Jeden Buerger Suedkoreas kostet das heutige landesweite Spektakel etwa 20.000 Won. Allein deshalb sollte man schon das Recht wahrnehmen und das teure Hobby Demokratie ausüben.
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Wo so viel Schlechtes über koreanische Politik geschrieben wird, möchte ich auch mal ein paar lobende Worte loswerden, wenn auch weniger über Politik an sich, sondern die Verwaltung derselben:
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1. Extrem super ist, dass jeder Haushalt von der Wahlkommission eine Infobroschüre von allen Kandidaten zugeschickt bekommt. Das ist oft ein ganz schöner Wust und viel Information findet sich darin dann auch nicht, aber es gibt wirklich überraschend viele, die sich das zumindest anschauen.
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2. Überhaupt vom ganzen Prozedere kann sich Deutschland ne Menge abschauen. Automatische Erfassung bis hin zur Wahlbeteiligung, die alle paar Minuten recht genau aktualisiert wird, eindeutige Markierung der Stimmzettel durch einen Stempel. Rasche Auszählung durch automatische Zählmaschinen (wird natürlich noch mit Hand überprüft, aber es macht den Prozess schneller). Alles sehr einfache Mittel, mit denen sich der Aufwand einer Wahl verringern lässt.
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Trotzdem ist es wegen des komplizierten Wahlablaufs (man bekommt erst 4 Wahlzettel, wirft die ein, bekommt dann noch mal 4) zu einiger Verwirrung gekommen. Zudem haben einige nicht mitbekommen, dass auf den Wahlen zu den Bildungsbeiraeten keine Parteien angegeben sind und standen dann verwirrt vor einer Latte nichtssagender Namen.
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Wahlbeteiligung
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Wie sieht die Wahlbeteiligung aus? Durchwachsen bis gut. Höher als bei den Parlamentswahlen, leicht niedriger als bei den letzten Kommunalwahlen. Es zeigt sich ein ganz deutliches Muster; in Großstädten, wo alles klar ist (Gwangju, Daegu, Busan) ist die Wahlbeteiligung niedrig, in stark politischen ländlichen Gebieten, wo alles klar ist, wird trotzdem viel gewählt (Jeonnam, Jeonbuk, Ulsan, Gyeongbuk). Und besonders viel wird gewählt in den Gebieten, in denen es den letzten Umfragen zufolge sehr sehr knapp war (Gyeongnam, Gangwon, Jeju, Chungbuk).
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Daher ist über diese Gebiete wirklich keinerlei Aussage zu treffen. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber erste Beobachtungen sagen, dass die Hoffnungen der Linken auf eine hohe Wahlbeteiligung unter den jungen Leuten sich derzeit nicht so kristallisieren.
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Sorgen machen muss der linken Opposition insbesondere die sehr niedrige Wahlbeteiligung in Seoul, aber auch in Gyeonggi und vor allem in Incheon. Wir haben naemlich ein kurioses Phaenomen: Obwohl es hier um eine Halbzeitwahl geht, bei der die Regierung abgestraft werden soll, hilft eine niedrige Wahlbeteiligung der Regierung, weil die aelteren, regierungstreuen Waehler ohnehin waehlen gehen - und dies nicht zuletzt durch die Cheonan-Krise noch verschaerft wurde. Bei den Menschen ueber 60 erwartet man eine Wahlbeteiligung von 70-80% (!!).
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Das einzige, wo ich mir nach allen Infos bisher recht sicher bin: Seoul ist verloren fuer die Opposition, Oh Se-hoon wird der erste Buergermeister sein, der eine Wiederwahl schafft. Alles andere ist "투표함 두껑 열어봐야 알지" ..."weiss man erst, wenn der Deckel der Wahlurnen geoeffnet wird". Hat sich so eingebuergert, wobei auch das ja nicht stimmt - auszaehlen muss man ja schliesslich auch dann noch.
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Update:
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Um mal einen kleinen Eindruck zu geben - in Daegu liegt die Wahlbeteiligung Stand 14:50 bei 35,1%, in Jeju bei 52,9% (!!). Das sind fuer koreanische Verhaeltnisse jetzt doch schon ziemlich gute Zahlen. In der Hauptstadtregion stabil um die 37-38% bisher. Aber wie gesagt, die Frage bleibt: Sind es junge Waehler oder aeltere? Meine Quellen sagen es sind die aelteren, die Medien spekulieren in alle Richtungen. Schwierig schwierig.
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Update 2: Die Wahlbeteiligung steigt deutlich, sogar ueber das Niveau der letzten Kommunalwahlen. Noch immer ist nicht klar, wer davon profitiert, aber wenn die Wahlbeteiligung so stark steigt (bis zu 4% werden vorausgesagt), muessen auch viele junge Waehler gegangen sein. Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen, die ich heute in zwei Wahllokalen in meinem Bezirk gemacht habe: Lange Schlangen, viele viele junge Waehler. Koennte tatsaechlich noch was drin sein fuer die Opposition. Noch 32 Minuten, dann wissen wir mehr.
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Update 3: Muss gleich wieder ins Studio, nur ganz kurz: Riesenueberraschung in Seoul - extrem eng 47.4 zu 47.2, in Gyeonggi liegt die Hannara vorn, in Incheon die Minjudang, superknappe Rennen ueberall, ohne Frage DIE spannendste Wahl seit der Demokratisierung. Noch ist nichts raus. Es sieht allerdings so aus als haetten die Pro-Roh-Kraefte den Bildungsstadtrat vin Seoul gewonnen. Sehr sehr uneinheitliche Ergebnisse, teils grosse Unterstuetzung fuer Roh-Kraefte, teils klare Niederlagen. Vollkommen unuebersichtlich. Aber auf jeden Fall nicht der grosse Sieg, den sich die Hannara erhofft hatte. Regierungen werden halt doch immer abgestraft.
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Update 4: Gangwon ist verloren fuer die Hannara, die erste dicke Ueberraschung. Daegu, Busan, Ulsan, Gyeonggi, Gyeongbuk fuer die Hannara - der klare Sieg fuer Kim Mun-su in Gyeonggi ist eine faustdicke Ueberraschung. Die Minju liegt in Incheon, Gangwon, Jeonnam, Jeonbuk und Gwangju vorne, wobei Gangwon wie gesagt ne riesige Ueberrschung ist und Incheon auch ein extrem wichtiger Sieg.
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Update 5: Das Meinungsforschungsinstitut Realmeter sieht die Lage deutlicher fuer die Hannara, mit 9 zu 5 und Oh Se-hoon ueber 10% vorne in Seoul - irgendeiner liegt daneben. Sehr interessant. Noch sind die Auszaehlungsfortschritte nicht auf der Seite der NEC, erst dann wird sich ein klarerer Trend herausstellen.
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Update 6: Die Auszaehlungsergebnisse kommen rein. Jetzt wird es spannend, insbesondere in Seoul. 0.2% Unterschied in der Projektion bei ueber 3.400.000 abgegebenen Stimmen, das kann bis heute Nacht um 3 oder 4 Uhr gehen.
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Update 7: Wow, das koennte echt ein typischer Fall von "좋다 말았네", zu Deutsch "zu frueh gefreut" werden fuer einige. Entgegen der offiziellen Prognosen liegt nach sich stabilisierenden Auszaehlungsergebnissen die Hannara in Incheon deutlich vorne und in Seoul bei 0.2% Auszaehlung (also unverlaesslich) deutlich vorne. In Gyeonggi ist es fast eine Deklassierung mit inzwischen 58% fuer Kim Mun-Su. Was sich in Incheon abgespielt hat, dass es jetzt so komisch aussieht, muss noch gesehen werden. Kann sich wie gesagt auch noch einmal aendern, aber es ist schon ueberraschend. Auch in Jeju liegt der konservative, unabhaengige Regierungskandidat entgegen erster Prognosen deutlich vorn.
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Auch der konservative Bildungsbeauftragte in Seoul liegt wieder vorne, auch in Gangwon liegt man wieder vorne, auch in Cheongbuk. Nur Gyeongnam und Chungnam bleiben stabil fuer Unabhaengige bzw. die Minju.
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Aber noch einmal: Der Auszaehlungsstand liegt erst zwischen 0.2 und 13%.
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Von wegen "Auszaehlung bringt Klarheit", das Bild wird nur noch wirrer. Vielleicht das Ergebnis vom Spiel mit dem Feuer: Hannara-Kandidaten, die populistisch auf Nordkorea-Bashing setzen, Oppositionskandidaten, die populistisch auf Tiraden wie "Stimmen Sie fuer Frieden und gegen Krieg" gesetzt haben. Zwei voellig entgegengesetzte Bewegungen haben heute offensichtlich stattgefunden.
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Uebrigens moechte ich noch einmal warnen: Wer meint, dass Waehler in den 20ern mehr zaehlen oder richtiger liegen als solche in den 60ern, der sollte mal ueberlegen wie weit es mit seiner demokratischen Einstellung her ist. Ich finde es genauso bewegend heute ein junges Maedchen zu sehen, das an ihrem Geburtstag zum ersten Mal waehlt, genauso wie die alte Omi mit 111 Jahren (!), die gestuetzt von ihren Kindern von ihrem Wahlrecht Gebrauch macht. Jede Stimmt zaehlt, jede ist ein Bekenntnis zu einem System (im Gegensatz zu dem, was einem mancher einreden moechte, gibt es in Korea keine antisystemischen Parteien).
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Update 8: Und jetzt gehts wieder in die andere Richtung. Herrlich dieses Spiel. Han liegt jetzt in Seoul knapp vorn, allerdings sind noch keinerlei Ergebnisse aus Gangnam, Songpa und Gangdong, den Hochburgen der Hannara da. Incheon wird wieder knapper, in Gangwon liegt die Minju wieder vorne. Ein einziges Auf und Ab.
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Update 9: Wenn man sich die Ergebnisse aus den Kreisen und Bezirken anguckt, dann wird klar, dass die Minju wohl sehr gut abschneiden kann. Die prominenten Kandidaten der Hannara schneiden gut ab, aber in der Breite kann die Minju extrem viele Kreise und Bezirke erobern. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es ein Kampf einer Partei gegen 5 Parteien ist, wenn man die Parteien vergleicht. Die Linken sind durch Zusammenarbeit erfolgreich - das ist aber auch nichts Neues. Was bleibt: Die Hannara kann auch als Regierungspartei einigermassen stabil bleiben, teils sogar zulegen, die Opposition vereinigt ist aber mindestens ebenso stark und insbesondere bei den Juengeren gibt es teils gewaltige Verschiebungen. Der Grund: Viele linke Wechselwaehler sind zur Hannara 'zurueckgekehrt', wegen Nordkorea und Sicherheitsfragen, viele junge Waehler sind zur Minju 'abgewandert', weil sie "eine Kontrolle der Regierung" wollen. Was natuerlich Quatsch ist, weil es keinen Bundesrat gibt, aber man weiss schon, was gemeint ist ^^
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Ich wuerde jetzt so weit gehen, zu sagen, dass es ein Sieg fuer die Minju ist, ein Daempfer fuer die Hannara - aber wenn wir uns mal vor Augen fuehren, was es sonst fuer Verschiebungen gab bei Wahlen fuer Regierungsparteien, ist das Hannara-Abschneiden nichtsdestotrotz mehr als bemerkenswert.
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Update 10: In den Hochburgen der Hannara im Seouler Suedosten sind die Leute zuhause geblieben. Normalerweise waren Gangnam und Seocho die Gebiete mit der hoechsten Wahlbeteiligung allgemein und der groessten Unterstuetzung fuer die Hannara, doch dies mal sind viele zuhause geblieben. Einerseits aus Enttaeuschung, andererseits auch, weil man dachte in Seoul sei alles klar. So schnell kanns gehen, wenn man sich auf Umfragen verlaesst. Ueberall hat die Minju in den letzten 3-4 Tagen extrem aufgeholt. Zu meiner Ehrenrettung moechte ich betonen, dass meine Vorhersage gar nicht sooo schlecht war, wenn man bedenkt, dass sie vor einer Woche getaetigt wurde.
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Im Moment wuerde ich sagen, dass Han Myeong-suk gewinnt. Gut ist das fuer Seoul nicht, wenn ich mir ihre Verwaltungskenntnis und die Kenntnis ihrer eigenen Vorschlaege anschaue. Aber wie sagt der Koreaner, 민심은 천심 "Volkes Wille ist Himmels Wille". In den Bezirken haut die Minju einen Hannara-Buergermeister nach dem anderen raus. Lustigerweise ist einer der wenigen Bezirke fuer die Stadtversammlung, wo die Hannara sich behaupten konnte meiner hier. Tja, war aber auch kein Geheimnis wen "Lotte Castle" waehlt und wen nicht.
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Witzig ist uebrigens, dass Jeju wohl erstmals von einem Konservativen regiert werden wird. Der einzige Zugewinn fuers konservative Lager.
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Achso und noch mal zu der Situation in Suedwest und Suedost: Von den Unabhaengigen im Suedosten sind 3/4 und mehr Konservative - das sind meist Pro-Parkler und sonstige Abtruennige, die aber stockkonservativ ist. Deshalb auch die leichten Verluste im Suedosten fuer die Hannara. Das konservative Lager an sich hat im Suedosten sogar noch zugelegt im Vergleich zu den letzten Wahlen. Auch in Honam hat die Hannara von praktisch nicht existent (5-7%) auf Platz 2 im Parteiensystem deutlich zugelegt (13-17%), teils mehr als verdoppelt. Aber das nutzt ja nix. Fuer die Praesidentenwahlen braucht man die Hauptstadtregion. Und die liegt bei fast genau 50:50 zwischen den Lagern.
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Update 11: Der Vorsprung von Han wird groesser, Seoul ist denke ich verloren und damit die Niederlage fuer die Hannara perfekt. Was mich aber ueberrascht, ist die Ehrlichkeit auf allen Seiten.
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Der Vertreter der Hannara gibt eine Niederlage zu und verspricht eine Aenderung in der Regierungspolitik, der Vertreter der Minju gibt zu, dass die Buerger nicht fuer die Linken, sondern gegen die Regierung gestimmt haben und dass aus diesem Ergebnis keinerlei Schluesse fuer weitere Wahlen gezogen werden koennten, auch weil jetzt die Spannungen unter den linken Parteien wieder aufbrechen wuerden. Zudem verspricht er die erfolgreiche Arbeit (!) der im Zuge der Wahlen abgewaehlten Hannara-Buergermeister fortzusetzen. Erfrischend sowas im Vergleich zu Deutschland, wo man auch noch 15% Verluste als Sieg verkauft.
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Update 12: Ueberraschung am Morgen - Oh Se-hoon hats noch gedreht und ist der erste Seouler Buergermeister in der Geschichte, der eine zweite Amtszeit erhaelt. Glueckwunsch! Dafuer ist ueber Nacht Jeju doch noch knapp fuer die Konservativen verloren gegangen. Genauere Analysen gibts heute abend, jetzt muss ich mich erst mal wieder ein wenig um die Uni kuemmern.
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Update 13: Die gesamte Parteifuehrung der Hannara ist zurueckgetreten - ein Schritt, der nach Niederlagen immer vollzogen wird. Hauptgrund fuer die Niederlage der Hannara war wie gesagt die mangelnde Mobilisierung und das insbesondere weil man den Pro-Park-Fluegel nicht zum Mitziehen bewegen konnte. Gegen ein vereintes linkes Lager konnte man so nichts ausrichten. Das wird noch Diskussionen mit sich ziehen.
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Zum Abschluss vielleicht noch ein Fazit von einem guten Kumpel von mir, der gestern links gewaehlt hat: "Das Problem ist, dass die Linken nie das tun, was sie versprechen. Deswegen waehle ich die nur solange die in der Opposition sind. Das Problem an der Hannara ist, dass sie genau das tut, was sie vorher verspricht."
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Treffender kann man es kaum sagen.
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Posts mit dem Label Wahlen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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16.5.10
Framing
Framing bezeichnet in der Politischen Kommunikation grob gesagt einen Vorgang, bei dem ein politischer Vorgang, ein Thema, ein Kandidat oder Ähnliches so zurechtgestutzt wird, das es ins Weltbild passt bzw. den eigenen Anhängern oder einer bestimmten Zielgruppe vorgesetzt werden kann. Das geht grundsätzlich mit jedem Thema und das scheint jetzt auch endlich mal jemand der Opposition in Korea gesagt zu haben.
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Das Problem der Opposition ist derzeit, dass ihr Thema, Gedächtnis an Roh Moo-hyun und selbst der Immerzünder Watschn für die Regierung nicht so richtig ziehen. In den wichtigen Rennen liegen die meisten Kandidaten der DP noch immer 10-20% zurück und selbst wenn da noch vieles in Bewegung ist (ich sehe z.B. Incheon als sehr wahrscheinlich für die DP, obwohl sie da noch bis zu 10% zurückliegen), sieht es nicht so gut aus wie man sich das erwartet hat.
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Cheonan ist naemlich immer noch ein Thema. Am 20. wird das offizielle Untersuchungsprotokoll vorgestellt. Dann geht es erst richtig los. Und die "issue ownership" bei Nordkorea ist laengst nicht mehr bei der Opposition wie noch zu Kim Dae-jungs Zeiten, sondern eindeutig bei der Hannara (ca. mit 45% zu 15%). Und dann gilt es für die DP in diesem Thema zu konkurrieren. Denn selbst wenn man im Issue unterlegen sein mag, gar nicht darin zu konkurrieren funktioniert uach nicht.
Während hier auf dem Blog ja immer noch Leute rumgeistern, die meinen der Norden habe nichts mit der Cheonan-Katastrophe zu tun, haben Sogar die Roh-Getreuen von der neugegründeten Bürgerbeteiligungspartei, die in der Provinz Gyeonggi mit Ryu Si-min den Gouverneurskandidaten stellt, machen sich inzwischen ein Türchen auf. Zusammengefasst:
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"Wir sind immer noch nicht überzeugt davon, dass Nordkorea hinter der Sache steckt. Sollte es aber so sein, ist die Regierung Lee dran Schuld, denn sie hat unsere erfolgreiche Sonnenscheinpolitik kaputt gemacht und den Norden in die Enge getrieben. Lee Myung-bak ist also indirekt für den Tod der jungen Soldaten verantwortlich."
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Ehre wem Ehre gebührt, auch wenn mir bei der Logik natürlich mehr als übel wird. Aus der Warte der politischen Kommunikation und Wahlkampfgestaltung aber ziemlich gut gemacht sich aus der Zwickmühle zu befreien, die der Norden gestellt hat. Leute wie Han Myeong-suk und Ryu Si-min wissen einfach wie Politik gemacht wird.
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P.S.: Die Wahlempfehlung des Nordens für die Linken bei den Regionalwahlen wird keine Auswirkungen haben, denke ich. Das hatten sie in der Vergangenheit nie. Weder positiv noch negativ.
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Das Problem der Opposition ist derzeit, dass ihr Thema, Gedächtnis an Roh Moo-hyun und selbst der Immerzünder Watschn für die Regierung nicht so richtig ziehen. In den wichtigen Rennen liegen die meisten Kandidaten der DP noch immer 10-20% zurück und selbst wenn da noch vieles in Bewegung ist (ich sehe z.B. Incheon als sehr wahrscheinlich für die DP, obwohl sie da noch bis zu 10% zurückliegen), sieht es nicht so gut aus wie man sich das erwartet hat.
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Cheonan ist naemlich immer noch ein Thema. Am 20. wird das offizielle Untersuchungsprotokoll vorgestellt. Dann geht es erst richtig los. Und die "issue ownership" bei Nordkorea ist laengst nicht mehr bei der Opposition wie noch zu Kim Dae-jungs Zeiten, sondern eindeutig bei der Hannara (ca. mit 45% zu 15%). Und dann gilt es für die DP in diesem Thema zu konkurrieren. Denn selbst wenn man im Issue unterlegen sein mag, gar nicht darin zu konkurrieren funktioniert uach nicht.
Während hier auf dem Blog ja immer noch Leute rumgeistern, die meinen der Norden habe nichts mit der Cheonan-Katastrophe zu tun, haben Sogar die Roh-Getreuen von der neugegründeten Bürgerbeteiligungspartei, die in der Provinz Gyeonggi mit Ryu Si-min den Gouverneurskandidaten stellt, machen sich inzwischen ein Türchen auf. Zusammengefasst:
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"Wir sind immer noch nicht überzeugt davon, dass Nordkorea hinter der Sache steckt. Sollte es aber so sein, ist die Regierung Lee dran Schuld, denn sie hat unsere erfolgreiche Sonnenscheinpolitik kaputt gemacht und den Norden in die Enge getrieben. Lee Myung-bak ist also indirekt für den Tod der jungen Soldaten verantwortlich."
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Ehre wem Ehre gebührt, auch wenn mir bei der Logik natürlich mehr als übel wird. Aus der Warte der politischen Kommunikation und Wahlkampfgestaltung aber ziemlich gut gemacht sich aus der Zwickmühle zu befreien, die der Norden gestellt hat. Leute wie Han Myeong-suk und Ryu Si-min wissen einfach wie Politik gemacht wird.
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P.S.: Die Wahlempfehlung des Nordens für die Linken bei den Regionalwahlen wird keine Auswirkungen haben, denke ich. Das hatten sie in der Vergangenheit nie. Weder positiv noch negativ.
6.5.10
Felix Britannia
Großbritannien ist ziemlich am Ende. In jeder Hinsicht. Aber was dieses verzweifelte Land mit seiner tiefsitzenden Politikverdrossenheit in den letzten Wochen für einen Wandel hingelegt hat, ist einfach nur faszinierend.
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Habe das sehr intensiv auf verschiedenen Seiten miterlebt, wie aus einer absoluten Anti-Stimmung eine Entscheidung zwischen drei klaren Alternativen (Tories, Labour, LibDems) geworden ist. Jeder Politiker vertritt einen anderen Stil, jede Partei ein klar abgrenzbares Programm. Das alles aber größtenteils in fairer Art und Weise. Spannende Debatten, leidenschaftlicher Einsatz im Wahlkampf.
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Resultat: Unabhängig vom Wahlergebnis (das wird natürlich auch sehr spannend) hat die Demokratie gewonnen: Trotz großer Probleme, trotz allgemeiner Politikverdrossenheit stehen die Leute in Schlangen vor den Wahllokalen, die Wahlbeteiligung wird wohl um bis zu 10% (!) hochgehen. Und während Wahlbeteiligungen nur Schall und Rauch sind, ist es die Beteiligung, die lebendige Diskussion, die so interessant ist. Natürlich alles nicht auf sonderlich hohem Niveau, aber immerhin findet eine echte Diskussion statt. Beneidenswert.
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Habe das sehr intensiv auf verschiedenen Seiten miterlebt, wie aus einer absoluten Anti-Stimmung eine Entscheidung zwischen drei klaren Alternativen (Tories, Labour, LibDems) geworden ist. Jeder Politiker vertritt einen anderen Stil, jede Partei ein klar abgrenzbares Programm. Das alles aber größtenteils in fairer Art und Weise. Spannende Debatten, leidenschaftlicher Einsatz im Wahlkampf.
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Resultat: Unabhängig vom Wahlergebnis (das wird natürlich auch sehr spannend) hat die Demokratie gewonnen: Trotz großer Probleme, trotz allgemeiner Politikverdrossenheit stehen die Leute in Schlangen vor den Wahllokalen, die Wahlbeteiligung wird wohl um bis zu 10% (!) hochgehen. Und während Wahlbeteiligungen nur Schall und Rauch sind, ist es die Beteiligung, die lebendige Diskussion, die so interessant ist. Natürlich alles nicht auf sonderlich hohem Niveau, aber immerhin findet eine echte Diskussion statt. Beneidenswert.
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28.9.09
Wahltipp Auswertung
Am Wahltipp hatten insgesamt 6 Personen teilgenommen.
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Errechnet man den Durchschnittswert der Tipps, kommt man auf dieses erstaunliche Ergebnis (in Klammern Abweichung zum echten Ergebnis).
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CDU/CSU 33.4 (0.4 zu schlecht bewertet)
SPD 25.6 (2.6 zu gut)
FDP 14 (0.6 zu schlecht)
Gruene 11.2 (0.5 zu gut)
Linke 11.2 (0.7 zu schlecht)
Piraten 1.9 (0.1 zu schlecht)
NPD 1.6 (0.1 zu gut)
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Gesamtabweichung von insgesamt nur SENSATIONELLEN: 5.0% !!!
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Bonus: Wahlbeteiligung 72.4 (1.6 zu gut bewertet)
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Bester Tipper und Rangliste
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1. Christian: 6.0 Abweichung (richtiges Ergebnis Gruene)
2. ICH: 6.4 Abweichung (0.2 Abweichung Gruene)
3. SaWe: 7.7 Abweichung (richtiges Ergebnis Linkspartei)
4. Nico: 10.3 Abweichung (richtiges Ergebnis NPD, 0.1 Abweichung FDP)
5. Alex K: 10.3 Abweichung (0.1 Abweichung FDP)
6. RJ: 10.5 Abweichung (0.2 Abweichung CDU, 0.3 Abweichung Gruene)
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Herzlichen Glueckwunsch. Der Sieger bekommt seinen feuchten Haendedruck in den naechsten Tagen zugeschickt ^^ Wahlweise beim naechsten Seoul-Besuch ein lecker Essen mit Bierchen.
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Errechnet man den Durchschnittswert der Tipps, kommt man auf dieses erstaunliche Ergebnis (in Klammern Abweichung zum echten Ergebnis).
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CDU/CSU 33.4 (0.4 zu schlecht bewertet)
SPD 25.6 (2.6 zu gut)
FDP 14 (0.6 zu schlecht)
Gruene 11.2 (0.5 zu gut)
Linke 11.2 (0.7 zu schlecht)
Piraten 1.9 (0.1 zu schlecht)
NPD 1.6 (0.1 zu gut)
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Gesamtabweichung von insgesamt nur SENSATIONELLEN: 5.0% !!!
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Bonus: Wahlbeteiligung 72.4 (1.6 zu gut bewertet)
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Bester Tipper und Rangliste
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1. Christian: 6.0 Abweichung (richtiges Ergebnis Gruene)
2. ICH: 6.4 Abweichung (0.2 Abweichung Gruene)
3. SaWe: 7.7 Abweichung (richtiges Ergebnis Linkspartei)
4. Nico: 10.3 Abweichung (richtiges Ergebnis NPD, 0.1 Abweichung FDP)
5. Alex K: 10.3 Abweichung (0.1 Abweichung FDP)
6. RJ: 10.5 Abweichung (0.2 Abweichung CDU, 0.3 Abweichung Gruene)
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Herzlichen Glueckwunsch. Der Sieger bekommt seinen feuchten Haendedruck in den naechsten Tagen zugeschickt ^^ Wahlweise beim naechsten Seoul-Besuch ein lecker Essen mit Bierchen.
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Label:
Blogverwaltung,
Deutschland,
Schwachsinn,
Statistik,
Wahlen
27.9.09
Und jetzt alle wieder klarkommen
Politische Wandel vollziehen sich stetig und langsam, an Wahltagen werden sie dann deutlich sichtbar. Mit aller Wucht und brachial in der Sache, vom Prozedere aber erstaunlich ruhig.
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Waren gestern bei der sehr netten Wahlparty von Goethe-Institut, Handelskammer und Botschaft. Publikum bis auf die Wirtschafts- und Teile der Stiftungsleute natuerlich straff links, dementsprechend die Stimmung nach den ersten Hochrechnungen straff in Richtung Rotweinvernichtung. Da wurde dann teils Trauerarbeit in Eckchen betrieben, teils die Wut aus dem Bauch getanzt, sich wie erwaehnt bei Gewinnern und Verlierern schlicht besoffen oder man diskutierte angeregt ueber Ministernamen. Alles in allem ein sehr sehr netter Abend, der mir vor allem zeigte, was fuer unterschiedliche Deutsche es doch in Seoul gibt.
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Es gab uebrigens dort auch eine "Seouler Wahl".
Genaues Ergebnis: Hier klicken (Danke Gitte ^^) Zusaetzlich gab es 4% Rechte, 2% MLPD und 2% Piraten....
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Faszinierend, dass es unter den Deutschen in Korea Leute gibt, die rechtsextrem
waehlen - oder waren es gar Koreaner.
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Inhaltlich gesehen
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Aber Mal zum Butter, wat bei die Fische zu kommen hat. Was wir gestern erlebt haben in voelliger Ruhe und Gelassenheit ist nicht mehr und nicht weniger als das endgueltige Ende alles dessen, was man als deutsche Parteienlandschaft kannte. Und das ist keine Uebertreibung. Es ist der letzte Sargnagel in die Bonner Republik.
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Und es war Mal wieder eine ziemliche Ohrfeige fuer die sogenannte Vierte Gewalt, die Medien. Finde eigentlich nur ich es komisch, dass sich in Deutschland die Waehler immer medial antizyklisch verhalten? Als in den Medien schwarz-gelb propagiert wurde, bzw. zumindest nicht niedergeschrieben wurde, waehlte man ploetzlich doch wieder Schroeder.
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Und jetzt, wo einem alle schlaue Journalisten erzaehlt haben, dass die SPD aufholt und ueberhaupt Zweierbuendnisse unmoeglich sind und man sich nicht so eingraben sollte in die Lager - da gewinnt das "altbackenste" aller Lager, die Mutter aller Bunker, sang- und klanglos mit satter Mehrheit, woran ich uebrigens selbst kaum noch geglaubt habe. Meine erste spontane Reaktion nach der Prognose: "Und dafuer haben wir uns jetzt Monate Argumente um die Ohren geschmissen, gekaempft und mediale Dauerbeschallung angetan?"
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Ist doch eigentlich so einfach: Waehlen gehen, Mehrheit. Bums. Ist Merkel mit ihrer Einlullungsstrategie also doch die Groestraz (groesste Strategin aller Zeiten?). Ich wette ein Drittel der Leute wusste gar nicht, dass ueberhaupt Wahlen sind. Da hilft es auch nichts, wenn Frankie diese Leute in seine "eigentlichen, also das erweiterte Waehler...spektrum" der SPD einbezieht.
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Auch wenn es vielleicht so klingt: ich freue mich ueber das SPD-Ergebnis kein bisschen. Sicher, es war ganz interessant die niedergeschlagenen SPD-Anhaenger zu sehen. Als ich mich anfing fuer Politik zu interessieren, haette ich nicht zu traeumen gewagt, dass wir mal mit dieser stolzen Partei auf Augenhoehe sein wuerden. 41 zu 6 stand es da. Sehen wie sich das in wenigen Jahren drehen kann, ist schon faszinierend, aber aus demokratietheoretischer Sicht sicher keine Genugtuung.
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Die SPD war ein grosser Bestandteil deutscher Nachkriegs-Erfolgsgeschichte, eben weil sie links war, aber Politik fuer die Realitaeten gemacht hat. Dass das jetzt wegbricht ist kein gutes Zeichen. Verdient ist die Niederlage allemal, begruessenswert trotzdem nicht wirklich.
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Zur FDP ist nicht mehr viel zu sagen. Konsequenz zahlt sich aus, jetzt muss man versuchen Kurs zu halten in der Regierung und die vielen neuen, motivierten Leute (von wegen "Leihstimmen", guckt euch die Analysen mal an!) auch einzubinden und zu halten. Im Uebrigen wird schwarz-gelb kein Stueck wie das damalige Schreckgespenst, das jetzt wieder gemalt wird. Auch wird die FDP nicht als Bettvorleger landen: Damals war das Kraefteverhaeltnis CDU/CSU/FDP 34 zu 8 zu 6...jetzt ist es 26 zu 6 zu 14...die FDP bringt fast 100 Abgeordnete in den Bundestag. Das wird wirklich spannend, wie sich da innerhalb der neuen Regierung alles sortiert.
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Persoenlich kann ich mich daran erinnern wie man als FDP-Anhaenger beschimpft und teils bespuckt wurde in Wahlkaempfen. Ignorieren der Argumente und Wahlergebnisse von 2% waren da noch die angenehmsten Seiten. Heute zieht Westerwelle in Ostdeutschland 2500 Leute auf einen Marktplatz. Wie sich die Zeiten doch geaendert haben. Warum eigentlich und wie?
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Da ist uebrigens noch eine Sache, die sich die Aelteren gar nicht vorstellen koennen. Es ist das gleiche Momentum wie damals bei Kohl: Leute aus der Generation wie meiner kennen ueberhaupt nichts anderes als die SPD in der Regierung. Ich kann mich dunkel an Kohl erinnern, aber nicht an seine konkrete Politik. Dafuer hat mich mein gesamtes politisches Leben die SPD als Regierungspartei begleitet. Das Debakel auf blosse Abnutzung zu schieben, greift sicherlich zu kurz, aber wenn ich mir ueberlege, dass ich keine andere Entwicklungshilfeministerin als Frau Wieczorek-Zeul kenne, ist es doch ganz gut, jetzt Mal ein paar neue Leute sich auszuprobieren zu lassen.
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In diesem Sinne: Schwarz-gelb wird kein Paradies aus Deutschland machen, aber sie werden auch nicht die Kinder von Hartz-IV-Empfaengern braten und Atomkraftwerke in Kreuzberg bauen. Ein demokratischer Regierungswechsel, eine Chance zur Erneuerung fuer abgenutzte Politik, neues Personal in der Regierung, veraenderte Strukturen - diese Ergebnis ist deutlich vielfaeltiger und interessanter als es die blossen Zahlen hergeben. Jetzt gleich wieder rumzuweinen ist echt nicht angebracht.
Und nicht zuletzt erweisen sich die Piraten als durchaus zukunftsfaehig. Kommt da vielleicht schon die sechste Partei hoch? Ein langer Weg liegt da noch vor, aber 2% auf Anhieb sind nicht schlecht.
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P.S.: Auswertung des Wahltipps folgt heute abend, habe die Daten gerade nicht da, aber es waren einige gute dabei^^ Die Auswertung ist dann der versprochen letzte Eintrag zur deutschen Politik fuer eine Weile
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Waren gestern bei der sehr netten Wahlparty von Goethe-Institut, Handelskammer und Botschaft. Publikum bis auf die Wirtschafts- und Teile der Stiftungsleute natuerlich straff links, dementsprechend die Stimmung nach den ersten Hochrechnungen straff in Richtung Rotweinvernichtung. Da wurde dann teils Trauerarbeit in Eckchen betrieben, teils die Wut aus dem Bauch getanzt, sich wie erwaehnt bei Gewinnern und Verlierern schlicht besoffen oder man diskutierte angeregt ueber Ministernamen. Alles in allem ein sehr sehr netter Abend, der mir vor allem zeigte, was fuer unterschiedliche Deutsche es doch in Seoul gibt.
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Es gab uebrigens dort auch eine "Seouler Wahl".
Genaues Ergebnis: Hier klicken (Danke Gitte ^^) Zusaetzlich gab es 4% Rechte, 2% MLPD und 2% Piraten....
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Faszinierend, dass es unter den Deutschen in Korea Leute gibt, die rechtsextrem
waehlen - oder waren es gar Koreaner.
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Inhaltlich gesehen
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Aber Mal zum Butter, wat bei die Fische zu kommen hat. Was wir gestern erlebt haben in voelliger Ruhe und Gelassenheit ist nicht mehr und nicht weniger als das endgueltige Ende alles dessen, was man als deutsche Parteienlandschaft kannte. Und das ist keine Uebertreibung. Es ist der letzte Sargnagel in die Bonner Republik.
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Und es war Mal wieder eine ziemliche Ohrfeige fuer die sogenannte Vierte Gewalt, die Medien. Finde eigentlich nur ich es komisch, dass sich in Deutschland die Waehler immer medial antizyklisch verhalten? Als in den Medien schwarz-gelb propagiert wurde, bzw. zumindest nicht niedergeschrieben wurde, waehlte man ploetzlich doch wieder Schroeder.
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Und jetzt, wo einem alle schlaue Journalisten erzaehlt haben, dass die SPD aufholt und ueberhaupt Zweierbuendnisse unmoeglich sind und man sich nicht so eingraben sollte in die Lager - da gewinnt das "altbackenste" aller Lager, die Mutter aller Bunker, sang- und klanglos mit satter Mehrheit, woran ich uebrigens selbst kaum noch geglaubt habe. Meine erste spontane Reaktion nach der Prognose: "Und dafuer haben wir uns jetzt Monate Argumente um die Ohren geschmissen, gekaempft und mediale Dauerbeschallung angetan?"
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Ist doch eigentlich so einfach: Waehlen gehen, Mehrheit. Bums. Ist Merkel mit ihrer Einlullungsstrategie also doch die Groestraz (groesste Strategin aller Zeiten?). Ich wette ein Drittel der Leute wusste gar nicht, dass ueberhaupt Wahlen sind. Da hilft es auch nichts, wenn Frankie diese Leute in seine "eigentlichen, also das erweiterte Waehler...spektrum" der SPD einbezieht.
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Auch wenn es vielleicht so klingt: ich freue mich ueber das SPD-Ergebnis kein bisschen. Sicher, es war ganz interessant die niedergeschlagenen SPD-Anhaenger zu sehen. Als ich mich anfing fuer Politik zu interessieren, haette ich nicht zu traeumen gewagt, dass wir mal mit dieser stolzen Partei auf Augenhoehe sein wuerden. 41 zu 6 stand es da. Sehen wie sich das in wenigen Jahren drehen kann, ist schon faszinierend, aber aus demokratietheoretischer Sicht sicher keine Genugtuung.
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Die SPD war ein grosser Bestandteil deutscher Nachkriegs-Erfolgsgeschichte, eben weil sie links war, aber Politik fuer die Realitaeten gemacht hat. Dass das jetzt wegbricht ist kein gutes Zeichen. Verdient ist die Niederlage allemal, begruessenswert trotzdem nicht wirklich.
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Zur FDP ist nicht mehr viel zu sagen. Konsequenz zahlt sich aus, jetzt muss man versuchen Kurs zu halten in der Regierung und die vielen neuen, motivierten Leute (von wegen "Leihstimmen", guckt euch die Analysen mal an!) auch einzubinden und zu halten. Im Uebrigen wird schwarz-gelb kein Stueck wie das damalige Schreckgespenst, das jetzt wieder gemalt wird. Auch wird die FDP nicht als Bettvorleger landen: Damals war das Kraefteverhaeltnis CDU/CSU/FDP 34 zu 8 zu 6...jetzt ist es 26 zu 6 zu 14...die FDP bringt fast 100 Abgeordnete in den Bundestag. Das wird wirklich spannend, wie sich da innerhalb der neuen Regierung alles sortiert.
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Persoenlich kann ich mich daran erinnern wie man als FDP-Anhaenger beschimpft und teils bespuckt wurde in Wahlkaempfen. Ignorieren der Argumente und Wahlergebnisse von 2% waren da noch die angenehmsten Seiten. Heute zieht Westerwelle in Ostdeutschland 2500 Leute auf einen Marktplatz. Wie sich die Zeiten doch geaendert haben. Warum eigentlich und wie?
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Da ist uebrigens noch eine Sache, die sich die Aelteren gar nicht vorstellen koennen. Es ist das gleiche Momentum wie damals bei Kohl: Leute aus der Generation wie meiner kennen ueberhaupt nichts anderes als die SPD in der Regierung. Ich kann mich dunkel an Kohl erinnern, aber nicht an seine konkrete Politik. Dafuer hat mich mein gesamtes politisches Leben die SPD als Regierungspartei begleitet. Das Debakel auf blosse Abnutzung zu schieben, greift sicherlich zu kurz, aber wenn ich mir ueberlege, dass ich keine andere Entwicklungshilfeministerin als Frau Wieczorek-Zeul kenne, ist es doch ganz gut, jetzt Mal ein paar neue Leute sich auszuprobieren zu lassen.
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In diesem Sinne: Schwarz-gelb wird kein Paradies aus Deutschland machen, aber sie werden auch nicht die Kinder von Hartz-IV-Empfaengern braten und Atomkraftwerke in Kreuzberg bauen. Ein demokratischer Regierungswechsel, eine Chance zur Erneuerung fuer abgenutzte Politik, neues Personal in der Regierung, veraenderte Strukturen - diese Ergebnis ist deutlich vielfaeltiger und interessanter als es die blossen Zahlen hergeben. Jetzt gleich wieder rumzuweinen ist echt nicht angebracht.
Und nicht zuletzt erweisen sich die Piraten als durchaus zukunftsfaehig. Kommt da vielleicht schon die sechste Partei hoch? Ein langer Weg liegt da noch vor, aber 2% auf Anhieb sind nicht schlecht.
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P.S.: Auswertung des Wahltipps folgt heute abend, habe die Daten gerade nicht da, aber es waren einige gute dabei^^ Die Auswertung ist dann der versprochen letzte Eintrag zur deutschen Politik fuer eine Weile
Tag der Entscheidung
Die Wahllokale sind offen. Macht was draus.
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Update 5:03 Uhr: Grins. Grins. Griiiiiiiiiiiiiiiins.
25.9.09
Elefantenfriedhof
Inzwischen ist durch verschiedene Interviews so gut wie bekannt, dass Merkel nie Kanzlerin geworden wäre, wenn Schroeder in der Elefantenrunde nicht so bräsig auftreten wäre. Ein Großteil dessen, was Westerwelle persönlich und die FDP als Ganzes in den letzten Jahren an Image-Zugewinn zu verbuchen hatte, ist ebenfalls in diesen Minuten entschieden worden. Wie sich Geschichte in wenigen Minuten ändern kann, das ist immer wieder beeindruckend. Was wird uns in weniger als 40 Stunden erwarten, wenn der Wähler wieder einmal zur Urne geschritten sein wird?
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Zur Erinnerung für alle retrospektiven Wähler noch einmal die Elefantenrunde 2005. Legendär noch immer die Stoiber-Faust bei Minute 6:16 und Westerwelles "Ich bin zwar jünger, aber nicht blöder":
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Und die Persiflage auf die eigentliche Persiflage von Kalkofe:
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Zur Erinnerung für alle retrospektiven Wähler noch einmal die Elefantenrunde 2005. Legendär noch immer die Stoiber-Faust bei Minute 6:16 und Westerwelles "Ich bin zwar jünger, aber nicht blöder":
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Und die Persiflage auf die eigentliche Persiflage von Kalkofe:
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21.9.09
Wahltipp 09
Aus Spass Mal mein offizieller Wahltipp, damit danach keiner sagen kann, ich haette es nicht vorhergesagt:
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CDU/CSU 34,7
SPD 25,5
FDP 13,4
Grüne 10,9
Linke 11,3
Piraten 1,4
NPD 1,1
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Wahlbeteiligung: 73,1
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Mein Fazit: Schwache CDU, starke FDP, SPD besser als erwartet, Piraten mit Ueberraschungserfolg, aber keiner Sensation. Wahlbeteiligung dank Luller-Wahlkampf ohne echte Themen im Keller. Lustigerweise tippe ich schwarz-gelb, glaube aber selbst nicht mehr so Recht dran.
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Wer auch tippen will, kann dies gerne in den Kommentaren tun. Der beste Tipp bekommt irgendwas, was ich mir im Laufe der Woche noch ausdenke.
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30.8.09
Feigenblaetter
Viel Erfolg den Gruenen und starke Nerven! Wenn schon die SPD kein Problem mit Steinzeit-Kommunisten und Stasi-Spitzeln hat, dann muss ja wenigstens eine linke Partei sich auf ihre Buergerrechts-Vergangenheit berufen.
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Die einzige Freude, neben dem Rennen um Platz 3 in Sachsen, war heute den voellig aufgebrachten Bodo Ramelow von der SED-PDS-Linkspartei zu sehen wie er ausrastete, weil die Gruenen ploetzlich nicht mit ihm koalieren wollten und auch Matschie dabei blieb, mit den Stasi-Spitzeln in die Regierung ist in Ordnung, aber nicht mit Ramelow als MP.
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Die einzige Freude, neben dem Rennen um Platz 3 in Sachsen, war heute den voellig aufgebrachten Bodo Ramelow von der SED-PDS-Linkspartei zu sehen wie er ausrastete, weil die Gruenen ploetzlich nicht mit ihm koalieren wollten und auch Matschie dabei blieb, mit den Stasi-Spitzeln in die Regierung ist in Ordnung, aber nicht mit Ramelow als MP.
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