Koreaner fühlen sich oft und gerne benachteiligt, unfair behandelt. Das führt dann zu Ausbrüchen nationalistischer Wut und dann beruhigt es sich wieder. Ich habe dann Mitgefühl mit den Koreanern, verwahre mich aber gegen die Ausbrüche.
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Dies mal fällt es aber sehr sehr schwer mich selbst zurückzuhalten. Worum geht es?
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Das koreanische Short-Track-Team der Damen ist relativ schwach in der Saison gewesen, China schien Korea schon überholt zu haben. Bei Olympia jetzt gemischte Leistungen, Grundstimmung im koreanischen Team aber "so schlimm wie befürchtet läuft es nicht, wir sind dran".
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Heute dann ein grandioses Staffelrennen mit ständigem Führungswechsel zwischen China und Korea. Dann die entscheidende Situation: Die Koreanerin überholt, ist schon vorbei, da fährt ihr die Chinesen von hinten, Seite auf den rechten Schlittschuh und kommt leicht von der Ideallinie ab, wird langsamer. Keiner stürzt, die Chinesin setzt sofort wieder zur Verfolgungsjagd an, Korea kommt trotzdem in Weltrekordzeit als erstes über die Linie, China dahinter.
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Und dann passiert das Unglaubliche: Der gleiche Schiedsrichter, der bereits 2002 für den riesigen Skandal gesorgt hat, bei dem dem Koreaner Kim Dong-seong die Goldmedaille aberkannt wurde, lässt sich vom Jubel der Koreaner nicht beeindrucken, guckt sich den Bildschirm an und disqualifiziert die Koreanerinnen.
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Die betreffende Szene hier noch mal anschauen. (Ab Minute 12 ist das ganze Elend zu sehen, ab 13:40 kommen die Wiederholungen)
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Das ist das Blöde am Short Track; man ist von diesen Schiedsrichtern abhängig. Wer ernsthaft meint, dass die Aktion von Kim Min-jeong auch nur fragwürdig war, der muss konsequenterweise in 90% der Short-Track-Rennen die Hälfte der Athleten disqualifizieren. Ohne knappe Überholmanöver ist es nicht mehr Short Track, sondern Eisschnelllaufen für kleine Leute.
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Hewitt gegen Korea: 7:0 (es gab noch 5 andere Entscheidung des Schiedsrichters gegen Korea in Weltcups und bei Weltmeisterschaften). Aufgrund seiner krassen Fehlentscheidung bei Olympia (und anderen Events) wurde Hewish sogar für 2 Jahre nicht mehr bei internationalen Events eingesetzt. Und nun versaut der Mann wieder ein wichtiges internationales Event. Da muss man doch auch die Eisschnelllauf-Union mal ganz eingehend hinterfragen. Südkorea hat Protest eingelegt, aber der wird wohl abgeschmettert werden. Das IOC lässt ja auch einen Bob nach dem anderen umkippen und tut so als wäre nichts passiert, da ist das hier wirklich eine Petitesse.
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Hewish sollte sich am besten in den nächsten Wochen nicht mehr irgendwo blicken lassen, wo Koreaner ihn ausfinding machen können; im Internet sind die 10 meistgesuchten Begriffe im Zusammenhang mit ihm und der Entscheidung; seine Privattelefonnummer und Adresse sowie seine E-Mails sind bereits im Internet frei verfüglich; die Portalseiten kommen nicht hinterher die Einträge zu löschen. Hunderttausende Zugriffe auf Videos und Kommentarseiten sprechen eine deutliche Sprache.
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Normalerweise bin ich auf der Seite der Schiedsrichter und auch ihm sollte nichts zustoßen, aber dass sich der Wut gegen ihn entlädt, das hat er sich selbst zuzuschreiben.
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Update 20:58 Uhr: Inzwischen hat sich Hewish geäußert und sagt, dass Kim die Chinesin bei der Aktion im Gesicht verletzt hätte. Dies sei der Grund für die Disqualizierung. Der englische Hilfsschiedsrichter hatte ihn drei mal gefragt, ob er sich da ganz sicher sei. Aus den Wiederholungen wird es nicht ersichtlich. Aber gut, dass die Bilder erklären, warum die Chinesin im Gesicht blutete.
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Die eigene Teamkollegin, die Bratze Wang Mong (kann auf koreanisch übrigens auch als "übelst dumm" übersetzt werden) hat ihr aus Wut über das Ergebnis beim ungestümen Übersteigen der Begrenzung den Schuh ins Gesicht gerammt. Im Gegensatz zu Hewishs Rumgeträume ist dies zu beweisen: Hier klicken.
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25.2.10
2.9.09
Net-Nation
Wenn ich fuer meine Chefin Marktanalyse betreibe und bei den Sitzungen dann ganz freudig die tollen Zahlen unserer (potentiellen) deutschen Kooperationspartner vorstelle, dann rutscht ihr manchmal nur ein mitleidiges Lachen raus. Gefolgt von Beschwichtigungen, dass man "die spezifischen Gegebenheiten des deutschen Marktes verstehen muesse und man das nicht mit Korea vergleichen koenne, was auch sie wisse".
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Nicht weil ich die Zahlen schlecht praesentiere lacht sie, sondern weil die Zahlen an sich schlecht sind - fuer koreanischer Verhaeltnisse. In Korea ist eine Seite mit 3 Millionen Pageviews pro Monat keine grosse Seite. Wenn ich dann erzaehle "Seite XYZ hat 90 Millionen Pageviews" kommen manchmal so ironische Fragen wie "taeglich? pro Woche", wobei das dann meist die Gesamtzahl der Pageviews ist, die auf den deutschen Portalseiten auch noch oft sehr stolz ganz gross verkuendet wuerde. Autsch. . .
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So kommt es kaum ueberraschend, dass Naver - das koreanische Google, GMX und alles andere - jetzt in die Top 5 der weltweiten Suchmaschinen aufgestiegen ist.
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Und trotzdem ist es krass. Sicher, 1.5 Milliarden Suchanfragen in einem Monat ist nichts gegen die 76.7 Milliarden von Google - aber man muss immer bedenken, dass Google die ganze Welt benutzt, Naver hingegen ist wirklich nur in Korea bekannt.
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Gleiches gilt fuer Baidu, das auf Platz 3 liegt, wobei 8 Milliarden Suchanfragen bei ueber 1.5 Milliarden chinesischsprachigen Menschen auf der Welt nun wirklich keine Leistung ist.
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Rechnet man sich das Naver-Ergebnis mal durch, dann hat durchschnittlich jeder Suedkoreaner ziemlich genau einmal pro Tag auf Naver was gesucht.
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Jetzt rechnen wir Mal Kleinkinder ab, die noch keinen Computer bedienen und Alte, die keinen mehr bedienen (wobei die Grenzen in beiden Faellen anders zu ziehen sind als in Deutschland) und wir kommen auf noch deutlichere Zahlen, die einem zeigen, was Korea fuer ein internetgieriges Land ist. Was man nicht im Kopf hat, steht bei Naver? Wenn es danach ginge, waere Korea wirklich ein geistig armes Land.
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P.S. Nein, ich benutze Naver kaum. Hoechstens Mal Naver "Wissen" oder ein paar Naver Blogs, aber ich komme bestimmt nicht auf 30 Mal pro Monat.
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Nicht weil ich die Zahlen schlecht praesentiere lacht sie, sondern weil die Zahlen an sich schlecht sind - fuer koreanischer Verhaeltnisse. In Korea ist eine Seite mit 3 Millionen Pageviews pro Monat keine grosse Seite. Wenn ich dann erzaehle "Seite XYZ hat 90 Millionen Pageviews" kommen manchmal so ironische Fragen wie "taeglich? pro Woche", wobei das dann meist die Gesamtzahl der Pageviews ist, die auf den deutschen Portalseiten auch noch oft sehr stolz ganz gross verkuendet wuerde. Autsch. . .
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So kommt es kaum ueberraschend, dass Naver - das koreanische Google, GMX und alles andere - jetzt in die Top 5 der weltweiten Suchmaschinen aufgestiegen ist.
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Und trotzdem ist es krass. Sicher, 1.5 Milliarden Suchanfragen in einem Monat ist nichts gegen die 76.7 Milliarden von Google - aber man muss immer bedenken, dass Google die ganze Welt benutzt, Naver hingegen ist wirklich nur in Korea bekannt.
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Gleiches gilt fuer Baidu, das auf Platz 3 liegt, wobei 8 Milliarden Suchanfragen bei ueber 1.5 Milliarden chinesischsprachigen Menschen auf der Welt nun wirklich keine Leistung ist.
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Rechnet man sich das Naver-Ergebnis mal durch, dann hat durchschnittlich jeder Suedkoreaner ziemlich genau einmal pro Tag auf Naver was gesucht.
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Jetzt rechnen wir Mal Kleinkinder ab, die noch keinen Computer bedienen und Alte, die keinen mehr bedienen (wobei die Grenzen in beiden Faellen anders zu ziehen sind als in Deutschland) und wir kommen auf noch deutlichere Zahlen, die einem zeigen, was Korea fuer ein internetgieriges Land ist. Was man nicht im Kopf hat, steht bei Naver? Wenn es danach ginge, waere Korea wirklich ein geistig armes Land.
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P.S. Nein, ich benutze Naver kaum. Hoechstens Mal Naver "Wissen" oder ein paar Naver Blogs, aber ich komme bestimmt nicht auf 30 Mal pro Monat.
25.6.09
Ich hab mich einbürgern lassen
Schlagt mich nicht, aber ich habe es tatsächlich getan. Ich bin jetzt offiziell Koreaner. Vollständig. Und jetzt gibt es kein Zurück mehr.
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Und alles nur wegen des Studiums.
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Habe heute eine Mail bekommen von der Studentenvertretung meines neuen Studienfachs. Sie wollen auf MT gehen - auch wieder so eine Sache - und brauchen dafür unsere Infos. Wir sollten doch einfach schnell dem Club beitreten und uns dann anmelden.
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So weit so einfach, denkt man. Der Club war auf CYWORLD. Ich habe keinen Cyworld-Account, weil ich mich bisher geweigert habe, dort meinen Pass hinzuschicken, nur damit ich eine dämliche Cyworld-Seite bekomme.
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Jetzt konnte ich aber nicht mehr drum herum. Jahrelang konnte ich mich 16-jähriger Schülerinnen und nicht älterer Freundinnen und Freunde erwehren, dass ich bei dem Scheiß nicht mitmache. Und nun der Angriff aus einer Richtung, die man am wenigsten erwartet. Von seinen Studienkollegen im Master. Seufz.
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Wie auch immer, die Anmeldeprozedur für Ausländer ist deutlich erleichtert worden und ich bin jetzt offiziell eingebürgert und hier gehts zu meinem neuen Pass.
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Label:
Erlebnisse,
Internet,
Korea,
Schwachsinn
27.5.09
Das liebe Internet
Was in Deutschland leider nicht berichtet wurde, ist die neue Wendung im Fall Roh. Während alle fleißig versuchen an einer Legende zu basteln oder diese Legendenbildung zu verhindern, bekommen beide Seiten durch den Bodyguard von Roh nun neues Futter. Der hat nämlich seine Aussage revidiert und meint jetzt, beim Sprung Rohs nicht mehr dabei gewesen zu sein. Didum. War mir ja irgendwie klar, dass da noch was kommt, auch wenn ich gehofft hätte, dass man es einfach als Tragödie ansieht. Aber irgendwie muss man Hankyoreh, Chosun, und wie die politischen Zeitungen des Landes alle heißen, ja voll kriegen - so viel kann Nordkorea gar nicht provozieren und insbesondere in den Online-Diskussionsforen lädt alle paar Minuten jemand seine neuesten Beweise hoch. Neueste Verschwörungstheorie ist, dass die Chosun Ilbo hinter dem Tod Rohs steckt, da das "Trauerlogo" der Internet-Ausgabe auf einen Tag vor dem Sprung Rohs datiert ist. Also müssen die da was gewusst haben. Sowas wird ernsthaft diskutiert.
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Auch ansonsten haben wir, wie ich bereits geunkt hatte, jetzt eine Menge Theorien zum Tode Rohs. Im Folgenden einige zusammengefasst, von rechts nach links. Das ist inzwischen in Korea schon sowas wie ein Wahlomat, an welche Version man glaubt oder glauben möchte.
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1. Roh wurde in den Tod gestoßen, damit die Linken eine einigende Symbolfigur bekommen und Rohs Erbe nicht beschädigt wird.
2. Roh wurde in den Tod gestoßen, um weitere Machenschaften der Familie zu verdecken.
3. Roh hat seinen Tod gefaket, um Lee in Misskredit zu bringen
4. Roh hat seinen Tod gefaket, um den Ermittlungen aus dem Weg zu gehen.
5. Roh ist einfach ausgerutscht und es wird jetzt vertuscht, um eine Legende zu bilden.
6. Roh ist einfach ausgerutscht, aber das kann man ja nicht nachweisen.
7. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, um Lee in Misskredit zu bringen.
8. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, weil er psychisch instabil war.
9. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, weil er psychisch instabil war und die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ihm den letzten Rest gegeben haben.
10. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, weil die Staatsanwaltschaft ihn mit unfairen Ermittlungen geradezu in den Selbstmord getrieben hat.
11. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, um seine Familie zu schützen.
12. Roh ist in den Selbstmord gesprungen, aber sein Bodyguard steckte mit dem kor. Geheimdienst unter einer Decke und hat ihn dazu gezwungen.
13. Roh wurde vom Bodyguard gestoßen, mit Auftrag der koreanischen Regierung.
14. Der Bodyguard war gar nicht da, sondern ein Geheimdienstagent hat Roh gestoßen.
15. Lee Myeong-bak hat persönlich den Mord angeordnet, weil die Staatsanwaltschaft zu wenig Beweise gegen Roh gesammelt hatte.
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Mir fiele da noch angesichts der Entwicklungen um Herrn Kurras ein:
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Roh wurde von einem nordkoreanischen Spion (vom Bodyguard, der nordk. Spion ist) die Klippe runtergestoßen, um die Stimmung gegen die Regierung Lee anzustacheln. Oh man, jetzt habe ich mich selbst an diesem unwürdigen Spiel beteiligt. So schnell geht das im Internet, q.e.d.
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Meine persönliche Meinung bewegt sich irgendwo kurz vor 9, die meisten Koreaner sehen es wahrscheinlich irgendwo kurz vor 10 und wären nicht überrascht, wenn es weiter in Richtung 15 gehen würde.
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