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20.4.10

Kommt Zeit, braucht man Rat

Beim folgenden Artikel über Herrn Prof. Kneider in der Zeit sind dem Autor wohl die Pferde durchgegangen oder Prof. Kneider konnte dem Journalisten nicht klarmachen, was die Position wirklich ist, die er bekleidet. Das Problem mit den Ortsbezeichnungen ist übrigens eines der nervigsten bei der Übersetzung aus dem Koreanischen.
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Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Der Bezirk ist der -gu. Dem Artikel zufolge aber wäre Herr Prof. Kneider Verwaltungschef über 1,3 Millionen Menschen. Was in zweierlei Hinsicht falsch ist. In Seongbuk-gu wohnen nicht einmal 500.000 Menschen (was gerade das Tolle an diesem meinem Lieblingsbezirk von Seoul ist) und zweitens müsste man, um Bezirksbürgermeister zu werden, sich in Wahlen stellen und hierfür müsste man koreanischer Staatsbürger sein. Wäre Herr Prof. Kneider in sein Amt gewählt worden, wäre dies tatsächlich eine bedeutendere Nachricht als z.B. die Ernennung Lee Chams zum KTO-Chef.
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Prof. Kneider ist, auch wenn er das laut Artikel nicht passend findet, meinen Informationen nach eben doch eher sowas wie ein Integrationsbeauftragter. In der deutschen Community wird er jedenfalls scherzhaft aber durchaus liebevoll als "Ausländerhäupftling" bezeichnet. Die im Artikel genannte Bezeichnung Dongjang ist durchaus schwer zu übersetzen, "Orts(teil)vorsteher" wäre die treffendste Übersetzung. Konkret kümmert er sich um die Belange der ausländischen Mitbürger vor Ort; er steht zudem meines Wissens keinem konkreten "dong" vor, sondern befindet sich im Range eines Ortsvorstehers. Das ist übrigens auch viel sinnvoller und nötiger als, dass ein Ausländer die Koreaner verwaltet. Die Stadt Seoul tut mit ihren Global Centern etc. eine ganze Menge, um Ausländern das Leben hier zu erleichtern - und bindet mehr und mehr auch ausländisches Fachwissen ein, um besser auf die Bedürfnisse der ausländischen Community einzugehen. Mit Herrn Kneider haben sie da den passenden Mann gefunden.
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Ansonsten ist der Artikel ganz lesenswert, wenn auch recht kurz.
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P.S.: Dieser Eintrag soll die Verdienste von Prof. Kneider in keiner Weise kleinreden. Fachlich und sachlich ist er einer der beeindruckendsten Koreanisten, die ich kenne. Wir von der KTO haben ihm auf unsere eigene Art und Weise ein kleines Denkmal gesetzt.
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Artikel über Prof. Kneider 1
Artikel über Prof. Kneider 2

18.2.10

Neuer Job

Grins. Habe mal wieder einen neuen Job. Bin jetzt der deutsche Vertreter im sogenannten "Übersetzungsatelier" der Übersetzungsakademie. Was bisher eher unausgesprochen war, wurde mir jetzt schriftlich bestätigt: Ich war der beste in der Akademie. Nicht nur das, man hat sich offensichtlich auch jetzt noch daran erinnert. Das freut mich. Ist insbesondere in Korea nämlich nicht selbstverständlich.
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Was es mir bringt? Regelmäßige Übersetzungsaufträge ohne Suchen, Kontaktaufnahme und Bewerben, sehrangemessene Bezahlung UND was am Wichtigsten ist: Feedback von erfahrenen Korrekturlesern, was ich in Zukunft besser machen könnte. Das ist etwas, was mir bei meinen sonstigen Übersetzungen immer gefehlt hat. Ist also wie Übersetzungsakademie nur ohne lästigen Unterricht. Grins.
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Ich kann mich nur wiederholen: Die Akademie ist wirklich die erste koreanische Institution, die ich erlebe, die wirklich langfristig am Ball bleibt und ihre Absolventen nachhaltig fördert.
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19.10.09

Rückschlag

Man muss Niederlagen ja auch so benennen: Beim diesjährigen Übersetzerpreis gab es 15 Einsendungen für die deutsche Abteilung und auch wenn ich laut übereinstimmenden Aussagen im oberen Bereich lag, hat es nicht für einen Preis gereicht. Puh.
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Ich werde also wohl mein Leben lang lieber Kinderbücher übersetzen....
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Update 00:24: Nachdem ich jetzt einige Infos zu Jury und Kriterien mitbekommen habe, empfinde ich es schon viel weniger als Niederlage, sondern viel mehr als hauptsaechlich Pech mit einem Schuss eigener Schuld. Naeheres auf private Anfrage.

28.8.09

13 Jahre lauter Sorgen, 23 auch nicht weniger

So, jetzt ist es endgültig raus und ich darf die Katze aus dem berühmten Sack lassen. Trommelwirbel.
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Ich bringe Anfang nächsten Jahres meine erste Übersetzung raus. Die Geschichte, wie es dazu kam ist selbst für diesen chaotischen und anspruchslosen Blog zu abenteuerlich als dass ich sie hier ausbreiten würde - Näheres gern auf Anfrage per Mail oder über sonstige Medien.
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Im Gegensatz zu so manch anderen Leuten, die meinen mit 20 gleich an die Klassiker zu gehen, ist mein Buch vom Umfang her mit 150 Seiten und Frist bis Dezember schon ein Hammer, aber als Buch für End-Grund-Anfang-Mittelschüler (ca. 12-jährige) vom Schwierigkeitsgrad relativ gering. In Deutschland nennt man sowas wohl "Jugendroman".
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"Relativ" gering sage ich, weil genau in dieser scheinbaren Harmlosigkeit der Teufel stecken kann. Beim Werk für den Übersetzerpreis habe ich wirklich jeden einzelnen Satz von allen Seiten beleuchtet, weil der Autor dafür bekannt war, alles halb erwähnt zu lassen und nichts wirklich hervortreten zu lassen, weshalb man zwischendurch den Leser immer wieder mit einem Stöckchen anstoßen muss, um die Richtung des Koreanischen wiederzugeben.
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Bei einem Kinderbuch fehlt dieser Respekt vor der "hohen" Literatur größtenteils - was grundfalsch ist. Werde mich erst einmal ne Menge über den besonderen Stil und sowas informieren müssen. Ich glaube meine Neffen kriegen eine Provision ab.
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Apropos Geld: Allzu viel kommt nicht bei rum, ein Hungerlohn ist es aber auch nicht. Eben genau das Richtige, wenn man in das Geschäft offiziell einsteigt. Bin auch dem KLTI sehr dankbar, dass man mir diese Chance gibt und die Förderung auch nach Abschluss des Jahrgangs tatsächlich weitergehen lässt - genau hier liegt bei den meisten koreanischen Institutionen ja das große Problem.
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So, und wer denkt "wo nimmt er denn die Zeit dafür wieder her", dem sei gesagt, dass ich am Montag nach einem weiteren Gespräch mit einem deutlichen höheren Tier noch eine weitere Bombe platzen lasse. Grins. Es gibt so Momente im Leben, da sagt man sich einfach nur "läuft" und grinst.
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