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5.3.10

Atelier

Ich bin ja neulich zum deutschen Vertreter fuers Uebersetzungsatelier der Uebersetzungsakademie berufen worden. Dachte das waere sowas wie ein Trostpflaster, um in Kontakt zu bleiben, ein paar Auftraege, ein bisschen Anleitung durch erfahrene Uebersetzer.
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Heute war dann die Einfuehrung. Wir haben eine eigene Ernennungsurkunde bekommen, haben ein eigenes Zimmer in einem supermodern neugestalteten Stockwerk des KLTI, kriegen unsere eigenen Visitenkarten und ich darf gleich am Montag ein Interview fuer verschiedene Medien geben. Uff. Wenn wir einen Sitzungssaal brauchen, um Verhandlungen zu fuehren (?!), koennen wir den uns hier reservieren. Einfach nur genial.
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Dafuer muss man aber nur 6 Mal im Jahr anwesend sein, der Rest laesst sich per Mail regeln. Eigentlich schade, ist doch die Etage, die wir hier haben supertoll. Werde wohl oefter herkommen, und sei es nur um zu lernen. Total genial. Die legen sich echt ins Zeug.
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Damit habe ich noch weniger Zeit, aber noch mehr Bauchpinselei. Zudem hat sich das nervige Problem erledigt, mir selbst Visitenkarten neu zu machen.
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18.2.10

Neuer Job

Grins. Habe mal wieder einen neuen Job. Bin jetzt der deutsche Vertreter im sogenannten "Übersetzungsatelier" der Übersetzungsakademie. Was bisher eher unausgesprochen war, wurde mir jetzt schriftlich bestätigt: Ich war der beste in der Akademie. Nicht nur das, man hat sich offensichtlich auch jetzt noch daran erinnert. Das freut mich. Ist insbesondere in Korea nämlich nicht selbstverständlich.
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Was es mir bringt? Regelmäßige Übersetzungsaufträge ohne Suchen, Kontaktaufnahme und Bewerben, sehrangemessene Bezahlung UND was am Wichtigsten ist: Feedback von erfahrenen Korrekturlesern, was ich in Zukunft besser machen könnte. Das ist etwas, was mir bei meinen sonstigen Übersetzungen immer gefehlt hat. Ist also wie Übersetzungsakademie nur ohne lästigen Unterricht. Grins.
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Ich kann mich nur wiederholen: Die Akademie ist wirklich die erste koreanische Institution, die ich erlebe, die wirklich langfristig am Ball bleibt und ihre Absolventen nachhaltig fördert.
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19.10.09

Rückschlag

Man muss Niederlagen ja auch so benennen: Beim diesjährigen Übersetzerpreis gab es 15 Einsendungen für die deutsche Abteilung und auch wenn ich laut übereinstimmenden Aussagen im oberen Bereich lag, hat es nicht für einen Preis gereicht. Puh.
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Ich werde also wohl mein Leben lang lieber Kinderbücher übersetzen....
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Update 00:24: Nachdem ich jetzt einige Infos zu Jury und Kriterien mitbekommen habe, empfinde ich es schon viel weniger als Niederlage, sondern viel mehr als hauptsaechlich Pech mit einem Schuss eigener Schuld. Naeheres auf private Anfrage.

19.6.09

Erinnerungsfoto

Leider waren ja bei der Abschiedsfeier nicht alle da, aber um Euch mal zumindest einen kleinen Einblick zu geben, hier das offizielle Foto von unserem Jahrgang in der Akademie. An der Kamera unsere Betreuerin Yi Yumi.
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Sitzend von links: Dr. Andreas Schirmer (Übersetzungspraxis Deutsch), Übersetzungspraxis Französisch, Leiterin der Graduate School of Translation and Interpration an der Ehwa-Universität, der Chef des KLTI, Prof. Dr. Werner Sasse (muss ich noch mehr sagen?^^), die Chefin der Abteilung Ausbildung am KLTI
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Stehend dahinter von links: Koreanisch-Unterricht Mittel- und Oberstufe, Kulturunterricht, Übersetzungspraxis Englisch, Leonie (Deutsch ^^), Übersetzungspraxis Französisch, MEINE WENIGKEIT :D, Stellvertretender Chef des KLTI (mein koreanischer Papa, Dr. Kim Yun-jin ^^), Didi (Englisch, Vorbildpreis, wohnt noch bei Mama), Insook (Deutsch, unsere Älterspräsidentin), Aurelie (Französisch)
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Dahinter von links: Jeongsu (Englisch, angehender Doktor f. Koreanische Literatur), Undine (Deutsch), Andrew (Englisch), Jonas (Deutsch), Übersetzungspraxis Französisch, Guillaume (Französisch), Haerim (Deutsch), Yeongju (Englisch), ? (Englisch), ? (Französisch), Yi Jeong-geun (Betreuer und Koreanische Architektur)
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9.6.09

Interview

Achso passend noch ein Interview mit dem Literaturmagazin der Akademie. Erst einmal nur auf Koreanisch, Übersetzung folgt dann, wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe (also nie).
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http://blog.naver.com/itlk
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Schluss, Aus und doch kein Ende?

Unglaublich wie die Zeit verrinnt. Wieder ein Jahr um, wieder ein Abschnitt meines Lebens vorbei. Heute hatten wir den letzten Unterricht an der Akademie und schon morgen werden wir unsere Zertifikate in der Hand halten, so etwas wie die Eintrittskarte zu gut bezahlter Literaturübersetzung ohne störende Marktmechanismen wie Nachfrage oder Verlagssuche. Da ich die Absolventenrede halten soll, aber keine Ideen habe, versuche ich mal dem Blog als schriftlichem Auskotzmedium gerecht zu werden und werde meine Gedanken zu dem einen Jahr ordnen.
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Übersetzen macht durchaus Spaß
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Ich bin immer noch nicht euphorisch, was das Übersetzen angeht. Das hat aber weder was mit der Akademie noch mit der übersetzten Literatur zu tun. Ich bin einfach nicht der Detailarbeiter, der stundenlang über die Setzung eines bestimmten Konjunktivs reden kann und möchte. Ja, wenn es ein Gedicht ist, vielleicht ja noch, aber nicht, wenn ich weiß, dass im Roman dahinter noch 300 Seiten kommen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine gute Übersetzung. Aber immerhin wurde durch den Kurs für mich geklärt, ob ich weiter Übersetzung machen möchte. Die Antwort ist ein klares Ja. Wenn man sich erst einmal eingefummelt hat und die wichtigsten Werkzeuge an der Hand hat, ist Übersetzung durchaus eine spannende Tätigkeit und vor allem eine immer aufs Neue herausfordernde; wenn, ja wenn man sich aussuchen darf, was man übersetzen möchte, was bei Literaturübersetzung zumindest ja meist gegeben ist.
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Und ganz realistisch: Das, was ich durch meine Ausbildung bisher an die Hand bekommen habe, sind keine allzu grandiosen Fähigkeiten: Eine Sprachkompetenz, ein bisschen akademisches Arbeiten und Übersetzungshandwerk - wenn man damit arbeiten möchte, bleiben nur wenige Wege.
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Koreanische Literatur ist toll
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Und wenn mir der Kurs an der Akademie noch etwas gebracht hat, dann die Liebe zu koreanischer Literatur. Ganz ehrlich, durch die Uni habe ich da ja so gut wie nichts mitbekommen, auch wenn sich Professor Lee (nicht Eun-jeung, die andere, Yun-gyeong) damals redlich bemüht hat. Wir hatten mal ein Seminar zu Literatur, da wurden einzelne Werke in ihrer meist recht schlechten Übersetzung vorgestellt, doch da war ich größtenteils noch zu unfähig, um Literatur im Original zu lesen.
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In dem einen Jahr, und vor allem dank der mehr als reichlich bemessenen "Kulturlebensunterstützung" der koreanischen Regierung jedoch konnte ich mir eine ansehnliche Bibliothek zulegen und verfüge nun über Werke in Originalsprache, beginnend (vermutlich) in der Goguryeo-Dynastie bis zum Jahr 2009, mit einem Schwerpunkt auf die Literatur der Kolonialzeit und der modernen Literatur. Diese beiden Epochen sind es auch, die für mich den größten Reiz haben.
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Die modernen Autoren schreiben spannende, lustige Geschichten wie ich sie mag: Modernes Leben, Absurditäten des Lebens, viele verrückte Gedanken über die Welt.
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Die Pioniere der modernen koreanischen Literatur aus der Kolonialzeit sind da ganz ähnlich. Sie haben eine unglaubliche Leichtigkeit, ein Spielen mit der Sprache und einen natürlichen Humor. Wenn ich an die Kurzgeschichte Nakjo von Park Tae-won denke, kommt mir noch immer ein Schmunzeln. Diese Kraft, die einen in Deutschland aufgewachsenen 23-jährigen mit einem koreanischen Autor der Kolonialzeit verbinden kann, das ist etwas unglaublich Tolles.
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Und die meisten dieser aus meiner Sicht lesenswerten Werke ist nicht übersetzt. Stattdessen haben wir politische Werke von allen Seiten in Übersetzung. Der immer gleiche Koreakrieg, die immergleiche Industrialisierung. Langweiliges Palaver über hunderte von Seiten. Hat man eine gelesen, kennt man fast alles. Noch schlimmer sind da nur die über hunderte von Seiten ausgewälzten Familienverhältnisse. Oft platter als ein TV-Drama. Zwischendurch gibt es natürlich auch bei diesen Themen Glanzlichter, wie bei Hwang Seok-young oder Yi Jeong-chun.
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Übersetzerpreis
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Derzeit übersetze ich wieder Mal eine Geschichte von Kim Yeon-su, dies Mal für den Übersetzerpreis. Ich hoffe natürlich zu gewinnen, obwohl ich nicht so vermessen bin, mir ernsthafte Chancen einzur.....na gut, natürlich glaube ich daran, dass ich eine Chance habe, sonst würde ich mir die Arbeit nicht machen. Allerdings sind die Voraussetzungen wirklich nicht gut, denn die Geschichte sagt mir so gut wie gar nichts. So überhaupt nichts. Kim Yeon-su kann ich auch nicht einordnen. Manchmal schreibt er wirklich spannend, manchmal schreibt er so belangloses Zeug...
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So, jetzt sind mir ein paar Ideen gekommen, was ich alles in die Rede schreibe und was nicht - tschüssi...^^;;
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25.4.09

Übersetzervolk

Leider komme ich erst jetzt dazu, eine Blüte der Dichtkunst zu veröffentlichen, die ich zu Ostern von einem meiner Dozenten erhielt, den ich hier nicht namentlich erwähnen möchte. Ich möchte ihn quasi vor den Konsequenzen abschirmern.
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Wie kaum ein anderes Schriftstück der Menschheitsgeschichte gibt es Aufschluss über das geistige Innenleben von Übersetzern und solchen, die es werden wollen und nicht zuletzt über den Ruf, den Mitglieder letzterer Gruppe genießen.
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Im Folgenden sei unverändert und ungekürzt wiedergegeben, wie die Einteilung meines Übersetzungsanteils unseres Gesamtwerkes von statten geht.
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"Nun ist das Werk aber noch nicht getan. Bis zum Ende schalte und walte daher Jan, der Vielgeruehmte, den sie auch den Papa, den Baer und den Rolf nennen und von dem die Kunde geht, er koenne mit einem Auge einen Reisefuehrer und mit dem anderen, zur gleichen Zeit, einen Roman lesen, und seien auch beide Buecher in der Sprache der Koreaner abgefaszt. Moegen seine Kraft und sein Mut nicht erlahmen, ehe er nicht jene Stelle erreicht hat, wo es kurz und buendig heiszt: „그렇게 된 것이다.“"
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Die Anspielung ist übrigens seit heute, 22:11 Uhr obsolet: 2. Endkorrektur des Reiseführers ist zuende und ich bekomme hoffentlich noch diese Woche meinen gebührenden, virtuellen Haufen grüner Scheinchen auf mein Konto überwiesen. Es lebe die Kunst!
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11.3.09

Die zwei Gesichter des Übersetzens

Man man man. Was ich allein in den letzten beiden Tagen wieder durch die Welt geschüttelt wurde, geht ja wirklich in keine Worte mehr zu fassen.
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Gestern war ich mit Herrn Kim, unserem ehemaligen Akademie-Leiter, was trinken. Warum ehemalig, wird sich jetzt der geneigte Leser fragen: Tja, die Führung hat gewechselt und unser guter Herr Dr. musste leider in den 5. Stock umziehen, um jetzt für den Herrn Institutsleiter zu denken. Schade eigentlich. Warum ich es aber hier wieder ausbreite: Herr Kim möchte mich für die Übersetzerwelt erhalten und hat sich ein lustiges neues Projekt ausgedacht: Nach der Akademie jetzt das Atelier, also ein Ort, an dem die Leute, die die Akademie absolviert haben, mit einem festen Arbeitsvertrag und guter Bezahlung das bezahlen, was sie für schön befinden. Denn das Institut wird wohl demnächst erweitert, nicht mehr nur Literatur, sondern auch Sachbücher. Offensichtlich hat man sich das so ausgedacht, dass meine Kommilitonin Haerim für moderne Prosa und ich für klassische (Sach-)Literatur und Fachbücher zuständig sein soll.
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Vor einigen Wochen noch unvorstellbar für mich, klassische Literatur interessant zu finden ("dieser Konfuzianismus-Kram"), hat sich für mich schon wieder eine neue Welt geöffnet.
Denn dank eines Prof. Sasse machen mir sogar Gedichte riesig Spaß, mein absolutes Hassfach bisher. Da hat man wenigstens was in der Hand, denn ein klassiches Gedicht zu verstehen, das können nicht Mal Koreaner einfach so.
Irgendwie hat der Gute eine Ader wie mein damaliger Englisch- und PW-Lehrer Herr Rahn, mit einer trockenen, aber herzlichen Art, trockenste Inhalte interessant darzustellen, zumindest für diejenigen, die sich interessieren. Interessante Parallelen gibt es sowieso genug: Die Liebe zur Englischen Sprache, die Hippie-Zeit in der Jugend, die Vorliebe für die Farben olivgrün und beige, wobei die wohl mit ersterem zu tun haben dürften. Wenn die Blüten blühen, geht es zum Reiswein in die Bambushaine. Jeden Morgen schaue ich in Seoul bang auf die Bäume, wann es denn nun endlich anfängt mit dem Blühen, weil ich es kaum abwarten kann. Vollkommen krank.
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So, jetzt Mal zurück aus meinem kleinen Einod, zurück in die harte Realität des Reiserwerbs.
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Auf der anderen Seite balge ich mich nämlich gerade mit den Herren und Damen von der KTO. In meinem Team läuft ja alles super mit meiner Chefin. Auch die Arbeit für unseren Herrn Vizeminister verlief mehr als erfreulich und in sehr angenehmer Art und Weise. Aber da ist ja noch der Reiseführer. Da ich ja nun Mal so quasi die Leitung des Ganzen übernommen habe, also mich auch verantwortlich fühle, habe ich denen, die für die Veröffentlichung (und den irrationalen Zeitdruck, der auf mich ausgeübt wird) verantwortlich sind, jetzt versucht klar zu machen, dass das mit der Veröffentlichung nicht so eine gute Idee ist.
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Habe bei der Erstkorrektur, die ich in unsäglichen 5 Tagen abarbeiten musste, auf 238 Seiten sage und schreibe 5960 Fehler entdeckt. Gut, so 2000 davon muss man nicht unbedingt anstreichen, aber trotzdem übel. Und da ist noch nicht Ausdruck o.ä. mit drin. Jetzt bin ich natürlich sehr gespannt wie das weitergehen soll. Wäre ja theoretisch für Herausgabe unter Bedingung, dass wir am besten gleich im Mai anfangen den Reiseführer fürs nächste Jahr vollkommen von Null anzufangen. Aber das wird bestimmt nicht gehen, weil wir ja der Englischen Version hinterherhecheln müssen. Da sind nämlich neben den ganzen haarsträubenden Fehlern auch noch tolle inhaltliche Blüten drin wie "In den Cafes in Sinchon kann man gut Kaffee trinken". "Eine Eisbar ist eine Bar, in der alles aus Eis ist" u. Ä. Glanzlichter.
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Mit diesen fast schon zen-artigen Worten möchte ich dann meinen heutigen Ritt durch die Höhen und Tiefen meines koreanischen Lebens beschließen. Naja, einen hab ich noch.
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"Yonsei University Street - Diese Strasse fuehrt zur Yonsei Universitaet. Wege zweigen wie Aeste eines Baumes von ihr ab. Diese Strasse wurde zur "Strasse, die man gehen moechte" bestimmt und seitdem werben Reisefuehrer fuer sie"
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Korea, mein geliebtes Korea, was tut man dir nur an....^^

20.11.08

Über die koreanische Literatur

Heute war wirklich ein historischer Tag. Heute traf ich auf einer kleinen Konferenz mit 5 Übersetzern koreanischer Literatur die erste Übersetzerin mit der ich irgendwie übereinstimmen konnte, denn was sie sagte, war sehr simpel und etwas, das ich in letzter Zeit immer mehr fühle:
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Wenn man Korea und seine Kultur im Ausland bekannt machen will, braucht man nicht nur Willen, sondern handfeste Mittel wie Geld und Informationen. Man muss mit Druck brauchbare Infos ins Ausland pushen und bevor man mit hochstehender Literatur anfängt, wäre es praktisch mal lesbare Sachbücher zu Kultur und Kunst Koreas zu veröffentlichen, damit Leute mit Interesse ohne jahrelanges Sprachstudium - so wie mit Japan und China - einen gewissen Schatz an Kenntnissen aufbauen können. Wenn man durch einfach lesbare, aber trotzdem wissenschaftlich haltbare Bücher fassbar machen kann, was ein Maru ist, wie sehr so etwas in der koreanischen Kultur verwurzelt ist und warum man nicht einfach "Veranda" dazu sagen kann, wird auch die noch immer sehr dem "Tosok", also Heimatlichen, verhaftete koreanische Literatur weniger sperrig. Im Falle vonJapan kann man durch die kulturelle, politische und materielle Vorarbeit zumindest von einem Grundverständnis von Zusammenhängen ausgehen; beim Koreanischen ist dies bis auf Kimchi und Samsung leider nicht der Fall.
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Sprach Frau Kang, riet uns nicht literarisch zu übersetzen (auf einer Konferenz des Literaturübersetzungsakademie wohlgemerkt :D), riet uns weiterhin uns einen Job zu suchen, mit dem wir Geld verdienen können und nebenbei gute Sachbücher zu übersetzen, damit die paar Leute, die wirklich Literatur übersetzen es nicht mehr so schwer haben. Da schluckten erst einmal die Verantwortlichen und mich heidischen bösen Studenten freute es doch sehr.
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Ich weiß, dass dies auch nicht das Wahre ist, aber im Moment sehe ich das tatsächlich als vernünftige Methode an, denn wir als Übersetzer können die koreanische Literatur nicht ändern; und wenn mal jemand mit der vielbesprochenen Bopyeonseong (Universalitaet) gesegnet ist, so wie Kim Young-ha, dann verhaeckselt ihn irgendeine Uebersetzerin (man liefere mir Cornelia Brandt, um sie persönlich auf den Scheiterhaufen zu werfen!) zu Brei, wie juengst geschehen mit "Naneun Nareul Pagwaehal Gweolli-ga ittda", das im Deutschen "Das Gottesspiel" heißt, was noch längst nicht der größte Frevel ist. Es wird schon einen Grund geben, warum die Co-Übersetzer(in) sich nicht im Titel erwähnen lassen wollte.
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Ich habe ja durch ausreichende Koreanischkenntnisse und mein großzügiges Bücherbudget inzwischen an die 70 Bücher kaufen können, seit ich hier bin - fast alle auf Koreanisch. Was es für spannende, lustige, informative und tiefgreifende Sachbücher in diesem Land zu praktisch allen Themen gibt, ist einfach sagenhaft und fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Ich kann - und das meine ich wörtlich - ganze Tage im Buchhandlungen verbringen und in den Schätzen stöbern. Manchmal glaube ich, dass jeder einzelne Bürger Koreas in seinem Leben mindestens ein Buch geschrieben haben muss, um diese Fülle und Vielfalt hinzubekommen.
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Lese ich aber koreanische Literatur, scheint es nur wenige Themen zu geben und sie werden immer nach dem gleichen Muster abgehandelt: Entweder passiert gar nichts und man lamentiert nur über Familie, Teilung und sonstigen Schmerz (das "Han" lässt grüßen) oder man versucht besonders hip, besonders westlich zu sein. Dazwischen gibt es einige Juwelen der neuen Generation, besagten Kim Young-ha, Park Min-gyu und manchmal noch Kim Ae-ran, die es zumindest schafft ihre unverarbeiteten auf interessante Weise rüberzubringen.. Yi Cheong-jun schafft es als Autor sehr koreanisch zu sein und trotzdem universelle Probleme anzusprechen; eine Seltenheit. Jeder Autor hat seine Vorteile und seinen Wert, aber für den deutschen Markt sind derzeit doch recht wenig geeignete Werke erhältlich. Das wissen die Verantwortlichen auch. Aber die Kombination aus im eigenen Saft schwimmenden koreanischen Autoren und unfähigen Übersetzern ist wirklich eine tödliche, die es zu durchbrechen gilt.
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Da wir an den Themen und der Art der koreanischen Literatur, d.h. persönliche Erlebnisse durch Kurzgeschichten verarbeitet vs. universelle Reflektionen nichts ändern können, finde ich es tatsächlich eher sinnvoll mich mir, der ich sowieso kaum literarische Erfahrung besitze, der Sachbuchübersetzung anzunehmen, die noch viel mehr im Argen liegt als die Literaturübersetzung. Übersetzer werden immer als Handwerker angesehen, selten als Künstler. Aber während man als Literaturübersetzer zumindest noch irgendwie im Kultur- und Kunstgewerbe angesiedelt ist, ist dies beim Sachbuchübersetzen, ganz zu schweigen vom Technischen Übersetzen, gar nicht gegeben. Das muss man wohl aushalten können, um die Basis dafür zu legen, dass man auch koreanische Literatur verstehen kann.
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9.10.08

Winde

Der Herbst zieht langsam aber sicher Einzug. Das heisst, dass die Temperaturen nur noch knapp über 20 Grad klettern, der teils schon recht heftige Herbstwind immer öfter weht und in spätestens 2 Wochen die Herbstlaubfärbung anfängt, Scharen von Koreanern aufs Land zu treiben.
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Mich trieb der Wind die letzten Tage jedoch von früh morgens bis abends ins COEX, um Beiträgen zur Verbreitung koreanischer Literatur zuzuhören, die in Ton, Verständlichkeit und Inhalt von nichtssagendem Grundschulreferat (Vietnam) bis Weltklasse-Gerumpel (USA) reichten. Insgesamt gab es Vertreter aus 9 Sprachgebieten und die Konferenz an sich war wohl trotz des immensen Aufwands im Endeffekt ein großer Erfolg.
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En Detail werde ich darüber auf GomSeonsaeng schreiben; das dürfte aber vielleicht auch für einen etwas weiteren Leserkreis interessant sein. Zumindest nehme ich mir da heute Abend mal die Zeit, meine Gedanken zum Thema zu ordnen. Das Büfett war es auf jeden Fall und ich fraß mich zum ersten Mal seit langem wieder deutlich über der Sättigungsgrenze voll.
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Beim Training sind wir inzwischen so weit, dass mir meine Trainerin verraten hat, warum ich die letzte Woche kaum noch abgenommen habe: Sie musste mich erst mal 2 Wochen auf ein Konditions- und Kraftniveau bringen, mit dem man überhaupt effektiv arbeiten kann. Seit Mittwoch machen wir jetzt konzentriertes Krafttraining und Ausdauertraining im Wechsel und auch wenn es doppelt so anstrengend ist, glaub ich, dass das ne ganze Menge bringen wird. Allein könnt ich kaum so effektiv drauf achten, da merkt man einfach 7 Jahre Berufserfahrung und zig Weiterbildungen.
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Ansonsten ist mein Computer mal wieder kaputt gegangen und angesichts des Wechselkurses sind meine Überlegungen mir hier schnell noch einen neuen zu kaufen doch immer realistischer geworden. Keine Lust alle paar Wochen zum Service-Center zu rennen; egal wie nett und freundlich die Damen und Herren da auch seien mögen. Schreibe gerade in der Arbeitszeit in der KTO (Hallo Chefin ^^). Mir wurde ja nach anderthalb Jahren endlich Mal der Wunsch erfüllt und der Computer an meinem Platz wurde komplett neu aufgesetzt. Seitdem funktioniert, oh Wunder, alles wieder und ich kann sogar zwischen den Sprachen umschalten ohne, dass unsere Zentrale in die Luft fliegt. Es lebe die Technik. Noch mal anderthalb Jahre und ich bekomme vielleicht endlich meinen Firmenausweis.
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Gestern bekam ich dann noch einen Anruf von KBS, dass man eine neue Version von Misuda plant, dies Mal mit gemischten Pärchen. Ich Hyeri von der Idee erzählt, sie meinte nur: "Du weißt aber, dass das dann offiziell ist und wir quasi verheiratet sind?". Darauf hab ich eigentlich gar keine Lust, aber Ruhm und Geld (meinen Quellen zufolge verdienen die pro Woche bis zu 600.000 Won für nicht mal 3-4 Stunden Arbeit!) locken schon extrem.
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Aber wie unromantisch wäre es, das alles wegen des Geldes zu tun?
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19.9.08

Krisen | 위기들

Gestern träumte ich, dass das nordkoreanische Militär einen Staatsstreich im Norden veranstaltet hat und als erste Amtshandlung erst Mal Seoul in Schutt und Asche gelegt hat, wovon wir in der Akademie gar nicht viel mitbekommen haben und dann nur als die Einschläge näher kamen mal nach oben gingen, um zu gucken. Da war aber von Gangnam schon nicht mehr viel übrig.
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Heute kündigt Nordkorea dann an, dass man sich in den USA das Streichen von der Terrorliste doch bitte in den Hintern schiebe möge, man seinen Atomreaktor wieder in Betrieb nehme und auch ansonsten eigentlich keine Lust auf Kooperation habe. Was soll das nun schon wieder alles heißen. Militär an der Macht, weil Kim von seinem Anfall nicht mehr richtig ins Amt zurückkommt oder ist es gar der kleine Mann im Schlafanzug, der jetzt Stärke demonstrieren möchte?
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Neben der Terrorliste hat dann noch eine weitere Liste Bedeutung für Korea, wenn auch den anderen Teil: FTSE hat Korea endgültig in die Liste der Entwickelten Nationen aufgenommen. Corporate Governance sei am unteren Ende und verbesserungswürdig, ansonsten sei Korea dem Index zufolge unter 25 Ländern mit dem Status inzwischen das "zwölftbeste". Rankings sagen nix aus, aber offensichtlich halten sich wohl manche Investoren und Kreditgeber dran. Wo wir schon bei Krediten und Subprimes sind.
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Die Weltwirtschaft meint gerade zusammenbrechen zu müssen und Geldtauschen wird fast schon so sehr zum Glücksspiel wie an der Börse zu investieren. Einer unserer Professoren hat sich mächtig verspekuliert und kommt seit einigen Tagen mit einem anderen - kleineren - Auto zur Arbeit. Grins. Ansonsten lebt man in Gangnam weiterhin in seinem eigenen Kosmos und kauft Perrier für 4 Euro pro 1 Liter ohne mit dem schönheitsoperierten Lid zu zucken. Dazu dann ein paar Hallabong-Mandarinen aus Jeju für 2 Euro den Happen. Manchmal gehe ich wirklich nur in den Supermarkt hier, um Leute zu beobachten. Hätte ich Zeit und literarisches Ausdrucksvermögen würde ich ein Buch drüber schreiben - so wirds nur ein wirrer Blog.
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Die nächste Krise ereignete sich dann heute Nachmittag als uns klar wurde, dass Märchenstunde mit Prof. Großvater Park doch nicht das letzte Mal war, sondern er uns nächste Woche noch mehr Geschichten erzählen wird von seinen Badeerlebnissen mit seinem Vater, dem Kuscheln mit Guillaume beim letzten Mal Hoesik (Essen mit Prof und uns) und wie fremd er doch seiner Frau sei. Aber bitte, nur weil er während seiner Studienzeit (Ende 17. Jahrhundert) mit einem anderen Franzosen gemeinsam "aus Zeitgründen" duschen wollte, muss man ja nicht gleich irgendwas Falsches denken. Der Kurs heißt übrigens Koreanische Geistesgeschichte. Da bekommt der Name eine ganz neue Bedeutung.
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Doch zurück zur hohen Politik, meinem zukünftigen Betätigungsfeld. Man scharrt an der KU schon die Hufe, wie mir versichert wurde. Comparative kann ich zwar nicht viel aussagen, aber in den USA drehen sich die Umfragen jeden Tag, ebenso wie in Bayern und Österreich. Irgendwie ist die ganze Welt in Aufruhr und Umbruch - und dann setzt RTL auch noch die neue Show vom Oli Geissen ab wie ich heute schockiert in meiner Lieblingszeitung mit den vier Buchstaben lesen musste. Unglaublich oder?
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Das neue Budget der koreanischen Regierung hingegen hat nicht viel Überraschendes parat: Weniger für Soziales, mehr für Forschung, Bildung und Wirtschaftsförderung.
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Wenigstens ist die Inflation letzten Monat zum ersten Mal wieder zurückgegangen. Ganz unabhängig davon verfliegt das Krisenhafte auch, wenn man bei 30 Grad auf der begrünten Dachterrasse sitzt und einen 10 Äpfel futtert, die man gerade für 5000 Won vom Bauern auf seinem kleinen Truck erstanden hat. Es sind ja in schwierigen Zeiten bekanntlich die kleinen Freuden, die das Leben lebenswert machen. So erfreute mich heute bei meiner Heimkehr in mein Loch ein geschätzte 5 Kubikmeter großer Ventilator, der mir ins Zimmer gestellt wurde, weil ich mich beklagt hatte, dass die Aircon nicht richtig funktioniert...
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Naja, Energiesparen ist auch ne Methode Wirtschaftskrisen zu verhindern oder abzudämpfen. Oder man zeigt einfach mal denen da oben, wo der Hammer hängt. So wie wir heute - als wir zur Bank gegangen sind und uns der freundliche Kundenberater ins VIP-Zimmer führte, wo es Getränke und Bonbons gab, weil die normalen Schlangen so voll waren und der VIP-Berater in seinem holzgetäfelten Palast gerade nichts zu tun hatte. Die Drei Weisen aus dem Morgenland setzten sich also gepflegt hin und sahen noch einen anderen Unterschied: Hier läut der Nachrichtensender YTN, im Warteraum für den einfachen Pöbel laufen Dramas und Spielshows aus dem Spartenfernsehen. Sollen Sie doch Ddeok essen, wenn Sie keinen Reis haben!
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Aber...war das vielleicht die viel beschworene Septemberkrise, deren Zeuge wir heute in Gangnam wurden? Ich mein....gibt es in Gangnam Freitag mittags nicht mehr genug Reiche, um einen einzelnen VIP-Berater zu beschäftigen? Naja, ich verbuche es mal unter koreanischer Gastfreundschaft. Fast hätte ich gefragt, ob ich abends in dem VIP-Raum schlafen darf. Geräumig, Flachbildschirme, kleine Küche, bequeme Ledercouches. Da ließe es sich schon leben.
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P.S.: Kleine Randnotiz, an alle, die schon ihre Krallen wetzen; der Kapitalismus wird nach Blick in mein Orakel auch dieses Mal nicht zusammenbrechen. Ist ein bisschen so wie mit der Demokratie: Ein Scheißsystem, bei dem sich alle irgendwie benachteiligt fühlen wollen - aber alle Gegenversuche sind (glücklicherweise) kläglich gescheitert. Wer eine schöne Idee für eine neue Gesellschaftsordnung hat, bitte in den Kommentaren posten, ich leite es an den geliebten Führer (oder seine Nachfolger eben...) weiter. Die stolzen Banner der leuchtenden Juche- und Seongun-Politik werden ja auf die Dauer auch ein wenig fad.
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So, genug ungeordnete Gedanken abgelassen, für heute.
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11.9.08

Ach ja und... | 그리고 말야..

Um den Tag richtig abzuschließen, erläuterte uns Herr Dr. Schirmer (oder Andreas für uns ^^) noch, dass die Übersetzungen, die wir im Unterricht machen nach einer Korrektur seinerseits unter unserem Namen als Kurzgeschichtensammlung auf Deutsch verlegt werden. Er bat aber um Verständnis, dass wir nur als seine Mitübersetzer erwähnt werden können und er nach außen den Herausgeber spielen muss. Ja ne, is klar. Geld bekommen fürs Lernen, Geld bekommen fürs Kino und dann noch ein Buch verlegt bekommen.
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Kinder, dieses Leben ist hart, aber es zahlt sich aus. In allen möglichen Bedeutungen von Wort- und Sinnebene.
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Jackpot | 땡잡았네

Wow. Das war heute ein Tag. Zunächst einmal bekam ich meine Ausländerregistrierungskarte heute zurück - sie war wie versprochen von der Immigrationsbehörde per Einschreiben geschickt worden (!) - ohne zusätzliche Kosten. Das nächste, was mich freute, war dann, dass offensichtlich meine alte Nummer reaktiviert wurde, d.h. ich war noch im System. Das bedeutet für mich, dass ich meine ganzen koreanischen Accounts von damals weiter benutzen kann. Sehr praktisch.
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Dann erfuhren wir, dass wir morgen auf Kosten der Akademie nach dem Unterricht mit den Koreanern trinken gehen sollen, so quasi als semi-freiwilliges Kennenlernen mit Bier und Chicken. Kostenlos saufen, auf Kosten der Regierung. Man nenne mir ein Land der westlichen Hemisphäre, wo das möglich ist.
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Der erste Unterricht endete dann mit einem weiteren Paukenschlag. Professor Kim rief uns in den kleinen Besprechungsraum und was er verkündete, war zu schön, um wahr zu sein. Frau Sohn hatte vorher etwas angedeutet, dass wir neue Vertrage unterschreiben müssten und ich war schon beunruhigt als sich dann alles auflöste.
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Die Verhandlungen mit dem Kulturministerium sind offenbar erfolgreich gewesen: Wir bekommen aufgrund der Inflation und unseres zusätzlichen Arbeitsaufwandes noch einmal 200.000 Won pro Monat mehr zum Stipendium dazu. In Anbetracht, dass ich das Stipendium für diesen Monat schon fast aufgebraucht habe, ohne allzu große Unternehmungen zu machen, braucht man das auch.
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Der Knaller kam dann hinten drauf: Zusätzlich hat sich die Regierung bereit erklärt zu dem Stipendium im Monat ein Budget von weiteren 400.000 für "Kulturelle Aktivitäten" bereitzustellen, das allerdings von den Bestimmungen des Ministeriums gedeckt sein muss.
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Diese Bestimmungen sind aber sehr lax. So wie es jetzt aussieht, ist der Hauptzweck zwar der Ankauf von Büchern, trotzdem sind Kurse (Traditionelle Musik, Kochen), DVDs (auch neue Filme), Kinobesuche, Theaterbesuche etc. alle ebenfalls davon gedeckt, solange sie koreanische Erzeugnisse sind bzw. Korea zum Thema haben. Beispiel: Musical Last Empress ist gedeckt, König der Löwn wohl nicht. Zwar werden 100.000 abgezogen, um einen neuen Lehrer für unsere Intensivkurse Koreanisch zu bezahlen, aber das macht nun echt nichts.
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300.000 Won im Monat, die ich frei für Kultur ausgeben kann bzw. sogar muss, weil sie sonst verfallen. Was gibt es Schöneres. Bei den hiesigen Preisen sind das 30 Bücher im Monat. Oder 35 Mal ins Kino. Oder oder oder. Jetzt werden wir nicht nur fürs Lernen bezahlt, sondern auch noch für Kinobesuche. Als erste Amtshandlung hab ich gleich mal meine Quittungen von den letzten Besuchen bei Bandis und Lunis bei Frau Sohn eingereicht. Nächsten Montag hab ich das Geld wieder auf dem Konto. Das Leben ist schön.
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Das erste, was meine Kommilitonen dazu meinten, war, dass man uns das Geld doch direkt hätte geben sollen. Ja. Genau das wollte die Regierung ja richtigerweise nicht. Es geht darum unsere Bildung zu fördern, nicht uns von dem "Mehr" in der Tasche die Leber weiter zu ruinieren. Ich finde die Haltung der Regierung vollkommen richtig und ebenso wie einige meiner Kommilitonen sind wir höchst zufrieden damit. Undankbarkeit ist wirklich eine weit verbreitete Krankheit.
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Ich glaube ich werde aus Feier des Tages meinen regierungskritischen Blog mal schließen müssen und ein Gedicht auf die Weisheit des geliebten Führers Lee Myeong-bak und den Minister für Volkserziehung und Propaganda, Yu In-chon, verfassen. Es lebe die Republik Korea!
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Ganz im Ernst. So schwer es mir dieses Mal fiel, Deutschland zurückzulassen. Herzukommen war die beste Entscheidung meines jungen Lebens. Die Förderung, sowohl geistig als auch materiell, ist noch viel besser als an der Godae.
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4.9.08

Treppen zum Himmel | 천국의 계단

So, nachdem ich jetzt auch meine Übersetzung für diese Woche fertig habe, kann ich Euch endlich mal mein kleines Paradies zeigen. Auf dem Dach der Akademie ist ein wunderbarer Dachgarten angelegt, der noch sehr neu ist, weshalb die ganze Pracht wohl erst in einigen Jahren zu sehen sein wird. Trotzdem ist es ein unglaublich toller Ort im sonstigen Gewusel Gangnams. Perfekte Lernatmosphäre, denn außer ein paar verrückten Ausländern auf der Suche nach Entspannung kommt da kaum jemand rauf. Da oben ist es wie Urlaub. Auch in der größten Mittagshitze weht eine angenehme Brise, von überall steigt einem der Duft von Wiese und Blumen in die Nase und man kann sich vollkommen auf seine Aufgaben konzentrieren - oder wie wir das vorgestern gemacht haben, die Wartezeit bis Herr Dr. Kwon uns zum Essen abholte, damit verbringen ein Eis zu essen.
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Im Folgenden also ein paar Impressionen von der Art wie ich derzeit meine Mittage verbringe. Ich versteh gar nicht, dass nicht jedes einzelne Gebäude Seouls einen Dachgarten hat. Das sollte verpflichtend sein. Die Zahl wird zwar von Mal zu Mal größer, aber noch immer gibt es da oben ungenutzte Flächen, die man ohne Zweifel zu perfekten Ruheräumen im Großstadttrubel ausbauen könnte - zumindest dort, wo auf der Straße nicht genug Platz ist und das ist in Seoul ja quasi überall.
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Der Eingangsbereich, wenn man vom Treppenhaus kommt. Fehlt nur noch ein Getränkeautomat.

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Die Sitzecken. Wo ich stehe, ist noch eine Markise mit Bänken und Stühlen.
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Die Leseecke, mit Blick auf COEX und KWTC. Und auf die Klimaanlage, deren Kühlung da wie ein Springbrunnen plätschert. Sehr beruhigend und entspannnd.















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Der beliebteste Platz, weil da der Aschenbecher ist. Da sind auch einige Koreaner zu sehen ^^
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Professoren sind auch Menschen | 교수님들도 인간이시다

Heute hatten wir Übersetzungstheorie bei einem DER großen Experten in dem Bereich in Korea, der aber lustigerweise nie eine Professur inne hatte, so wie auch sein ganzer Unterricht eher "laissez faire" ist, was einen nicht verwundern sollte, da er perfekt Französisch spricht und mehrere Jahre in Frankreich gelebt hat. Dementsprechend wechselt er ständig zwischen Englisch, Koreanisch, Französisch, sodass es manchmal recht schwierig ist zu folgen, aber der Kurs an sich ist super interessant. Lustigerweise merkte ich heute, dass mir Linguistik wirklich was gebracht hat, denn irgendwie ist mir heute zum ersten Mal aufgegangen, dass da eine wichtig Verbindung ist.
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Das beste am Kurs war aber seine leicht sarkastische Bemerkung, mit der er den Unterricht eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Ende beendete:
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"Wissen Sie, wenn Sie 5 Minuten Inhalt in einer Stunde mit schönen Worten erklären, dann werden Sie Professor. Und wenn Sie, so wie ich, 1 Stunde Inhalt in 5 Minuten erklären, dann werden Sie für immer stundenweise bezahlter Dozent bleiben. In diesem Sinne, ich gehe dann mal eine rauchen."
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Wir haben schon echt Glück mit Dozenten wie Dr. Schirmer, Dr. Kwon Se-hun, Dr. Kim Yun-jin, Dr. Kim Mi-ji. Das sind alles Kapazitäten, die Mensch geblieben sind. Die so viel beschworenen Klischees von Korea werden mir auch dieses Mal wohl eher nicht begegnen. Zumindest nicht die schlechten. Zum Abendessen lud uns Dr. Kwon ein und fragte jeden ganz genau aus, wo die Akademie noch was tun könnte, was uns fehle. Fürs nächste Wochenende wurden wir erst Mal zum Bergwandern mit anschließendem Abendessen bei ihm zuhause eingeladen.
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1.9.08

Klassensprecher Jan | 얀 반장

Boah, bin ich fertig. Alle meine Befürchtungen haben sich nicht bestätigt, nämlich, dass eventuell Rücksicht auf den Teil von uns genommen wird, der nicht so gut Koreanisch kann. Sicher, die Professorin heute hat vieles erläutert und angesprochen, was für die koreanischen Studenten klar war, dies aber in einem Tempo, dass es auch mir oft schwer war zu folgen.
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Was so gesehen nicht so schlimm war, nur leider wurde ich sofort von den Verantwortlichen ausgewählt der "Waegukin Banjang" zu sein, also quasi der "Klassensprecher" für uns Ausländer, was dazu führte, dass die englischen Ansagen im Laufe des Tages aufhörten und ich immer wieder in ratlose Gesichter meiner Kommilitonen blicken durfte, die auf Erklärungen meinerseits hofften. Jetzt bin ich also nicht nur Übersetzer, sondern gleichzeitig noch Dolmetscher.
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Dabei ist es gar nicht so, dass ich der beste Ausländer wäre. Eine aus Kanada ist absolut flüssig, eine Kommilitonin aus Bochum ist auch mindestens mein Niveau und ein Amerikaner und ein Franzose sind nicht sehr weit drunter. Überhaupt sind wir ein ziemlich durchmischter Haufen. Von "echten Ausländern" über Adoptierte, Kyopos und koreanische Ajummas (56 Jahre) ist alles dabei. Ich bin natürlich wieder mal der Jüngste.
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Jedenfalls hat man heute schon gelernt, dass wir aus diesem einen Jahr derart gestählt hervor gehen werden, dass mein Master-Studium auf Koreanisch wohl ein Klacks wird. Die anderen haben jetzt jedenfalls erst einmal 4 Stunden Zusatzkurs in Koreanisch bekommen.
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Die Organisation ist übrigens total klasse. Wir haben zunächst mal zur Begrüßung ein 4-Gänge-Menü (13 Gerichte) zum Mittagessen bekommen, dann gab es in der Pause der Vorlesung Kaffee, Tee und Kekse und uns wurden schon mal die Lesematerialien für die nächste Woche vorgelegt. Dass Kopien nicht extra gemacht werden müssen, ist ja noch normal, aber dass wir gnaze Sätze Bücher bekommen, war für mich auch unerwartet. Bin mal gespannt, wie das alles weitergeht.
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Jetzt ist es kurz vor 8 und ich könnt schon wieder schlafen. Werde ich wohl auch gleich tun ^^;;
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25.8.08

Stundenplan | 시간표

Wie die meisten Leser inzwischen mitbekommen haben dürften, ist mein diesjähriger Korea-Aufenthalt hauptsächlich der Verbesserung meiner Übersetzerfähigkeit gewidmet und auch wenn ich denke, dass die Akademie wohl nichts an meiner Überzeugung ändern wird, dass ich nicht hauptberuflich Übersetzer werden möchte, so möchte ich doch zumindest offen und mit aller Kraft an das Thema herangehen.
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Dass wir, die wir der erste Jahrgang der Akademie sind, Versuchskaninchen sind, ist mir ebenso klar, doch habe ich damit aufgrund meines bisherigen Ausbildungsweges nun wirklich keine Probleme.
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Der Stundenplan ist auch durchaus interessant und ich denke, ich werde viele interessante Dinge erfahren können.
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Stundenplan
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Mo (14-17 Uhr): Literaturgeschichte 한국문학사
Di (13-17 Uhr): Übersetzungspraxis 번역이론
Mi (15-17 Uhr): Koreanisch für Fortgeschrittene 고급한국어
Do (14-17 Uhr): Übersetzungstheorie 번역이론
Fr (14-17 Uhr): Ideen-, Kunst- & Kulturgeschichte 한국 사상/문화/예술사
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In Anbetracht der Übersetzungen, die auf uns zukommen, wird wohl doch recht wenig Zeit für anderes bleiben, aber ein bis zwei kleinere Nebenjobs, um mir Reisen zu finanzieren, werden wohl machbar sein. Je mehr hier in Berlin alles in trockenen Tüchern ist und die zukünftigen Aufgaben in Korea Form annehmen, desto mehr steigt die Vorfreude und die Neugier, auf das, was mein nächstes Jahr ausmachen wird.
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Ich denke, wir können alle gespannt sein ;)
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