Posts mit dem Label Pläne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pläne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10.7.10

Von Turteln und Tauben

Mein Blog ist derzeit so wie das deutsche Mittelfeld gegen Spanien: Quasi nicht existent, qualitativ hoffnungslos. Die Existenzfrage aendert sich wohl erst wieder, wenn mein Internet-Ajeosshi die Leitungen in meiner Wohnung freischaltet. Obwohl...
.
Naechste Woche bin ich schon mal drei Tage im Vor-Sommer-Urlaub verreist mit Hyeri, dann eventuell noch mal 3 Tage auf Geschaeftsreise irgendwo in Chungcheong-do und dann ist ja auch schon Anfang August und ich 2 Wochen in Jirye, was sich entweder in sehr vielen Postings auswirkt oder in gar keinen, weil ich wieder kranke Heuschrecken pflege und Rudertouren durch Bergseen unternehme. Hach, allein der Gedanke daran.
.
Und zwischendurch muss ich noch Geld verdienen, denn bald stehen die Studiengebuehren an und ich will trotzdem unbedingt und sofort das neue Galaxy S. Swype it baby! Deshalb sitze ich auch an einem Samstagfruehabend bei KBS rum. Kostenloses Internet und Arbeit. Freude!
.
Aber zuhause laesst es sich derzeit sowieso kaum aushalten. Hitze. Und wieder einmal sind meine Erzfeinde, die Columbia Columbianis Schuld an allem. Nein, ich habe nichts gegen Suedamerikaner (ausser gegen freistossschiessende Uruguayanerer), ich rede von der gemeinen (sehr gemeinen, moechte ich hinzufuegen) Taube.
.
Als ich heute morgen in den Fahrstuhl stieg, sah ich eine grosse Bekanntmachung: Ein Schwarm Tauben hat in der Lueftungsanlage genistet und gestern ist dabei wohl eine angesogen (?!) und gebraten worden. Ueber die genauen Zusammenhaenge will ich mir keine Gedanken machen. Zudem hat der Dreck der Tauben die Lueftung verschmiert. Alle Einheiten sollen ihre Aircon ausmachen, insofern sie ueberhaupt noch funktioniert. Angeblich nur elektrische Gruende, um nicht zu ueberlasten, aber das bezweifle ich doch sehr. Wir alle wissen, was fuer ein Bio-Kampfstoff Taubenkacka ist.
.
Die muessen da schon eine Weile leben und das heisst ich habe schon eine ganze Weile Taubendreck eingeatmet. Quasi direkt und ungeschuetzt. Naja, gut, es liegen 30 Meter und mehrere Lueftungen und Filter dazwischen und die betroffene Lueftung ist auch nur der Abzug, also es geht nur Luft von innen nach aussen. Aber wer mich kennt, weiss, dass 30 Meter zwischen mir und einer Taube kein genuegender Sicherheitsabstand sind und ich jetzt Panik schiebe. Ich hatte ja schon vor einigen Wochen eine Begegnung auf dem Raucherbalkon im sechsten Stock, wo ich die Tuer oeffnete und ploetzlich flatterten zwei Tauben weg (netterweise immerhin in die andere Richtung), woraufhin ich die Tuer wieder schloss und beschloss diesen zum Taubenpuff verkommenen Balkon nicht mehr zu benutzen. Nun also auch im neunzehnten Stock. Es bestaetigt meinen Verdacht, dass Tauben mir grundsaetzlich folgen, um mir das Leben unertraeglich zu machen. Nun haben sie also sogar gezielte biochemische Anschlaege geplant und durchgefuehrt.
.
Am Montag kommt also nicht nur der Internet-Ajeossi, sondern die Hausverwaltung hat auch gleich den Taubenterminator angerufen. Die Tauben werden schonend um die Ecke gebracht, per Wasserdruckstrahl. Puhar. Ich will auch so ein Ding haben. Vielleicht ist das ja im Galaxy S auch schon eingebaut. Dakdulgi Destroyer Application.
.
Womit wir auch schon bei der Vokabel des Tages waeren: 닭둘기 Dakdulgi - Eine Wortkreation, die die Woerter "Huhn" (Dak) und "Taube" (Bidulgi) verbindet und ein Modewort fuer die dreckigen und immer groesser werdenden Stadttauben in Seoul ist. Gestern habe ich eine gesehen, die war so gross wie ein Truthahn. Mindestens.
.

1.11.09

Doppelte Staatsbürgerschaft

Wo wir vor ein paar Monaten noch spekuliert haben, dass es ein Jahrzehnt dauern könnte, kommt nun die Regierung um die Ecke und bietet die doppelte Staatsbürgerschaft an. Und das Volk findet es angeblich gut.
.
Was sind die Bedingungen? Für mich ganz gut:
.
1. Insgesamt 5 Jahre in Korea gelebt (2 1/2 habe ich schon zusammen)
2. Militärdienst abgeleistet (habe ich sozusagen)
3. Experte (laut Definition der koreanischen Regierung bin ich das)
.
So viel zu den ersten Details, jetzt bin ich auf die genauen Bestimmungen gespannt. Die deutsche Staatsbürgerschaft hätte ich für die koreanische nicht aufgegeben, aber wenn man beides haben kann, warum nicht?!
Ich glaube das ist der Gedanke, der dahinter steckt. Und ich finde ihn nicht schlecht. Und bevor mir jetzt wieder jemand mit Korea-Träumerei ankommt: Es ist einfach viel einfacher hier zu leben, wenn man diese koreanische Nummer hat. Das hat nichts mit Verleumden der Heimat oder so einem Mist zu tun.
.
Wo ich meine Steuern zahle, wäre klar, aber ich hätte dann in 2 1/2 Jahren das andere Problem: Wählen gehen und vor allem wen?
.

28.6.09

Mein Nirvana heisst Jirye

.
Jawohl, ich habe endlich ein Ziel für meine Reise zu mir selbst gefunden. 13 Tage in der Künsterkolonie Jirye, vom 10. bis 23. August. Urlaub bei KBS und KTO ist bewilligt, Reservierung gemacht und meine Vorfreude platzt gerade durch die Decke.
.
Genauere Infos gibts, wenn ich da bin, aber nur so viel: Die Künstlerkolonie wird von einem Dichter betrieben, der Vorsteher einer Adelsfamilie ist, deren Stammhäuser in einem Tal durch einen Stausee überflutet werden sollten. Also nahm man die Häuser, setzte sie 200 Meter höher wieder zusammen und rettete sie so. Jetzt liegen die bis zu 350 Jahre alten Gebäude landschaftlich noch schöner, direkt am Stausee, umgeben von Bergen, mit dem Rest der Welt nur über eine Schotterpiste über den Berg verbunden. 4 Stunden bis Andong, dann noch mal 40 Minuten durch die Seenlandschaft bis zum Anwesen.
.
Da es in der Umgebung nichts gibt, werden alle Mahlzeiten im Anwesen zu sich genommen, in dem das Besitzerehepaar auch wohnt.
.
Ich hatte das Glück durch ein wenig Namedropping und meine Reportage-Tätigkeit für die KTO einen Super-Rabatt zu bekommen - und wenn ich bei der Arbeit im Garten helfe, kann ich sogar kostenlos (!) dort bleiben. Der Raum hat keinen Fernseher. Es ist wie ein buddhistischer Tempel nur ohne das frühe Aufstehen. Genau, was ich gesucht habe. Einfach nur genial.
.
HIER gibt es noch einen schoenen Fotoessay von Ohmynews, in dem man das Dorf zu der Zeit sieht, in der ich dort sein werde.
.
Beneidet mich, freut Euch für mich - wartet gespannt auf weitere Berichte. Jetzt aber erst einmal noch einen Monat lang volle Pulle durcharbeiten. Aber für absolute Ruhe, Schwimmen im See, Wanderungen in die Umgebung und zu mir kommen, kann ich mich jetzt auch noch mal ein wenig in die Pedale legen.
.

24.6.09

Tipps für meinen Trip

Habe gestern Nacht noch einmal ein wenig recherchiert. Es gibt wirklich unglaublich viele Hanok-Unterkünfte und trotz Hauptreisezeit ist man als Alleinreisender wirklich noch ganz gut dran.
.
Habe jetzt mein Reiseziel auf Südwestküste und Inseln, Westküste und Inseln, Andong oder Jirisan eingegrenzt. Am liebsten aber Insel weit weg (Bogildo, Heuksando, Hongdo, Jeungdo etc.).
.
Wer also in diesen Gebeiten schon Mal war und zufällig noch eine gute Unterkunft kennt oder von jemandem gehört hat, dessen Großtante 4. Grades einen Bekannten hat, der dort schon einmal war, bitte Bescheid sagen.
.

17.3.09

Global Korea Scholarship

Herr Lee moechte das Image Koreas aufpolieren und dazu hat er sich eine Menge von Initiativen ausgedacht bzw. vom Präsidenten der Korea-Universität ausdenken lassen. Während auf der einen Seite sehr begruessenswerte Massnahmen, z.B. durch die Ausweitung der Rolle in internationalen Organisationen (bin ich ja gerade dabei, das fuer die UNWTO hinzubekommen :D) und Entwicklungshilfe geplant sind, gibt es natuerlich auch nicht so erfolgversprechende, die unter die Rubrik "sie lernen es nie" fallen.
.
Das Marketing soll verstaerkt werden, es soll mehr Informationen ueber Korea im Ausland geben. Faktisch heisst das aber sicher nicht, dass das KLTI und die Korea Foundation ihre gute Arbeit durch mehr Mittel intensivieren koennen, sondern wohl vor allem, dass schlecht gemachte Zeitungsanzeigen ueber Dokdo ins letzte hinterbrandenburgische Provinzblaettchen gepappt werden. Da spricht wieder der Pessimist aus mir.
.
Etwas sehr Lobenswertes hat "unser" KU-Präsident aber dann doch noch aus seinen Erfahrungen in der Leitung der KU geschlossen: Es muss der akademische Austausch zwischen den Laendern verbessert werden. Faellt natuerlich frueh auf, jetzt nachdem man so ziemlich die wichtigsten Kanaele der KF geschlossen hat und auch ansonsten in dem Bereich wild gespart hat.
.
Jetzt aber soll eine Global Korea Scholarship geschaffen werden, mit der exzellente Korea-Experten herangezuechtet werden sollen. Mal schauen wie schnell das geht und wie genau das aussieht. Wenn es ein Huerdenlauf wird wie beim DAAD dann hab ich jetzt schon Angst davor.
.
Auch wenn diese GKS nicht so schnell geschaffen wird, haben sich in den letzten 2 Tagen noch 2 weitere Perspektiven fuer meine Zukunft aufgetan. Aber dazu mehr, wenn ich erst einmal am Donnerstag mit Prof. Lee gesprochen habe und überhaupt raus ist, ob ich nicht doch nach Deutschland zurückkomme. Im Moment führt "Variante 4" knapp vor Variante Berlin und vager Variante 3, während Variante 1 (KTO) inzwischen Variante 2 (Godae-Master allein) wieder deutlich überholt hat. Seufz.
.

11.3.09

Die zwei Gesichter des Übersetzens

Man man man. Was ich allein in den letzten beiden Tagen wieder durch die Welt geschüttelt wurde, geht ja wirklich in keine Worte mehr zu fassen.
.
Gestern war ich mit Herrn Kim, unserem ehemaligen Akademie-Leiter, was trinken. Warum ehemalig, wird sich jetzt der geneigte Leser fragen: Tja, die Führung hat gewechselt und unser guter Herr Dr. musste leider in den 5. Stock umziehen, um jetzt für den Herrn Institutsleiter zu denken. Schade eigentlich. Warum ich es aber hier wieder ausbreite: Herr Kim möchte mich für die Übersetzerwelt erhalten und hat sich ein lustiges neues Projekt ausgedacht: Nach der Akademie jetzt das Atelier, also ein Ort, an dem die Leute, die die Akademie absolviert haben, mit einem festen Arbeitsvertrag und guter Bezahlung das bezahlen, was sie für schön befinden. Denn das Institut wird wohl demnächst erweitert, nicht mehr nur Literatur, sondern auch Sachbücher. Offensichtlich hat man sich das so ausgedacht, dass meine Kommilitonin Haerim für moderne Prosa und ich für klassische (Sach-)Literatur und Fachbücher zuständig sein soll.
.
Vor einigen Wochen noch unvorstellbar für mich, klassische Literatur interessant zu finden ("dieser Konfuzianismus-Kram"), hat sich für mich schon wieder eine neue Welt geöffnet.
Denn dank eines Prof. Sasse machen mir sogar Gedichte riesig Spaß, mein absolutes Hassfach bisher. Da hat man wenigstens was in der Hand, denn ein klassiches Gedicht zu verstehen, das können nicht Mal Koreaner einfach so.
Irgendwie hat der Gute eine Ader wie mein damaliger Englisch- und PW-Lehrer Herr Rahn, mit einer trockenen, aber herzlichen Art, trockenste Inhalte interessant darzustellen, zumindest für diejenigen, die sich interessieren. Interessante Parallelen gibt es sowieso genug: Die Liebe zur Englischen Sprache, die Hippie-Zeit in der Jugend, die Vorliebe für die Farben olivgrün und beige, wobei die wohl mit ersterem zu tun haben dürften. Wenn die Blüten blühen, geht es zum Reiswein in die Bambushaine. Jeden Morgen schaue ich in Seoul bang auf die Bäume, wann es denn nun endlich anfängt mit dem Blühen, weil ich es kaum abwarten kann. Vollkommen krank.
.
So, jetzt Mal zurück aus meinem kleinen Einod, zurück in die harte Realität des Reiserwerbs.
.
Auf der anderen Seite balge ich mich nämlich gerade mit den Herren und Damen von der KTO. In meinem Team läuft ja alles super mit meiner Chefin. Auch die Arbeit für unseren Herrn Vizeminister verlief mehr als erfreulich und in sehr angenehmer Art und Weise. Aber da ist ja noch der Reiseführer. Da ich ja nun Mal so quasi die Leitung des Ganzen übernommen habe, also mich auch verantwortlich fühle, habe ich denen, die für die Veröffentlichung (und den irrationalen Zeitdruck, der auf mich ausgeübt wird) verantwortlich sind, jetzt versucht klar zu machen, dass das mit der Veröffentlichung nicht so eine gute Idee ist.
.
Habe bei der Erstkorrektur, die ich in unsäglichen 5 Tagen abarbeiten musste, auf 238 Seiten sage und schreibe 5960 Fehler entdeckt. Gut, so 2000 davon muss man nicht unbedingt anstreichen, aber trotzdem übel. Und da ist noch nicht Ausdruck o.ä. mit drin. Jetzt bin ich natürlich sehr gespannt wie das weitergehen soll. Wäre ja theoretisch für Herausgabe unter Bedingung, dass wir am besten gleich im Mai anfangen den Reiseführer fürs nächste Jahr vollkommen von Null anzufangen. Aber das wird bestimmt nicht gehen, weil wir ja der Englischen Version hinterherhecheln müssen. Da sind nämlich neben den ganzen haarsträubenden Fehlern auch noch tolle inhaltliche Blüten drin wie "In den Cafes in Sinchon kann man gut Kaffee trinken". "Eine Eisbar ist eine Bar, in der alles aus Eis ist" u. Ä. Glanzlichter.
.
Mit diesen fast schon zen-artigen Worten möchte ich dann meinen heutigen Ritt durch die Höhen und Tiefen meines koreanischen Lebens beschließen. Naja, einen hab ich noch.
.
"Yonsei University Street - Diese Strasse fuehrt zur Yonsei Universitaet. Wege zweigen wie Aeste eines Baumes von ihr ab. Diese Strasse wurde zur "Strasse, die man gehen moechte" bestimmt und seitdem werben Reisefuehrer fuer sie"
.
Korea, mein geliebtes Korea, was tut man dir nur an....^^

30.11.08

Das Leben positiv angehen

Wollen wir mal aufhoeren schwarz zu sehen, uns von Ereignissen nicht aus der Bahn werfen lassen und aufs Positive schauen.
.
Konnte heute zum ersten Mal seit 5 Tagen wieder so weit krauchen, dass ich zuhause ein paar kurze Uebungen machen konnte. Gutes Gefuehl, nachdem ich mich mit kaputtem Knie und beginnender Erkaeltung doch eher weniger froh gefuehlt habe die letzten Tage.
.
Dann bin ich heute das erste auslaendische Gemeindemitglied des Tempels Bongeunsa geworden und habe direkt danach bei der anderthalbstuendigen Abendandacht gemerkt, dass ernsthafter Buddhist sein anstrengender ist als Sport. Da sehnt man sich fast danach in einer relativ bequemen Kirchenbank zu hocken und lustig Lieder vor sich hin zu singen und dem Palaver eines alten Mannes zuzuhoeren. Stattdessen immer wieder auf und nieder, seitenlang Sutren rezitieren, um sich die Gedanken aus dem Kopf zu vertreiben und in den Rhythmus der anderen zu kommen.
.
Und nicht zuletzt nimmt langsam ein vielversprechendes Uebersetzungsprojekt Formen an. Habe endlich eine faehige Co-Uebersetzerin gefunden, die sowohl sehr gut Deutsch als auch perfektes Koreanisch spricht und dazu noch Interesse an koreanischer wie deutscher Literatur hat. Wenn ich jetzt "Kirsche" sage, werden mindestens 2 Leser dieses Blogs wissen, wer gemeint ist. Jetzt geht es nur noch an die Strukturierung und daran meine Dozenten in der Akademie davon zu ueberzeugen uns das Projekt zu finanzieren. Mal schauen. Freue mich jedenfalls wie ein kleines Kind, dass ich da etwas zu tun habe.
.
Ansonsten gibt es nicht viel Neues. Die Akademie liegt in den letzten Zuegen und ich bin langsam am Planen fuer Deutschland. Waehrend der zwei Monate in Deutschland wird es hier wohl noch ruhiger werden als sonst.
.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich in 6 1/2 Stunden zur Nachhilfe losmuss, sollte ich meinen Beitrag hiermit beenden.
.

21.10.08

Jeju wird heiter

Heute war ich kaum in der Firma, da gings auch gleich in die letzte Vorbesprechung für die Jeju-Reise. So traf ich den VANK-Vorsitzenden und seine Stellvertreterin wieder, mit denen wir letztes Jahr in Jeonju waren. Er stürmte gleich begeistert auf mich zu und war ganz aus dem Häuschen.
.
Er sah mich, guckte mich an und meinte, ich hätte total viel abgenommen und überhaupt sei ich gar kein Student mehr. Ich sehe jetzt aus wie ein echter Journalist. Gibt schlimmeres, dachte ich mir, erzählte, was ich jetzt so mache und was ich plane, woraufhin die Besprechung sich recht witzig gestaltete, da die offizielle Vertreterin der KTO ihn zum ersten Mal traf, er mir gegenüber aber einen auf Best Buddies machte.
.
Ich bin jetzt der offizielle "Blog-Experte" und muss mein kurzes Q&A-Session-Segment jetzt in einen 2-stündigen Vortrag ummodeln, mit dem ich die Meute am ersten Tag unterhalten darf. Dafür steht mir jetzt auch ein eigenes Zimmer zu, was ich mir die ganze Zeit erhofft hatte, um einfach mal ein paar Stunden zu entspannen.
.
Einzig das Wetter ist nicht so heiter. Nachdem diese Woche der Sommer ein letztes Zwischenspiel gab mit Temperaturen bis 27 Grad, wird es jetzt wirklich herbstlich, mit Regen, Wolken und 18 Grad. Aber Jeju bleibt Jeju, auch bei 18 Grad und Regen noch besser als Alltag in Seoul.
.
So, noch 3 Stunden Arbeit überleben (man merkt ja an dem Fakt, dass ich gerade 2 Blog-Einträge zimmere, wie konzentriert ich dabei bin..und das reicht immer noch, um von allen für den Fleiß und die Produktivität gelobt zu werden), dann los zur Nachhilfe, dann Fitness, dann mit Undine übersetzen, dann Fernsehengucken, dann Präsentation hämmern, andere Übersetzung fertigkriegen usw. Und wenn dann noch Zeit bleibt, ein paar Stündchen schlafen. Morgen ist ja ne Menge Zeit; habe erst um 10 den ersten Termin in Seolleung.
.

14.10.08

Arbeit ist toll | 알바는 신난다

Eigentlich sollte der Titel dieses Posts ein dem oberen ähnlichen, aber etwas geschichtlich vorbelasteter Begriff war, weil das wirklich das Erste war, was mir einfiel. Und zwar wirklich nicht im geschichtlichen Sinne, sondern wirklich im Sinne "durch meine Arbeit", wird es mir möglich, mich "frei" zu fühlen. So.
.
Vielleicht sollte ich auch erst Mal den Grund meiner Freude mitteilen: Ich hatte heute die Freude, mich nach exakt 2 Stunden Schlaf, nachdem ich mir das Programm meines Ipods zerschossen hatte, vollkommen übermüdet und ohne Musik die 1 Stunde Fahrt bis zur Arbeit zu schleppen, wo ich neue sinnlose Projekte auf mich zukommen sah.
.
Und es fing gleich richtig an: Meine anvisierte Tour nach Jirisan wurde gecancelt, weil Deutschland nicht in der Zielgruppe der Tour liegt. Ja, das wollt ich hören.
.
Dann wurde es aber noch besser und Frau Kang verdient sich mit dieser dramatischen Meisterleistung die Ehrenauszeichnung der koreanischen Drehbuchschreiberinnung.
.
"Übrigens, falls Du nächstes Wochenende Zeit hast, kannst du auf die Reise mit"
.
"Ehm...Jeju?"
.
"Ja."
.
Gefolgt von ungläubigem Staunen, da ich es zwar dank Intervention unserer Abteilungschefin auf die Shortlist geschafft hatte, aber seitdem lange nichts mehr von der Tour gehört hatte und Nachfragen bei einer anderen Mitarbeiterin. Kurze Zeit später lag mir der Plan auf dem Tisch. Letztes Oktoberwochenende, 3 Tage Jeju. Dasselbe wie letztes Jahr in Jeonju, nur dieses Mal mit noch mehr Sightseeing und noch weniger arbeiten. Sehr schön. 3 Tage Jeju. Am 25. morgens gehts los und Montag Abend dann wieder zurück aufs Festland.
.
Das nächste Wochenende darf ich dann ebenfalls auf KTO-Kosten nach Daegu zum "Korea in Motion"-Festival und mir dort Aufführungen angucken. Reise natürlich standesgemäß erster Klasse mit KTX.
.
Das Wochenende darauf dann "Literaturreise" nach Chuncheon, organisiert vom KLTI mit einem Autor aus der Region, der uns zu den Stätten aus seinen Romanen führt und ein bisschen erzählt. Natürlich auch kostenlos für uns als Stipendiaten.
.
Da hatte ich schon befürchtet gar nicht mehr aus Seoul rauszukommen und dann gleich drei Wochen hintereinander. In Jeju war ich seit 6 Jahren nicht mehr und in Chuncheon bin ich nur einmal kurz durch die Stadt gefahren. In Daegu selbst habe ich zwar mal übernachtet, aber von der Stadt so gut wie nix gesehen, insofern auch das eine zu füllende Lücke. Entspannender Besinnungsurlaub wird das alles nicht, aber Mal ein Tapetenwechsel, frische Luft, Seen, Berge, Ozean, endlose Natur. Ich kann gar nicht sagen wie froh ich bin - und dafür schluckt man dann seinen Ärger über manche Sinnlosigkeiten bei der Arbeit weg. Ich habs wirklich gut getroffen hier.
.

13.10.08

TOEFL

Nun hat es mich auch erwischt. Ich dachte mein Schulenglisch wird mich ewig durchs Leben bringen, aber weit gefehlt. Ich hatte erwartet, dass für die Aufnahme an der Graduate School of Comparative Politics an der KU (siehe Gomdori[at]KU) wenigstens Mal meine Koreanisch-Fähigkeit getestet wird, bzw. mein KLPT-Level nachgefragt wird.
.
Weit gefehlt, stattdessen verlangt die Fakultät von allen (auch Ausländern aus nicht-englischsprachigen Ländern) einen mit TOEFL vergleichbaren Englischtest, sodass ich jetzt wohl gezwungen bin, bis März diese absichtlich von mir gelassene Lücke, zu füllen. Wenn ich überhaupt einen Platz in Korea bekomme. Denke es ist sinnvoller den Test in Deutschland zu machen.
.
Ich hasse diesen Test und zwar nicht des Tests wegen, sondern des Stellenwerts wegen, den dieser komische Test in der koreanischen Gesellschaft hat und den kranken Verrenkungen, die Koreaner - verständlicherweise - unternehmen, um dort gut abzuschneiden. Meist endet das nämlich damit, dass die Leute sich wochenlang einsperren und die ganzen Testbücher stur auswendig lernen.
.
Ich seh es schon kommen: Leute, die nicht Mal auf Englisch ne Cola bestellen können, werden in diesem Test bessere Ergebnisse erzielen als ich und dann darf ich ständig erklären, warum ich so ein Englisch-Versager bin. Aber ich werde ja in Zukunft sowieso jedem Arbeitgeber erst Mal erklären, warum ich für den Bachelor 7 Semester gebraucht habe.
.
Also, falls jemand Tipps für die Vorbereitungen, eigene Erfahrungen oder auch ne Empfehlung hat, ob ich TOEFL, TEPS oder IELTS machen soll, immer raus damit!
.

12.10.08

Seonbipalooza

Nach einer durch Muskelschmerzen versauten Nacht war es mir auch dieses Wochenende wieder nicht vergönnt aus Seoul rauszukommen. Aber bei der guten Luft, dem kristallklaren Himmel und noch immer über 20 Grad ist es auch so auszuhalten.
.
Trotzdem sind die Attraktionen in Samseong-dong einigermaßen begrenzt. Nachdem ich aber meinen Computer dank einer Banane - im Norden würde man mir für diese ingenieurtechnische Glanzleistung einen Orden verleihen - wieder temporär in Gang gesetzt hatte, beschloss ich wieder meinem liebsten Hobby fröhnen zu gehen: Bücherkaufen auf Kosten des koreanischen Steuerzahlers.
.
Jedenfalls habe ich mir mal hochgerechnet, wozu das führt, wenn ich das Geld weiterhin so nur für Bücher ausgebe - und es hat zu einer weiteren Entscheidung geführt, nämlich, dass ich mir einen weiteren der kleinen Träume verwirklichen werde, die ich schon immer Mal hatte:
.
Nächsten Sommer nach Beendigung der Akademie und vor Beginn der Uni werde ich mich ca. einen Monat lang zurückziehen und all die Bücher lesen, die ich gekauft habe, aber nicht lesen konnte. Da so etwas lange Vorbereitung braucht, damit man wirklich seine Ruhe hat, fang ich jetzt schon damit an und sage es allen Leuten, damit sie sich nicht wundern. Ich komme jetzt sicher nicht mit pathetischen Worten wie "neues Leben", meine kurzzeitige Auszeit hat einen ganz pragmatischen Grund: Ich brauche Ruhe, um mich auf koreanische Bücher konzentrieren zu können, da mir beim flüchtigen Lesen einfach noch immer zu viele wichtige Details (natürlich gerade bei Literatur) entgehen. Nebenbei hoffe ich auch wieder ein bisschen mehr Inspiration und Muse zu bekommen, um selbst weiterzuschreiben.
.
Irgendwo in einer kleinen Hanok-Herberge mitten im Nichts oder in einen Tempel einfach Mal einen Monat das andere Korea. Das Leben eines koreanischen Gelehrten (Seonbi), nur halt im 21. Jahrhundert. Bildung als Zeitvertreib, frei von weltlichen Sorgen. Das treibt Lebenshaltungskosten nach unten, Lebensqualität nach oben und wird zudem hoffentlich auch einen gewünschten Effekt auf die koreanische Lesefähigkeit haben, die ja zentral für ein Masterstudium in Korea ist. Nicht zuletzt interessieren mich die Bücher wirklich. Selbst ganz einfache Kurzübersichtswerke über koreanische Geschichte sind auf Koreanisch einfach viel detaillierter und interessanter als sogenannte Standardwerke der Koreanistik. Es sind so viele neue Welten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden - und ja; 300.000 Won im Monat sind schneller weg als man denkt, ohne dass man Bücher kaufen muss, die einen nicht interessieren.
.
Neudeutsch hieße dieses Seonbipalooza wohl Sabbatical, für mich ist es einfach eine kurze Auszeit nach einer anstrengenden Zeit und vor einer noch anstrengenderen Zeit und vor allem ein Ziel, das einem bereits jetzt erlaubt, sich kurz einmal aus dem Alltag herauszudenken. Ich glaube ja nicht, dass ich vor Dezember noch mal aus Seoul rauskomme, daher ist dieser Plan doch eine realistische Alternative.
.