. Trotzdem alles in allem die überzeugendste Leistung einer bisher doch eher schwachen WM insgesamt, wie ich finde.
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Lustig war auch der koreanische Kommentar. Koreaner mögen Deutschland ja sowieso. Und wenn man dann noch gegen das Team von Tim Verbeek spielt. Zur Erinnerung, Tim Verbeek hat Korea zu der Zeit gecoacht als das Team in der tiefsten Krise seit der WM 2002 steckte, direkt nach der WM 2006. Die Frage ist natürlich, ob er da wirklich dran Schuld ist, Fakt ist aber, dass er die Krise nicht entschärft hat, sondern mit rücksichtslosen Kommentaren und Alleingängen verschärft hat. Dementsprechend heute die Kommentatoren teils doch sehr derbe ausgeteilt und die Deutschen geradezu angefeuert noch einen reinzuhauen. "Völlige Pleite, taktisches Disaster, das Verbeek zu verantworten hat", waren da noch freundlicher Ausdruck für wahrscheinlich sehr unfreundliche Gedanken.
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4.6.10

Der Anden-BP

Bald sind BP-Wahlen. Wie sich das für ein Land gehört, das auf dem Freedom House Index eine "10 von 10" bei Transparenz von Wahlen zu wichtigen Positionen im Staat erhält, durfte das Volk nach einigen aufeinanderfolgenden Kungelrunden der Spitzenpolitiker dann auch irgendwann erfahren, wen es dann schließlich sowieso nicht wählen darf.
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Apropos gewählt: Ich habe diese Regierung gewählt und gebe es zu. Ich bin für Gauck und gebe es zu. Chapeau an die SPD - das ist wahrscheinlich der klügste Schachzug, den diese Partei in den letzten 8 Jahren vollbracht hat. Es ist ein durchschaubares Spiel, aber das ändert nichts daran. Mehr muss ich nicht mehr sagen.
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31.5.10

K...k....koehler?

Wie krass. Einfach nur krass. Was fuer eine Konsequenz. Das geht in die Geschichte ein. Uebel. Naechstes Problem fuer Frau Merkel. Viel Spass dabei. Aua aua aua.
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Update: .......ich krieg die Krise. Ich will was ueber Koehlers Ruecktritt rausfinden und auf Inforadio ist das erste, was ich hoere: "...gratulierte der russische Botschafter Lena zu ihrem Sieg." Gehts noch???
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Update 2: Ok, jetzt einmal etwas geordneter. Koehlers Ruecktritt ist konsequent und muss respektiert werden. Sicherlich alles vielleicht etwas sehr extrem, denn so stark habe ich die Kritik an Koehler nicht wahrgenommen - bitte klaert mich auf, falls das in den Offline-Medien doch staerker war. Auch stellt sich natuerlich die Frage, ob in einem demokratischen Staat ein Staatsoberhaupt nicht vielleicht sogar kritisiert werden duerfen muss. Wie gesagt, solange die Form eingehalten wird und man ueber der Guertellinie bleibt. Also vielleicht doch vorgeschoben? Amtsmuedigkeit? Duennhaeutigkeit? So ganz schlau werde ich noch immer nicht draus.
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Und wer wird Nachfolger? Wenn wir jetzt etwas zynisch werden, wuerde ich den Namen "Roland Koch" vorschlagen, der ist ja gerade freigeworden. Grins. Mal im ernst - sagt mal ein paar Namen. Bundesversammlung hat noch ne schwarz-gelbe Mehrheit, also muss er aus dem Lager kommen. Biedenkopf? Schaeuble? Ich waer ja fuer Genscher.
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Und bevor der Vorschlag kommt: Lena ist noch nicht 40 und damit nicht waehlbar.
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Update 3: Ok, Trittin hat wohl vor einigen Tagen gesagt, dass Koehler nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehe und "Kanonenbootpolitik" betreibe. Autsch. Aber trotzdem...solche Flitzpiepen ignoriert man einfach, da laeuft man nicht davon.
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6.5.10

Rauchender Colt

Die Untersuchungskommission hat chemische Spuren und Aluminium-Teile gefunden. Alle Experten sind sich nun einig, dass die Cheonan durch einen Torpedo versenkt wurde. Aber was fuer einer?
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Ich hoere gerade Geruechte, dass neben einem Torpedo aus chinesischer Herstellung auch einer aus DEUTSCHER nicht ausgeschlossen werden kann. Natuerlich hat nicht die Bundesmarine die Cheonan versenkt, aber es wirft doch ein interessantes Licht auf deutsche Export-Praktiken. Sollte es sich bestaetigen. Sollte.

26.4.10

Korea kauft das Sony-Center

Das Berliner Sony-Center ist koreanisch. Jedenfalls ab Mai. Sony hatte es fuer 730 Millionen gebaut, Morgan Stanley es fuer 585 Millionen Euro abgekauft und nun kauft der Staatliche Koreanische Rentenfonds das Ding wiederum fuer etwa 570 Millionen Euro (Zahlen: Chosun Ilbo), ein echtes Schnaeppchen also. Hat natuerlich doppelte Bedeutung: Zum einen haut man Sony endgueltig raus, die Europazentrale ist ja bereits weg. Zum anderen setzt man sich mitten ins Zentrum Berlins. Man spekuliert zwar auf eine Erholung am Berliner Immobilienmarkt, aber mir kann keiner erzaehlen, es haette dabei nicht auch symbolische Beweggruende gegeben. Jedenfalls viel Spass und viel Erfolg dabei. Zum Ende des Jahres zieht erst einmal die Deutsche Bahn als Hauptmieter aus, vielleicht verlegt ja Samsung seinen Europasitz aus Frankfurt nach Berlin, wenn der NPF das Ding nicht voll kriegt?
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Mich wuerde es zudem nicht wundern, wenn man den Namen des Centers aendert. Arirang-Center? Helmuth Jahn hat das Zeltdach ja in Form des Fuji-Bergs konzipiert = als Remineszenz an den japanischen Bauherrn - viel umbauen muss man dabei jetzt nicht, ist eben der Baekdu, Form ist ja fast die gleiche. Aber bei der Panik vor japanesken Anwandlungen im Stadtbild, die es hier in Seoul gibt (man schaue sich nur mal diese ganze "Chinesische Schriftzeichen im Stadtplan-Architektur-Debatte" an), kann es auch noch passieren, dass die jetzt dem ganzen einfach nen Gat aufsetzen.

20.4.10

Kommt Zeit, braucht man Rat

Beim folgenden Artikel über Herrn Prof. Kneider in der Zeit sind dem Autor wohl die Pferde durchgegangen oder Prof. Kneider konnte dem Journalisten nicht klarmachen, was die Position wirklich ist, die er bekleidet. Das Problem mit den Ortsbezeichnungen ist übrigens eines der nervigsten bei der Übersetzung aus dem Koreanischen.
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Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Der Bezirk ist der -gu. Dem Artikel zufolge aber wäre Herr Prof. Kneider Verwaltungschef über 1,3 Millionen Menschen. Was in zweierlei Hinsicht falsch ist. In Seongbuk-gu wohnen nicht einmal 500.000 Menschen (was gerade das Tolle an diesem meinem Lieblingsbezirk von Seoul ist) und zweitens müsste man, um Bezirksbürgermeister zu werden, sich in Wahlen stellen und hierfür müsste man koreanischer Staatsbürger sein. Wäre Herr Prof. Kneider in sein Amt gewählt worden, wäre dies tatsächlich eine bedeutendere Nachricht als z.B. die Ernennung Lee Chams zum KTO-Chef.
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Prof. Kneider ist, auch wenn er das laut Artikel nicht passend findet, meinen Informationen nach eben doch eher sowas wie ein Integrationsbeauftragter. In der deutschen Community wird er jedenfalls scherzhaft aber durchaus liebevoll als "Ausländerhäupftling" bezeichnet. Die im Artikel genannte Bezeichnung Dongjang ist durchaus schwer zu übersetzen, "Orts(teil)vorsteher" wäre die treffendste Übersetzung. Konkret kümmert er sich um die Belange der ausländischen Mitbürger vor Ort; er steht zudem meines Wissens keinem konkreten "dong" vor, sondern befindet sich im Range eines Ortsvorstehers. Das ist übrigens auch viel sinnvoller und nötiger als, dass ein Ausländer die Koreaner verwaltet. Die Stadt Seoul tut mit ihren Global Centern etc. eine ganze Menge, um Ausländern das Leben hier zu erleichtern - und bindet mehr und mehr auch ausländisches Fachwissen ein, um besser auf die Bedürfnisse der ausländischen Community einzugehen. Mit Herrn Kneider haben sie da den passenden Mann gefunden.
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Ansonsten ist der Artikel ganz lesenswert, wenn auch recht kurz.
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P.S.: Dieser Eintrag soll die Verdienste von Prof. Kneider in keiner Weise kleinreden. Fachlich und sachlich ist er einer der beeindruckendsten Koreanisten, die ich kenne. Wir von der KTO haben ihm auf unsere eigene Art und Weise ein kleines Denkmal gesetzt.
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Artikel über Prof. Kneider 1
Artikel über Prof. Kneider 2

Bürokratie

Zweihundertfünfundfünzig Euro möchte der deutsche Staat von Menschen, die zusätzlich zu einer neu erworbenen zweiten Staatsbürgerschaft auch noch die deutsche behalten möchten. Soviel kostet eine sogenannte "Beibehaltungsgenehmigung nach §25 II StAG", die es einem erlaubt nach Darlegung der Gründe für eine doppelte Staatsbürgerschaft, auch eine zusätzliche zur deutschen anzunehmen. Hierbei wird das "Interesse" des deutschen Staats gegen die Vorteile des Bürgers abgewogen. Ah ja. Glaubhaft gemacht werden müssen unter anderem die Beziehungen nach Deutschland, inklusive Kontakte. Das heißt das Amt fragt dann bei meiner Mami nach, wie oft ich sie besuche.
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Nur Einhundertneunzig Euro werden übrigens fällig, wenn der deutsche Staat seinem Bürger bescheidet, dass es gar nicht gern gesehen wird, dass er eine zweite Staatsbürgerschaft annimmt, die Interessen der Bundesrepublik also verletzt werden, wenn man zusätzlich noch bei Wahlen in Burkina Faso antritt.
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Nein, ich habe keine konkreten Pläne, man sollte nur informiert sein über die Welt um einen herum. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass man einen zweiten Pass innerhalb der EU (und Schweiz) ganz problemlos bekommen kann, sogar ohne Genehmigung des Landes der Erstbürgerschaft.
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16.3.10

Godae ist...

...wenn man mit seinem Kaffee in der Hand zu seinem Nachmittagskurs schlurft und dann steht plötzlich der Harvard-Vizepräsident vor einem, weil dein Betreuerprofessor dessen Schüler ist.
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Und weil es - wenn ich es selbst schreibe - mir gleich wieder als Deutschland- und Japanfeindlichkeit ausgelegt wird, zitiere ich schlicht aus dem Vortrag des Herrn Harvard-Vize:
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"Wenn Sie vor 100 Jahren auf die Rankings geschaut hätten, wären da auf den ersten Plätzen ein Haufen deutsche Unis, dann ein paar französische, englische und andere westeuropäische gewesen. Heute sehen Sie nur amerikanische, von den deutschen Unis ist keine mehr auch nur annähernd mit dabei. China konzentriert sich - obwohl wir gute Kooperationen haben - derzeit noch nur auf Champions in technischen Bereichen und China ist kein Land mit Wohlstand. Gute Unis können nur in Ländern mit ausgeglichenem Wohlstand gedeihen. Korea hat Japan aus unserer Sicht bereits überholt und nicht nur was die Zulassungen an unserer Uni angeht, den Rivalen weit hinter sich gelassen."
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Selbst wenn das nur ist, um uns ein wenig die Seele zu streicheln und jetzt in den Kommentaren der Kampf losgehen wird, das Harvard nicht das Maß aller Dinge ist - für einen ansonsten recht ereignislosen Nachmittag war das doch ein sehr erfreuliches Intermezzo.
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Anlass des Besuchs war übrigens die Einrichtung eines ständigen Chairs der Kennedy School of Government von Harvard (sowas wie die Mischung aus "Nirvana" und "Himmel" für Politikwissenschaftler) an der KU und die Ausweitung der Kooperation.
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18.2.10

Treffsicherheit von Sozialsystemen

Die neueste OECD-Studie bestätigt, was jeder im Gefühl hat, der Südkorea und Deutschland ein wenig kennt.
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Deutschlands vielgerühmter Sozialstaat ist ziemlich weit zurückgefallen, was Arbeitsanreize angeht längst abgehängt von den meisten Nachbarländern, aber immerhin noch immer leicht über OECD-Durchschnitt.
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Südkoreas Sozialsystem hingegen ist im Aufbau begriffen, rangiert im OECD-Gesamtvergleich noch am unteren Rand und ist noch längst nicht treffsicher, aber in vielen Punkten inzwischen sogar auf oder über dem Niveau vieler EU-Länder. Besser als Deutschland ist man jedoch in keinem der getesten Bereiche. Die Förderung ist insbesondere in den ersten Monaten sehr gut; in kaum einem Land werden Sozialleistungen aber so stark eingesetzt, um Menschen zur Arbeitsaufnahme zu zwingen. Gefördert wird vor allem die Institution der Ehe, Alleinerziehende haben es sehr schwer.
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Was sagt es uns? Das, was ich immer sage: Weder Deutschland noch Südkorea sind der Wahrheit letzter Schluss, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Weder Gießkanne, noch Peitsche. Ein Sozialstaat kann sich Wohlstand nicht kaufen, ohne Grundsicherung für Bedürftige entsteht Wohlstand aber ebenso wenig.

8.2.10

Über Reiskuchen und Rasenflächen

Anhand eines simplen Beispiels erklärt sich wieder einmal, warum ich Korea mag:
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Meine Brille ging Sonntag kaputt. Eine Schraube hatte sich gelöst, ich hatte es nicht bemerkt, zuhause angekommen fiel mir die Brille an einer Seite runter und ich stand blöd da. Ohne Brille lief die Sendungsaufzeichnung am heutigen Montagmorgen noch bescheidener als üblich. Ich kneistete vor mich hin, verrutschte in den Zeilen und musste mich so konzentrieren, dass ich die Zeichen der Produzentin völlig ausblendete.
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Ich hatte es eigentlich eilig zum nächsten Termin zu kommen, da machte sich die Produzentin über mich lustig, warum ich nicht schnell zum Optiker gehen würde. Mit meinem deutschen Gedankengang hatte ich mir gedacht, dass ich lieber zu meinem Optiker in Anam gehe, wo ich Garantie habe und der auch das passende Ersatzteil da hat.
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Denkste. Ich also bei uns im Sender in den Keller zum ortsansässigen Optiker (allein das ist schon ein toller Service alles im Gebäude zu haben), der meine Brille begutachtete, dann in eine riesige Kiste fasste, ein zwei Schräubchen ausprobierte, dann ein komisches Gerät bediente, mir die andere Schraube auch gleich festdrehte, dann mir auch noch die feinen Kratzer aus den Gläsern machte, die Brille putzte und nach nicht einmal 5 Minuten hatte ich meine Brille mit neuem Etui und Putztuch in den Händen.
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Ich fragte nach, was er für den Service ohne Garantie haben wolle, da lachte er nur und seine Helferin im Hintergrund kicherte. Ich sollte halt beim nächsten Mal die Brille gleich bei ihm kaufen, dann gäbe es auch gar keine Probleme.
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Auf der anderen Seite hörte ich auf einer Festveranstaltung von einem Koreaner folgende Anekdote:
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Er liebe Deutschland, weil die Post so zuverlässlich schließe. Wenn man um 3 nach 6 ankomme, gäbe es keinen Weg noch etwas zu schicken, egal wie mächtig man sei, egal wie dringend man bitte. In Korea gehe man schlicht auch noch um Viertel nach 6 durch den Hintereingang und belagere die Angestellten dort. Dies mache den Angestellten Probleme und die Post losgeschickt bekomme nur derjenige, der dreist genug ist, so zu handeln. Die anderen würden ja trotzdem vor der Tür stehen.
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Abgedroschener Spruch, aber in letzter Zeit verzweifel ich an ihm: The grass is always greener on the other side oder wahlweise auf Koreanisch (kein Witz!): 남의 떡이 더 커 보인다 (Der Reiskuchen des Anderen sieht immer größer aus).

Es köhlert in Seoul

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Der Herr Bundespräsident weilt derzeit in Seoul. Woran man es deutlich sieht? An der Strecke von Gangnam zum Präsidentenpalast Cheong Wa Dae ist deutsch-koreanisch geflaggt. Die Kombination herzustellen, war jedoch recht schwer, nachdem ich heute einen Haufen koreanischer Bewerber für die deutsche Filiale der KTO auf Herz und Nieren prüfen durfte. Da dachte ich schon die Beflaggung gelte meinem unermüdlichen Einsatz für die deutsch-koreanische Völkerverständigung, aber nein, wieder nicht. Nicht einmal eine Einladung fürs Bankett ist rausgesprungen (Mitleid bitte hier einsetzen: ________).
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Wie auch immer, einen schönen Aufenthalt Herr Präsident, gucken Sie an der Kreuzung beim Lotte City Hotel Mal aus dem Fenster und winken Sie in Richtung des großen grau-türkisen Gebäudes.
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2.2.10

Nix zu tun?

Farbbeutelanschlag aufs Kanzleramt, die Büros von Petra Merkel und Karl-Georg Wellmann (in meinem ruhigen Zehlendorf!), Brandanschlag auf McDonalds- und Mercedesfilialen sowie das Bundeskriminalamt - ok. Dass linksextreme Gewalt ignoriert wird, weil sie sich nur gegen Dinge richtet und nicht wie bei rechtsextremer Gewalt direkt gegen Menschen, damit muss man sich wohl abfinden. Revolution gegen Kapitalismus ist halt chic und der Farbbeutel Ausdruck der unterdrückten Volksmassen.
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Aber was soll denn bitte ein Anschlag auf die Stiftung Wissenschaft und Politik? Wie kann die denn bitte Ziel sein? Nur weil sie vom Bundeskanzleramt mitfinanziert wird? Weil sie die Bundesregierung in Sachen Afghanistan berät? Ah ja. Was kommt als nächstes? Die Lufthansa, weil sie deutsche Politiker in alle Welt fliegt? Dänische Kiefernwälder, weil dort die Weihnachtsbäume fürs Kanzleramt herkommen?
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Hätte vielleicht in meine Befragung zu politischer Partizipation noch eine Kategorie einführen sollen für Leute, die politische Partizipation durch Brandanschläge bevorzugen. Man möchte ja niemanden diskriminieren.
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15.12.09

Gruen gruen gruen ist alles, was ich hoere...

Der Oeko-Boom ist in Korea ja voll angekommen und die Regierung hat da ne ganze Menge zu beigetragen. Inzwischen haben sogar schon die deutschen Medien bemerkt, dass in Korea mehr passiert als die Ankuendigungen aus China. Inwieweit wirklich ein umdenken stattfindet, mag ich nicht zu beurteilen, aber der Schritt an sich ist schon Mal vielversprechend.
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Korea wird gruen
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10.12.09

Heimat

Das Gefuehl, das einem sagt, ob man irgendwo wirklich zuhause ist, das bekommt man m.E. wenn sich langsam das Festland unter einem verabschiedet und man aufs offene Meer zusteuert. Wenn du da trotz Vorfreude auf dein Ziel so unmotiviert wehmuetig wirst, dann ist das Heimat. Kein schlechtes Gefuehl, wirklich kein schlechtes Gefuehl.
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Langsam merke ich, dass mein verstaerkter Zynismus in Bezug auf Korea rein gar keine Auswirkungen auf mein Angekommensein hat. Ich wage es selbst kaum zu schreiben - ich bin in Korea wirklich voellig zuhause zu sein.
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Und das beste: Ich freue mich zusaetzlich total auf Deutschland. Naja, immer noch weniger auf Mentalitaet und Fernsehprogramm, aber auf Freunde, Familie, Staetten der Kindheit, bestimmte Gerichte und Gefuehle. Vielleicht zum ersten Mal zwei echte, ganze Heimatgefuehle? Aber ich waere ja schon zufrieden, wenn ich irgendwo ein ganzes aufbauen kann, anstatt einmal 0.5 und einmal 0.25, wie bisher immer.
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Ist Euch Mal aufgefallen, dass ich ueber Probleme in meinem Leben immer erst dann hier schreibe, wenn sie zumindest geloest zu sein scheinen?